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    Perverse Pinguine: Forscher hielt sexuelle Vorlieben geheim

    Mit ihrem Watschelgang und in ihrem natürlichen Frack sind Pinguine ein allseits beliebtes wie sympathisches Völkchen aus dem Reich der Tiere. Groß muss also der Schock für George Murray Levick gewesen sein, als er das Sexualverhalten der Vögel während einer Expedition in der Antarktis genauer unter die Lupe nahm. Die schon Anfang des 20. Jahrhunderts gemachten Beobachtungen erschienen dem Polarforscher so pervers, dass er seine wissenschaftlichen Aufzeichnungen dazu versteckte. Jetzt wurden sie veröffentlicht.

    Verdorbene Vögel: Forscher hielt Pinguin-Vorlieben geheim (Bild: thinkstock)George Levick war Schiffsarzt bei der legendären „Terra Nova“-Expedition von Polarforscher Robert Falcon Scott an den Südpol. Für den Teamleiter und mehrere Expeditionsmitglieder endete die Forschungsreise tödlich. George Levick überlebte das eisige Abenteuer zwar, doch das, was er während seiner Forschungsreise gesehen hatte, lastete offenbar schwer auf ihm.

    Von 1910 bis 1913 studierte Levick das Verhalten der Adéliepinguine am Kap Adare und leistete damit Pionierarbeit, so die britische „BBC“. Zahlreiche unbekannte Details erfasste der Forscher zu den Vögeln, doch einige ihrer Aktivitäten waren zu viel für den Doktor. Besonders von dem, wie er schrieb, „schändlichen“ Sexualverhalten der männlichen „Hooligans“ , die versuchten, sich mit toten Weibchen zu paaren, zeigte er sich schockiert. Neben dieser Nekrophilie entrüstete sich Levick außerdem unter anderem über sexuell motivierte Angriffe auf Jungvögel und die homosexuellen Neigungen der Tiere.

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    Seine Beobachtungen schrieb der Arzt in einer Schrift namens „Sexual Habits of the Adélie Penguin” nieder, allerdings ließ er nur eine limitierte Auflage von 100 Exemplaren drucken und verteilen. Lediglich zwei Originale sollen davon heute noch existieren. In seiner berühmt gewordenen Studie „Natural History of the Adélie Penguin” ließ Levick die seiner Ansicht nach sexuellen Abartigkeiten der Tiere dagegen einfach unter den Tisch fallen.

    Beinahe 100 Jahre später ist ein unzensiertes Exemplar zur Pinguin-Studie im „Natural History Museum“ in London aufgetaucht. Einer der Kuratoren, Douglas Russell, stöberte es im Archiv auf. Mit seinen Aufzeichnungen zur Verhaltungsforschung habe Levick einen außergewöhnlichen Beitrag geleistet, gewisse Beobachtungen allerdings missinterpretiert: „Er tappt gewissermaßen in die gleiche Falle wie eine Menge anderer Leute, die Pinguine als Vögel mit zwei Beinen und als kleine Menschen betrachten“, so Russell gegenüber der „BBC“. „Das sind sie aber nicht. Es sind Vögel und als solche sollten sie interpretiert werden.“ So seien etwa die sexuellen Handlungen an toten Weibchen in keiner Weise mit Nekrophilie bei Menschen zu vergleichen, denn allein die Position erwecke bei den Männchen nun mal eine sexuelle Reaktion. Die männlichen Tiere aus Levicks Studie könnten zwischen den lebenden gattungsbereiten und den toten weiblichen Tieren, die in derselben Position lagen, schlichtweg nicht unterscheiden.

    Gemeinsam mit anderen wissenschaftlichen Kollegen interpretierte Russell Levicks Aufzeichnungen deshalb neu und veröffentlichte sie in dem Fachmagazin „Polar Record“. Außerdem werden die handschriftlichen Aufzeichnungen Levicks jetzt erstmals im „Natural History Museum“ ausgestellt.

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