Die Wirtschaftsaufschwung in Deutschland ist im zweiten Quartal 2011 fast zum Erliegen gekommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg zwischen April und Juni im Vergleich zum Vorquartal lediglich um 0,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Dies bremste auch das Wirtschaftswachstum in der gesamten Euro-Zone, in der das BIP im Vergleich zum Vorquartal nur um 0,2 Prozent zulegte.
Positive Impulse kamen im Vergleich zum ersten Quartal von den Exporten und Investitionen. Ungewöhnlich für den Exportmeister Deutschland war allerdings, dass die Importe nach Angaben der Statistiker im zweiten Quartal höher ausfielen als die Exporte. Deutschland gab also mehr Geld für Waren aus dem Ausland aus als es mit seinen Ausfuhren einnahm - was sich auf die Wirtschaftsentwicklung negativ auswirkte. Auch die privaten Konsumausgaben und die Bauinvestitionen bremsten demnach die deutsche Wirtschaft.
"Das ist zwar ein deutlicher Dämpfer, bedeutet aber kein Ende des Aufschwungs", erklärte Ferdinand Fichtner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Der Trend in der Industrie weise weiterhin aufwärts, auch wenn sich ein Tempoverlust abzeichne. Selbst wenn die Exporte nicht mehr ganz so kräftig gestiegen seien, blieben sie eine Stütze des Wachstums. Dass die Importe stärker zulegten, dürfte laut Fichtner auch an gesunkenen Rohstoffpreisen liegen: Dies hätten die Unternehmen genutzt, um ihre Lager aufzufüllen.
"Die Abkühlung der Konjunktur ist kein Beinbruch", betonte der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). Die deutsche Wirtschaft habe in diesem Jahr bislang mehr Güter und Dienstleistungen erwirtschaftet als im Spitzenjahr 2008. Nun müsse "mit aller Macht" verhindert werden, "dass die derzeitigen Turbulenzen auf den Finanzmärkten auf die Realwirtschaft übergreifen".
Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum immerhin legte die Wirtschaftsleistung deutlich zu. Preisbereinigt stieg das BIP im zweiten Quartal 2011 gegenüber dem zweiten Quartal 2010 um 2,8 Prozent.
Die Statistiker korrigierten auch das BIP für das erste Vierteljahr 2011 leicht nach unten von 1,5 Prozent auf nun 1,3 Prozent. Trotz dieser Zahlen rechnen aber sowohl das DIW als auch der Konjunkturexperte Gregor Eder von der Allianz weiterhin mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von rund drei Prozent in diesem Jahr.


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