Der logistisch aufwändige Rückzug aus Afghanistan droht die Bundeswehr nach Einschätzung des Wehrbeauftragten des Bundestags, Hellmut Königshaus, zu überfordern. Für die Rückverlegung der Truppen bis Ende 2014 seien erhebliche Kapazitäten notwendig, sagte der FDP-Politiker der Zeitung "Die Welt". "Es ist schwer vorstellbar, wie dieser komplexe Auftrag erfüllt werden soll, wenn wir mit der zurückgehenden Zahl von Kampftruppen auch die Gesamtzahl der Soldaten rasenmähermäßig runterfahren", fügte er hinzu.
Auch der deutsche ISAF-Regionalkommandeur Erich Pfeffer sagte der "Welt", derzeit würden die Zahlen ermittelt, wie viele "Umzugshelfer" die Bundeswehr überhaupt benötige. Seit einigen Wochen schon hebe jedes Transportflugzeug, das Material in den Einsatz bringe, vollgepackt wieder ab. "2012 ist das Jahr der Planung und des Entrümpelns", sagte der General dem Blatt. Pfeffer beklagte aber, dass in der derzeitigen Debatte viele verkennten, dass der Rückzug "nicht mein Hauptauftrag" sei.
Auch Königshaus verwies in der "Welt" auf die anhaltenden Herausforderungen durch den Einsatz: "Je nachdem, wie sich die Lage an der pakistanischen Grenze entwickelt, werden immer mehr Nationen über den Norden abziehen", sagte er. Dann müsse Deutschland als Führungsnation in der Region dort "bis zum letzten Tag" dafür sorgen, "dass die Straßen frei sind, dass die Flugplätze betrieben werden, dass die vorhandenen Truppen versorgt werden".
Die NATO will den Kampfeinsatz am Hindukusch bis Ende 2014 beenden, auch die Bundeswehr will bis dahin den Großteil ihrer derzeit etwa 4700 Soldaten abziehen. Ihre Logistiker gehen im Moment davon aus, dass sie etwa 6000 Container und 1900 Fahrzeuge zurück nach Deutschland bringen müssen.


