Frittierte Vogelspinne am Spieß, an einem Straßenstand in Phnom Penh? Gebratener Hund, als nährstoffreiche Spezialität in einem vietnamesischen Delikatessenrestaurant? Eine Schüssel Heuschrecken zum Bier, auf einer von zahlreichen Flaniermeilen Bangkoks? Das sind keine Gerüchte, sondern zum Teil ganz normale Essensbestellungen. Wer auf schräge, eklige und unheimliche Snacks, Speisen und kulinarische Abenteuer steht, findet in Asien aufgrund der Bandbreite nach wie vor seinen Meister.
Lebendiger Tintenfisch
In Korea
wird Tintenfisch gern roh verzehrt, das soll die Manneskraft steigern. Leider
wandern die intelligenten und schleimigen Tiere auch lebendig in die Münder und
das ist jedenfalls eine Mutprobe, denn die starken, sich windenden Tentakel mit
den Saugnäpfen können in lebendigem Zustand allerhand Ungemach auf dem Weg in
den Magen bereiten. Europäer versetzt die bloße Vorstellung in Zustände
zwischen Mitleid (und zwar ausschließlich mit dem Tier!), Ekel und Horror.
Frittierte Maden, Grillen, Termiten oder
Mehlwürmer
Ein Ekelklassiker, der Touristen immer wieder erschreckt: In Kambodscha gelten frittierte Vogelspinnen als echte Delikatesse. Doch das ist beileibe nicht das Einzige, was man in Asien frittiert serviert bekommen kann: Wer sich überwindet, frittierte Maden, Grillen, Termiten oder Mehlwürmer zu
essen, stellt fest: schmeckt gar nicht
so eklig, sondern eher wie Chips, zumal das Getier mit Marinade gereicht wird.
Viele der Insekten wären objektiv betrachtet aufgrund der enthaltenen Vitamine,
Mineralstoffe und Eiweiße sicher gesünder für den Menschen und deutlich
fettärmer als Fisch oder Fleisch. Offenbar verbinden Europäer aber aus
Krisenzeiten "Ungeziefer" mit Schmutz und Krankheit und so gilt es erst
einer sich in Ekel ausdrückenden Kopfblockade zu begegnen.
Wespen
Hierzulande schätzt man zwar die Wespentaille, ansonsten hat man gehörigen Respekt vor ihren Stacheln und essen will man sie schon gar nicht. Wespen sind aber ebenfalls sehr nahrhaft und werden in Japan gebraten und in Kombination mit Sojasauce serviert. Auch Libellen, Wasserkäfer und Schaben können vom Menschen verzehrt werden.
"Fleur" statt "Pommes" Frites
In süßlichem Fett ausgebackene Blumen mit scharfer Chilisauce sind beispielsweise im Bangkoker Umland, auf der künstlichen Insel Koh Kret, im Angebot. Dieser wunderschöne, beinahe unberührte Ort ist aufgrund der etwas aufwendigeren Anreise ein seltenes Ziel für westliche Touristen. Man trifft vor allem Einheimische, die selbst reichlich von den frittierten Blumen naschen.
Babyküken aus dem Ei
Balut nennt sich die "Spezialität", die auf den Philippinen, in China und in Vietnam verbreitet ist. Dort gelten Küken-Embryos als kulinarisches Highlight. Bis die Enten- oder Hühnereier reif und "genießbar" sind, müssen sie 17 bis 19 Tage in einem warmen Körbchen liegen. Da der Embryo samt Federn und Schnabel beim Verzehr bereits deutlich zu erkennen ist, ist diese Spezialität nicht nur ekelhaft, sondern für unser Empfinden auch äußerst grausam. Die Flüssigkeit, in der der Körper schwimmt, wird ausgeschlürft, das braunschwarze Fleisch mit grobkörnigem Salz oder einem Essig-Dip serviert. Balut soll ebenfalls die Potenz steigern und ist höchstwahrscheinlich deswegen so beliebt.
Hunde und Katzen
Hunde und Katzen isst man nicht in ganz China. Der Süden
von China, vor allem die Provinz Guangdong, nördlich von Hongkong, ist auch in
China für ihr eigenwilliges Essen bekannt. Die meisten Chinesen außerhalb von
Guangdong finden den Gedanken das liebste Haustier zu verzehren genauso abwegig
wie die meisten Menschen in Europa, obwohl übrigens auch hartnäckig den
Schweizern der geheime Verzehr von Hunden nachgesagt wird. In Guangdong werden
alle Tiere gegessen, die mit dem Rücken zur Sonne gehen. Und wer einmal in
Kanton oder Shenzhen war, der wird dies bestätigen können auch ohne selbst
Hunde- oder Katzenfleisch probiert zu haben.
Weinbergschnecken, Rinderzunge und Kalbsbäckchen
Auch in Zeiten interkontinentaler Lebensmitteltransporte und Globalisierung haben sich die grundsätzlichen Essgewohnheiten also nicht übermäßig verändert, obwohl Sushi längst überall zu haben ist. Man kann sich vor Augen halten, dass Rinderzunge nach badischer Art, ein Tellerchen Schweinehoden nach spanischem Traditionsrezept oder süße Fohlen als kroatische Delikatesse, Mahlzeiten sind, die von der Mehrheit der europäischen Esser verweigert werden. Und schließlich mag es für einen Vietnamesen oder Laoten auch fragwürdig erscheinen, dass wir Weinbergschnecken mögen, Ochsenschwanz an der Fleischtheke ordern oder Kalbsbäckchen im Feinschmeckerrestaurant nicht für verwerflich halten.

