Das Internet spielt in der Wirtschaftskriminalität eine immer größere Rolle. Im vergangenen Jahr sei bei mehr als jedem vierten Fall in diesem Bereich das Netz genutzt worden, teilte das Bundeskriminalamt (BKA) in Berlin mit. Die Zahl der Fälle, in denen das Internet als Tatmittel eingesetzt wurde, stieg demnach um 190 Prozent auf gut 31.000. BKA-Präsident Jörg Ziercke zeigte sich zudem überzeugt, dass der Anteil künftig weiter zunehmen werde.
Der durch die Wirtschaftskriminalität verursachte Schaden stieg ebenfalls enorm an. Dieser belief sich laut BKA im Jahr 2010 auf 4,66 Milliarden Euro und lag damit rund 1,2 Milliarden Euro über dem Vorjahr. Delikte der Wirtschaftskriminalität machten auch mehr als die Hälfte des in der gesamten Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Schadens von rund 8,4 Milliarden Euro aus. Dabei habe die Wirtschaftskriminalität nur einen Anteil von 1,7 Prozent an den insgesamt bekannt gewordenen Straftaten.
Im vergangenen Jahr wurden dem BKA zufolge insgesamt 102.813 Fälle von Wirtschaftskriminalität registriert. Das bedeutete im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von 1,5 Prozent. BKA-Präsident Ziercke verwies aber darauf, dass die Daten "das tatsächliche Ausmaß der Wirtschaftskriminalität nur eingeschränkt" wiedergäben. Denn es werde nur ein Teil der begangenen Wirtschaftsdelikte angezeigt. "Betroffene Unternehmen fürchten Image- und Reputationsverluste", erklärte Ziercke.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) forderte angesichts der hohen Schäden durch Wirtschaftskriminalität mehr spezialisierte Ermittler. Im Wirtschaftsbereich zeige sich eine "besorgniserregende Entwicklung", erklärte der DPolG-Vorsitzende Rainer Wendt. Die Ermittlungsbehörden bräuchten deshalb mehr Spezialisten, "die das Dickicht der wirtschaftlichen Verflechtungen durchschauen und Straftaten schnellstmöglich aufklären."
Weltweit entstand im vergangenen Jahr durch Internetkriminalität einer Studie zufolge ein Schaden in Höhe von 114 Milliarden Dollar (81 Milliarden Euro). Aus dem veröffentlichten Norton-Bericht zur Cyberkriminalität geht zudem hervor, dass 431 Millionen Erwachsene in den 24 untersuchten Ländern Opfer von Internetkriminellen geworden seien. In Deutschland belief sich der direkte finanzielle Schaden demnach auf umgerechnet 16,4 Milliarden Euro.
Der Bericht wird jedes Jahr von der Computer-Sicherheitsfirma Symantec herausgegeben, die unter anderem die Anti-Virus-Software Norton herstellt. Knapp 20.000 Menschen in 24 Ländern wurden hierzu befragt.


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