Bei der bislang umfassendsten Auswertung vorliegender Studien hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Hinweise auf eine krebserregende Wirkung von Handystrahlung festgestellt. Handytelefonate seien "möglicherweise krebserregend", erklärten die Krebsforscher der WHO. Einiges deute darauf hin, dass Menschen, die viel mit dem Handy telefonieren, eher einen bösartigen Gehirntumor entwickeln als andere.
Es sei derzeit "nicht klar bewiesen", dass die von den Mobiltelefonen ausgehende elektromagnetische Strahlung tatsächlich Krebs auslöse, erklärte Kurt Straif, ein Forscher der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), die zur WHO gehört. Aber es gebe Hinweise darauf, dass vor allem Vieltelefonierer ein größeres Risiko hätten, an Gehirntumoren wie dem bösartigen Glioblastom zu erkranken.
Die WHO beschloss daher nach den achttägigen Beratungen ihrer Krebsforscher im ostfranzösischen Lyon, Mobiltelefone genau wie etwa Chloroform und Benzindämpfe als "möglicherweise krebserregend" einzustufen. Zigaretten, Sonnenbänke und Asbest gelten im Vergleich dazu als eindeutig "krebserregend".
Es sei das erste Mal, dass sämtliche vorliegende Literatur zu dem Thema wissenschaftlich ausgewertet worden sei, sagte IARC-Forscher Robert Baan über den noch zu veröffentlichenden Bericht. Eine Gruppe von 31 Wissenschaftlern aus 14 Ländern hatte sich in den vergangenen Tagen im südfranzösischen Lyon über den Stand der Forschung beraten - sie stützten sich vor allem auf zwei umfangreiche Studien, in denen auch Vieltelefonierer untersucht wurden, die schon seit bis zu 15 Jahren ein Mobiltelefon nutzen. "Wir wissen einfach nicht, was passieren kann, wenn Menschen ihr Telefon über längere Zeiträume benutzen", sagte der Leiter der Arbeitsgruppe, Jonathan Samet.
Eine US-Interessengruppe der Telekommunikationsbranche versuchte, die Schlussfolgerung der Forscher zu entkräften. Es gebe nur wenige Beweise aus statistischen Untersuchungen, erklärte CTIA - The Wireless Association. In der Vergangenheit habe die Forschungsgruppe viele ähnliche Untersuchungen gemacht und "zum Beispiel Kaffee und eingelegtes Gemüse" genauso schlecht eingestuft wie nun Mobiltelefone.


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