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    Vettel nach Zeitstrafe nur noch Fünfter

    WM-Spitzenreiter Alonso Erster - Schumacher Siebter

    Den Schreck am Morgen hatte Sebastian Vettel noch gut verdaut, der Schock am Abend verdarb ihm dagegen endgültig die Laune: Die 20-Sekunden-Zeitstrafe für sein fulminantes Überholmanöver gegen Jenson Button hat dem Formel-1-Weltmeister das Heimspiel in Hockenheim gründlich vermiest. Statt Platz zwei nur Rang fünf und damit jetzt schon 44 Punkte Rückstand auf Sieger und WM-Spitzenreiter Fernando Alonso im Ferrari - so lautete letztlich Vettels getrübte Bilanz nach dem Großen Preis von Deutschland, den er in jetzt fünf Anläufen noch nie gewonnen hat.

    "Es war ein gutes Gefühl, beim Heispiel auf dem Podium gestanden zu haben, aber ich muss die Entscheidung der Rennkommissare akzeptieren", sagte Vettel. Sein Teamchef Christian Horner wurde deutlicher. "Die Strafe ist dem Vergehen nicht angemessen", sagte der Brite: "Aber leider war es die einzige mögliche Strafe, die die FIA in ihrem Reglement vorgesehen hat."

    Schon vor dem deprimierenden Urteil war die Laune des 25-jährigen Vettel, der nur 45 Kilomter entfernt von der Rennstrecke in Heppenheim aufgewachsen ist, nicht die beste gewesen. "Ich habe gekämpft wie ein Löwe und alles probiert, aber es war einfach nicht mehr drin", hatte er kurz nach Rennende noch mit süßsauerer Miene gesagt: "Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr. Irgendwann muss es ja mal klappen."

    Am Morgen hatte die FIA ihm schon den Start in den Tag getrübt und seine "Abbey" wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten in der Motorsteuerung zunächst für illegal erklärt. Erst nach dreistündiger Diskussion wurde dem RB8 die Freigabe fürs Rennen erteilt, in den ihm gegen den souveränen Alonso weder sein goldenem Glückshelm noch der aufopferungsvolle Kampf halfen. Einen Zusammenhang zwischen beiden Verhandlungen wollte Horner nicht herstellen: "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun."

    Dass er am grünen Tisch dann auch noch den zweiten Platz verlieren würde, weil er Button beim entscheidenden Manöver in der vorletzten Runde neben der Strecke passiert hatte, damit hatte er aber nicht gerechnet. Denn wie schon nach den Anschuldigungen an Morgen, denen sich das Weltmeister-Team durch Schlupflöcher im Reglement entzog, hatte sich Vettel auch am Nachmittag auf der sicheren Seite gefühlt. "Ich wollte einfach für uns beide auf Nummer sicher gehen", hatte er erklärt: "Denn das letzte, was ich wollte, war, dass wir so kurz vor dem Ende beide zusammenkrachen und noch rausfliegen."

    Auch Horner hatte gemeint, ein faires Manöver gesehen zu haben. "Seb kann sich ja nicht in Luft auflösen", glaubt aber nicht an eine Vorentscheidung im Titelrennen: "Seb ist natürlich sehr enttäuscht. Aber er ist ein starker Charakter und wird wieder aufstehen."

    Die Rennkommissare argumentierten, der Weltmeister habe durch das Verlassen der Strecke in der Spitzkehre mehr Schwung mit in die Gerade nehmen können und sich dadurch den entscheidenden Vorteil gegenüber Button verschafft. "Die Fernseh-Bilder sagen doch alles", hatte der Brite dazu nur lapidar erklärt.

    Rekordchampion Michael Schumacher blieb von Startplatz drei aus die zweite Podestplatzierung der Saison verwehrt, er wurde Siebter. "Mein Ziel war ein Platz zwischen fünf und sieben. Dass es nun der Siebte ist, ist natürlich blöd", meinte der 43-Jährige: "Ich habe alles rausgehauen, aber mehr war ich einfach nicht drin. Schade, ich hätte den Fans gerne mehr gegeben." Schumacher hatte auch den Reifenverschleiß seines Silberpfeils als Problem ausgemacht: "Unser Auto braucht eben mehr schwarzes Gold als andere."

    Ebenfalls in die Punkteränge fuhren beim Heimspiel der als Vierter gestartete Force-India-Pilot Nico Hülkenberg auf Platz neun und der von Platz 21 ins Rennen gegangene Nico Rosberg im zweiten Mercedes als Zehnter. "Ich musste mehr verteidigen als angreifen zu können. Auf einer Skala bis zehn hatte dieses Rennen den Schwierigkeitsgrad neun", meinte "Hülk". Und auch Rosberg war relativ zufrieden: "Von hinten muss man mehr Risiko gehen. Das hat ganz gut geklappt. Mit einem Punkt hier wegzugehen, ist okay."

    Wenig erfreulich war das Rennen für die Jubilare. Schlimmer als Webber bei seinem 100. Auftritt für Red Bull erwischte es Ex-Weltmeister Lewis Hamilton: In 100. Rennen seiner Karriere fuhr er nach einem frühen Reifenschaden hinterher und stellte seinen McLaren-Mercedes zehn Runden vor Ende in die Box.

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