Nach der Pause wegen Wirbelsturm "Sandy" ist der Wahlkampf in den USA wieder angelaufen. Der republikanische Kandidat Mitt Romney warb in Tampa im Bundesstaat Florida um Stimmen, verzichtete aber auf scharfe Attacken gegen Präsident Barack Obama. Der Präsident besuchte das Katastrophengebiet in New Jersey - weniger als eine Woche vor der Wahl ebenfalls ein hochpolitischer Termin.
Obama hatte seit Montag das Krisenmanagement zu "Sandy" vom Weißen Haus aus beaufsichtigt. In festen Stiefeln und Windjacke traf der Präsident in der Küstenstadt Atlantic City ein, begleitet wurde er vom Chef der Katastrophenschutzbehörde FEMA, Craig Fugate. Gemeinsam mit dem republikanischen Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, brach Obama im Präsidenten-Helikopter zu einer Tour über die zerstörten Gebiete auf. "Sandy" war in der Nacht zum Dienstag über die US-Ostküste hereingebrochen, etwa 50 Menschen kamen ums Leben.
Auf dem Flug von Washington nach Atlantic City hatte Obamas Sprecher Jay Carney erneut betont, dass der Präsident sich auf seine Rolle als oberster Koordinator der Hilfsmaßnahmen konzentriere. "Das ist nicht der Zeitpunkt, um Politik zu machen", sagte Carney. US-Medien zufolge will Obama am Donnerstag aber wieder in den Wahlkampf ziehen. Geplant seien Auftritt in Wisconsin, Nevada und Colorado.
Romney ging am Mittwoch nach 24-stündiger Pause wieder auf Stimmenjagd. "Es ist an der Zeit für Amerika, einen anderen Kurs einzuschlagen", sagte er in Tampa. "Ich rede nicht nur über den Wandel. Ich habe einen Plan, um Wandel herbeizuführen und Wirklichkeit werden zu lassen", sagte Romney, hielt sich mit direkten Angriffen auf Obama aber zurück.
Am Dienstag hatte Romney seine Wahlkampftermine wegen "Sandy" abgesagt. Einen geplanten Auftritt im besonders umkämpften Bundesstaat Ohio hatte der Republikaner dabei allerdings in eine Spendenveranstaltung für Sturmopfer umgewandelt. Auch in Tampa bat der Kandidat seine Anhänger, die Betroffenen zu unterstützen. "Wenn Ihr einen oder zwei Dollar übrig habt, schickt sie bitte herüber", sagte er. Romney hatte am Mittwoch noch zwei weitere Auftritte im Bundesstaat Florida, dem ebenfalls eine entscheidende Rolle zukommt.
Der Ausgang der Wahl am kommenden Dienstag steht auf Messers Schneide. In landesweiten Umfragen liegen Obama und Romney praktisch gleichauf. Allerdings wird der US-Präsident nicht nach dem nationalen Stimmenanteil, sondern von einem Wahlmännergremium gekürt. Dort spiegeln sich die Ergebnisse aus den einzelnen Bundesstaaten wider. Experten räumen Obama noch immer die größeren Chancen ein, am Ende die nötigen 270 Wahlmännerstimmen zu erreichen.


