Seit knapp 25 Jahren sitzen zwei Brüder aus Detroit im Gefängnis. 1988 wurden die Amerikaner Raymond und Thomas Highers wegen Mordes an Robert Karey zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Möglicherweise zu Unrecht: Denn als 2009 eine Frau den Fall auf Facebook kommentierte, meldeten sich daraufhin angebliche Zeugen zu Wort. Sie sollen sich während des Mordes am Tatort befunden haben – und könnten die Unschuld der beiden Inhaftierten beweisen. Jetzt wird der Prozess neu aufgerollt.
Vergangene Woche hob Richter Lawrence Talon in Detroit die Schuldsprüche gegen Raymond und Thomas Highers auf, berichtet „MyFoxDetroit.com“. Bislang mussten die beiden 46-jährigen Brüder eine Haftstrafe verbüßen, Urteil: lebenslang. Ihnen wird vorgeworfen, im Jahre 1987 den Drogendealer Robert Karey in Detroit ermordet zu haben.
Hauptzeuge sei damals Thomas Culberson gewesen, der bei einer Sicherheitsfirma arbeitete und in der Mordnacht Marihuana bei dem später ermordeten Karey kaufen wollte. Er sagte einst aus, er habe zwei weiße Männer in einem Auto vom Tatort flüchten sehen. Später identifzierte er Raymond und Thomas Highers als die Insassen. Bei der Verurteilung der beiden Brüder hieß es, sie hätten Karey bei einem Streit um Geld ermordet, berichtet „ABC News“.
Knapp 20 Jahre nach dem damals dreiwöchigen Prozess, bei dem die beiden Männer zu lebenslanger Haft verurteilt wurden, meldeten sich allerdings weitere Zeugen zu Wort. Anlass dafür war ein Post von Mary Evans im Jahr 2009 auf Facebook. Auf der „Northeast Detroit Alumni“-Seite im sozialen Netzwerk kommentierte sie den damaligen Mordfall und die Verurteilung der Highers-Brüder: „Es ist schade oder es ist traurig, dass die Highers-Brüder lebenslang im Gefängnis sind". Und genau da hat dieser "Dominoeffekt" angefangen, der zur Wiederaufnahme des Gerichtsverfahrens führte, zitiert die „MyFoxDetroit“ die Frau.
Offensichtlich fühlte sich auch Kevin Zieleniewski von dem Kommentar angesprochen. Wie „ABC News“ berichtet, kontaktierte er daraufhin einen alten Schulfreund namens John Hielscher. Der habe ihm vor Jahrzehnten gestanden, dass er in der damaligen Nacht bei Karey gewesen sei. Und dass der Drogendealer von zwei schwarzen Männern erschossen worden sei, so „Detroit Free Press“, und nicht von weißen, wie bislang angenommen.
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Hielscher erklärte sich gemeinsam mit James Gianunzio, der damals ebenfalls am Tatort gewesen sein soll, dazu bereit, bei einem Beweisaufnahmeverfahren im März auszusagen. Demnach hätten sich die beiden zum entscheidenden Zeitpunkt an der Hintertür von Kareys Haus befunden, als zwei bewaffnete, schwarze Männer ankamen, erklärten sie. Dann hätten sie einen Schuss gehört, anschließend seien die Männer in einem Wagen geflohen.
Der Anwalt der Highers erklärte laut „FoxNews.com“, dass keiner der Zeugen damals zur Polizei gegangen sei, da diese nach Aussagen eines Zeugen „nur Kinder“ waren, deren Moralbewusstsein noch nicht ausgereift gewesen sei.
Die beiden einst verurteilten Männer und ihre Familie hoffen nun auf eine baldige Entlassung: „Ich wusste, dass dieser Tag kommen würde. Es ist nur traurig, dass es 25 Jahre dauerte“, erklärte Scott Highers, der jüngere Bruder der beiden Gefängnisinsassen, laut „MyFoxDetroit.com“. „Ich weiß, dass sie bald zu Hause sein werden.“
Die Staatsanwaltschaft dagegen zweifelt an dieser Version. Das Ganze sei nur erfunden worden, um die Highers-Brüders aus dem Gefängnis zu bekommen. Nach Informationen von „ABC News“ hält sie die Zeugen nicht für glaubwürdig.
Die beiden Brüder befinden sich für mindestens noch zwei weitere Wochen hinter Gittern. Der Richter hat die nächste Anhörung für den 13. August 2012 angesetzt.
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