Nürnberg/Berlin (dapd). Die Zahl der Arbeitslosen ist im Mai im Zuge der Frühjahrsbelebung weiter unter die Drei-Millionen-Marke gesunken. Sie nahm im Vergleich zum Vormonat um 108.000 auf 2,855 Millionen ab, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg bekanntgab. Das ist zwar der niedrigste Mai-Wert seit 1992, allerdings fiel der Rückgang um etwa ein Drittel geringer aus als im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre. Im Vergleich zum Vorjahr waren 105.000 Menschen weniger arbeitslos gemeldet.
Der Vorstandsvorsitzende der BA, Frank-Jürgen Weise, erklärte die Entwicklung mit der "üblichen Frühjahrsbelebung", wobei der Konjunktur inzwischen der Schwung fehle, um darüber hinaus für einen weiteren Rückgang zu sorgen. "Wir dürfen nicht erwarten, dass es laufend eine starke Verbesserung gibt, sondern wir bleiben auf diesem hohen Niveau", betonte er. Die Dynamik habe nachgelassen. Entsprechend habe sich die Arbeitslosigkeit saisonbereinigt nicht verändert.
Die Arbeitslosenquote ging um 0,3 Punkte auf 6,7 Prozent zurück. Sie lag in Ostdeutschland mit 10,6 Prozent erneut deutlich über dem Wert für Westdeutschland (5,7 Prozent). Die bundesweit niedrigste Arbeitslosenquote für Mai weist der Bezirk Eichstätt in Bayern auf (1,1 Prozent), die höchste die Uckermark (16,3 Prozent). In Bundesländer unterteilt liegt Bayern mit nur 3,5 Prozent an der Spitze, Schlusslicht ist Berlin (12,2).
Den schwächeren Rückgang der Arbeitslosigkeit im Mai erklärte die Behörde auch mit dem geringeren Einsatz von arbeitsmarktpolitischen Programmen im Zuge der Reform der Arbeitsmarktinstrumente. Dies habe - anders als in der Vergangenheit - von der Konjunktur nicht mehr kompensiert werden können, sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt.
So waren im Mai beispielsweise 50.000 Arbeitssuchende weniger in Arbeitsgelegenheiten wie Ein-Euro-Jobs untergebracht als vor einem Jahr. Der Bestand aller Teilnehmer aktiver Arbeitsmarktpolitik, zu der auch Weiterbildungs- und Eingliederungsmaßnahmen gehören, belief sich auf rund 973.000. Das waren 253.000 weniger als im Vorjahr.
Als "schöne Botschaft" bezeichnete Alt die historisch niedrige Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen. Sie sei mit etwas über 253.000 arbeitslos gemeldeten unter 25-Jährigen so gering wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr und habe sich seit 2005 halbiert. "Jetzt hat man wirklich gute Chancen, in Ausbildung und Beschäftigung zu kommen - besser als je zuvor", sagte Alt. Dies sollten junge Arbeitssuchende nutzen.
Positive Zahlen vom Arbeitsmarkt hatte am Morgen auch das Statistische Bundesamt gemeldet: Demnach stieg die Erwerbstätigkeit im April im Vergleich zum Vorjahr um 557.000 auf 41,4 Millionen. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wuchs nach BA-Hochrechnungen für März um 675.000 auf 28,76 Millionen.
Für das Gesamtjahr hält die BA an ihrer Prognose von durchschnittlich 2,8 bis 2,9 Millionen Arbeitslosen fest. Risiken sieht die Behörde zwar durch die Schuldenkrise in Europa. Dieser Einfluss werde aber derzeit durch den Export in Länder außerhalb der EU und den starken Konsum noch ausgeglichen, sagte Weise.
Während Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Stabilität des Arbeitsmarktes betonte und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) von "guten Nachrichten" sprach, kritisierten Opposition und DGB strukturelle Probleme am Arbeitsmarkt.
Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Hubertus Heil, warnte davor, sich von den positiven Zahlen aus Nürnberg darüber hinwegtäuschen zu lassen, dass es "tiefe Verwerfungen" am Arbeitsmarkt gebe und viele Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen steckten.
Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Brigitte Pothmer, verwies darauf, dass jede dritte Stelle aus der Leiharbeit komme, sich Langzeitarbeitslosigkeit verfestige und ein gesetzlicher Mindestlohn fehle.
DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach forderte, dass der "Boom bei prekären Jobs" endlich in einen "Boom guter Arbeit" umgewandelt werde. "So kann der Fachkräftebedarf von morgen heute schon durch mehr Qualifizierung und Weiterbildung sichergestellt werden", sagte sie.
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