Auf der Jagd nach dem Auslöser der lebensgefährlichen Darminfektion EHEC haben Wissenschaftler einem Bericht zufolge eine erste heiße Spur. Insgesamt 17 Menschen erkrankten demnach, nachdem sie Mitte Mai ein Lübecker Restaurant besucht hatten, berichten die "Lübecker Nachrichten". Womöglich hätten sie dort kontaminierte Speisen gegessen. Die Landwirtschaftsminister der EU planen ein Sondertreffen zu dem Darmkeim in Luxemburg Mitte Juni. In Mecklenburg-Vorpommern starb eine zweite EHEC-Patientin; sie ist das 18. Todesopfer in Deutschland. Italienische Wissenschaftler schließen Gemüse als Überträger aus.
"Die Lieferantenkette kann möglicherweise den entscheidenden Hinweis geben, wie der Erreger in Umlauf gekommen ist", sagte der Mikrobiologe am Universitätsklinikum Lübeck, Werner Solbach, dem Blatt. Experten des Robert-Koch-Instituts und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) trafen am Donnerstag zu Untersuchungen in Lübeck ein. In dem Restaurant fanden bereits Untersuchungen statt, bestätigte das Kieler Verbraucherschutzministerium. Nun sollten die Lieferantenlisten ausgewertet werden.
Es sei "zu 95 Prozent" sicher, dass die Zusammenkunft am 17. Juni stattfinde. Aus EU-Diplomatenkreisen hieß es, zu der Sitzung solle "bis Montag oder Dienstag" eingeladen werden. Nach Russland verhängte indes auch der Libanon einen Importstopp für Gemüse aus EU-Ländern. Landwirtschaftsminister Hussein Hadschdsch Hassan sagte AFP, vorerst sollten Agrarprodukte vor allem aus Syrien und Jordanien eingeführt werden.
"Wir erhoffen uns im Laufe der nächsten Woche Hinweise zur Verhinderung weiterer Infektionen", sagte Dag Harmsen vom Universitätsklinikum Münster im Hessischen Rundfunk. Zunächst müsse geklärt werden, was den EHEC-Keim so aggressiv mache. Dazu liefen derzeit verschiedene Untersuchungen.
Bei der Zahl der Neuinfektionen mit dem lebensbedrohlichen Darmkeim EHEC haben Mediziner eine leichte Entspannung beobachtet. "Die Lage ist so, dass sie sich scheinbar etwas beruhigt, was die Zahl der Neuinfektionen angeht", sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie, Reinhard Brunkhorst, in Hamburg. Dies sei aber nur ein Trend.
Eine 80 Jahre alte Frau aus Thüringen starb in einer Reha-Klinik, wie das Rostocker Landesamt für Gesundheit mitteilte. Sie litt am HUS-Syndrom. In der vergangenen Woche war eine 87-jährige Rentnerin an den Folgen des EHEC-Virus gestorben, die Frau hatte allerdings zahlreiche Vorerkrankungen.
Italienische Wissenschaftler schließen unterdessen Gemüse als EHEC-Ursache aus. Tests hätten ergeben, dass kontaminiertes Gemüse nicht der Grund für die massenhaften Infektionen sei, erklärte das EU-Referenzlabor für E-Coli-Bakterien in Rom.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vereinbarte in einem Telefonat mit dem spanischen Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero, sich auf europäischer Ebene um Hilfen für betroffene Landwirte zu bemühen.


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