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    Vom Bürger Gauck zum Präsidenten

    Breda (dapd). Der frühere Pfarrer schreitet in der Kirche von Breda zum Pult. "Vor Ihnen steht ein dankbarer Mann, bewegt und voller Freude", beginnt er seine mit Spannung erwartete Rede. Er darf als erster Deutscher diese Ansprache halten und es ist eine heikle Mission für Bundespräsident Joachim Gauck. Mit dem nationalen Befreiungstag erinnern die Niederländer an die Befreiung von der deutschen Besatzung im zweiten Weltkrieg am 5. Mai 1945. Gauck löst die Aufgabe konzentriert, liest seine Ansprache mit fester Stimme vom Blatt ab.

    Der Mann, der auch in Breda "Freiheit und Verantwortung" predigt, hat sich nun protokollarischen und diplomatischen Zwängen zu beugen. Sich wörtlich an ein vorbereitetes Redemanuskript zu halten, fällt dem temperamentvollen Redner nicht immer leicht. "Ich bin nicht nur Gauck, ich bin der Präsident dieses großen Landes", sagt er im Hintergrundgespräch zur neuen Bürde des Amtes. Bei seinen Auslandsreisen erst nach Schweden und dann in die Niederlande rund um das Wochenende war die weitere Entwicklung des Bürgers Gauck zum Staatsoberhaupt zu beobachten.

    Nach der schwierigen Rede zeigt sich der Bundespräsident "sehr bewegt" und in gelöster Stimmung. Die Niederländer hätten ihn ausgesprochen herzlich empfangen. Vor seiner wichtigen Ansprache sei er durchaus aufgeregt gewesen. Nun aber habe sich "die Spannung gelöst". Neben ihm in der Residenz der deutschen Botschaft von Den Haag sitzt seine Lebensgefährtin Daniela Schadt. Dann spricht Gauck offen über die ersten Wochen seiner Amtszeit, in denen sich auch schon Kritiker zu Wort meldeten.

    "Ecken und Kanten"

    Bei seinem Antrittsbesuch in Brüssel hatte der Bundespräsident möglichen Verfassungsklagen gegen den Euro-Rettungsschirm und den Fiskalpakt keine Chancen eingeräumt: Er glaube nicht, dass die Karlsruher Richter die Politik der Bundesregierung konterkarieren würden. Diese Äußerung war als Einmischung in die Angelegenheiten des Bundesverfassungsgerichts interpretiert worden.

    Gauck winkt gelassen ab: "Alles nicht so schlimm." Er habe eben "Ecken und Kanten". Bei seiner Wahl zum Bundespräsidenten "gab es niemanden, der sich nicht gewünscht hätte, ich sollte der bleiben, der ich bin", sagt der 72-Jährige und betont: "Das ich nach fünf Jahren überhaupt nicht mehr Gauck bin, das will ich überhaupt nicht."

    Der ehemalige Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde und Ex-DDR-Bürgerrechtler ist nicht einfach nur ein Mann mit Berufserfahrung. Dieser Bundespräsident verkörpert ein Schicksal. Seine Lebensgeschichte will er nun in den Dienst der Bundesrepublik Deutschland stellen und auch als Außenpolitiker im Schloss Bellevue "etwas Persönliches in die Begegnungen hineinbringen".

    Bereits vor der schwierigen Mission in Breda hat er von Besuchen niederländischer Christen aus der Friedensbewegung in der DDR berichtet. In der holländischen Stadt umarmt ihn dann eine Frau, die ihn aus dieser Zeit kennt. "Da kullern dann doch die Tränen", sagt der Bundespräsident.

    Am Tag zuvor, kurz vor seinem Besuch in Schweden, hat Gauck erzählt, wie er 1959/60 in Rostock Schwedisch lernte. Das Land am anderen Ufer der Ostsee sei für ihn ein mythisches "Sehnsuchtsland" gewesen. Der Regierungsflieger nach Stockholm hat zu diesem Zeitpunkt längst die Ostsee erreicht. "Die längste Zeit meines Lebens war diese Grenze etwas Unüberwindliches", sagt Gauck. Nun also fliegt er mit Entourage zum offiziellen Besuch nach Schweden: "Ein Flugzeug nur für mich, das ist eine unwahrscheinliche Geschichte", staunt der Bundespräsident.

    dapd

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