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    Wulff bricht sein Schweigen und entschuldigt sich

    Berlin (dapd). Das Staatsoberhaupt kämpft um sein Amt: Bundespräsident Christian Wulff hat sich in der Affäre um seinen Hauskredit und kostenlose Urlaube in Unternehmer-Villen öffentlich entschuldigt. Zugleich beteuerte Wulff am Donnerstag im Berliner Schloss Bellevue, er habe nie als Amtsträger jemandem einen unberechtigten Vorteil gewährt. Das Staatsoberhaupt bekräftigte, er wolle trotz der massiven Kritik im Amt bleiben. Bei den Bürgern warb er um Vertrauen.

    Bei einem kurzfristig anberaumten Pressetermin räumte der frühere niedersächsische Ministerpräsident Fehler ein. So hätte er den umstrittenen Privatkredit des Unternehmerpaars Geerkens für sein Einfamilienhaus schon früher offenlegen müssen. Im Jahr 2010 habe er das Darlehen in seiner Antwort auf eine Anfrage im Landtag aber verschwiegen. "Das war nicht geradlinig, und das tut mir leid", sagte Wulff.

    Die nun nachträglich bekannt gewordene Finanzierung habe die Öffentlichkeit irritiert. "Das hätte ich vermeiden können und müssen", sagte er. Nun sehe er ein: "Nicht alles, was juristisch rechtens ist, ist auch richtig."

    Mit Blick auf die Kritik an seinen vielen Bekanntschaften mit betuchten Unternehmern betonte Wulff, persönliche Freundschaften hätten seine Amtsführung nie beeinflusst. "Dafür stehe ich", versicherte Wulff.

    Für Aufsehen hatten Wulffs Kontakte zu Unternehmern gesorgt, bei denen er zwischen 2003 und 2010 sechs Urlaube in Spanien, Italien, Florida und auf Norderney verbrachte. Zudem wurde bekannt, dass der Unternehmer Carsten Maschmeyer Zeitungsanzeigen bezahlt hat, mit denen 2007 während des niedersächsischen Landtagswahlkampfs für das Buch "Besser die Wahrheit" des Ministerpräsidenten Wulff geworben wurde.

    Wulff hob hervor, dass er der Presse tiefen Einblick in die Finanzierung seines Hauses und in die umstrittenen Urlaube gewährt habe. Die Presse- und Informationsfreiheit sei ein hohes Gut und bedeute gerade für Amtsträger, "im Grenzbereich zwischen Dienstlichem und Privatem, zwischen Amt und Privat, die erforderliche Transparenz herzustellen". Das sei nicht immer leicht, aber notwendig. "Denn es geht um Vertrauen in mich und meine Amtsführung."

    Kurz vor seiner Erklärung hatte Wulff seinen langjährigen Sprecher Olaf Glaeseker ohne Angabe von Gründen entlassen. Die Aufgabe wird ab sofort kommissarisch von Glaesekers bisheriger Stellvertreterin Petra Diroll übernommen.

    Der 50-jährige Glaeseker war seit Jahren ein Wegbegleiter und ein enger Vertrauter Wulffs schon in dessen Zeiten als Ministerpräsident. Wulff dankte Glaeseker für den "großartigen Einsatz" an seiner Seite. "Ich habe ihm viel zu verdanken", fügte er an.

    Wulff, dessen Amtszeit regulär 2015 endet, will Bundespräsident bleiben. "Ich werde das Amt auch in Zukunft gewissenhaft und mit ganzer Kraft ausfüllen, denn wir stehen vor großen Aufgaben in unserem Land, in Europa und der Welt. Dafür bitte ich die Bürgerinnen und Bürger auch zukünftig um ihr Vertrauen", sagte er.

    Zuletzt hatte es seitens der Opposition heftige Kritik daran gegeben, dass Wulff sich in der Affäre nur über seine Anwälte zu Wort meldete und nicht persönlich Stellung bezog.

    Kanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte zurückhaltend auf die Erklärung. "Die Worte des Bundespräsidenten stehen für sich", sagte ihr Sprecher Steffen Seibert. "Ihnen ist nichts hinzuzufügen."

    Vizekanzler und FDP-Chef Philipp Rösler sprach dem Bundespräsidenten seinen Respekt aus. Wulff habe wesentliche Klarstellungen geliefert. Die FDP werde die Arbeit des Bundespräsidenten weiter unterstützen, versicherte er.

    Lob für die Entschuldigung kam auch von der SPD. Fraktionsvize Hubertus Heil sagte aber, trotzdem müssten "alle rechtlichen Zweifel schnellstmöglich ausgeräumt werden".

    Auch die Grünen bleiben skeptisch. Fraktionschefin Renate Künast befand, Wulff habe nur eingeräumt, was bekannt sei. Es bleibe "das fade Gefühl des Ungewissen". Nur eine umfassende Erklärung entspreche der Würde des Amtes. "Diesem Maßstab ist er nicht gerecht geworden", sagte Künast.

    dapd

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    9 Kommentare

    • bodo  •  vor 5 Monaten
      arrogant auch noch, danke, dass Sie ihr schweigen brechen, herr bundespräsident, sie waren sehr wortkarg in den letzten tagen, obwohl "labern" ihr eigentliches metier sein sollte.
      wir das volk haben Sie nicht gewählt, gewählt wurden Sie von einer bundesversammlung, an der die fdp mit 15 oder 17% teilnahmr. ihre steigbügelhalter aus der fdp stehen noch auf 2%, wie fühlt man sich denn so mit 34% cdu und 2% fdp = 36%, als präsident des vokes ?
    • Bobby  •  vor 5 Monaten
      Schade ums Ansehen- schade, dass wieder einmal moralische Werte ignoriert werden... Wir leben in einem Land . indem Bänker, die hohen volkswirtschaftlichen Schaden verursacht haben, ihre Provisionen durch Steuergelder auszahlen lassen. Einen Präsidenten , der kein Geld für sein Haus bzw, seine Urlaube hat und sich freihalten lässt (natürlich ohne Gegenleistung!) Aber gut , dass wir bei der Kassererin durchgegriffen haben.Ein Euro und paar Zerqutschte , da kann man wirklich kein Vertrauen mehr haben und sollte das Arbeitsverhältnis schnellstens beenden.... " denk ich an Deutschland in der Nacht....." Schade für die Demokratie
    • Problemmanager  •  vor 5 Monaten
      Wulff ist moralisch genau das, was unsere Bundesregierung ist - irgendwie verkommen.
      Mir fehlt da Rückrat und saubere Ehrlichkeit. Was ein Staatsoberhaupt vorlebt, schlägt sich auf die Gesellschaft nieder.

      International stellen wir uns damit auf die Stufe von Ländern, die wir kritisieren. (siehe Timoschenko - Ukraine u.v.a.)

      Ich sehe dieses Theater als Schädigung des Amtes an. Lieber Wulff, Rückrat zeigen und abtreten. Mit Ehrlichkeit und Charakter wäre alles ohne Problem geblieben, als anständiger und ehrlicher Mann. Aber so - sehr fragwürdig.

      Tschüsss Herr Bundespräsident. Es lebe der Vorgänger Köhler
      • bluemchen40 vor 5 Monaten
        Hätte nicht gedacht dass ich Herrn Köhler dankbar gewesen wäre im Bewusstsein dass er 's Präsidentle verhindert hätte ohne seinen Rücktritt.
        -
        Allerdings wünsche ich mir so oder so jetzt Herrn GAUCK als den präsidialen Vertreter Deutschlands.
    • Joerg  •  vor 5 Monaten
      Der erste Mann im Staat sollte eigentlich eine Leitfigur für Moral und Ethik sein, nun müssen wir feststellen das wir eine Mogelpackung bekommen haben die in dubiose Machenschaften verwickelt ist . alle Parteien machen jetzt ihren Klüngel daraus um bei der nächsten Wahl besser abzuschneiden. Um die Wahrheit geht es in Wirklichkeit niemanden da sind sich alle gleich.
      Wo sind die Persönlichkeiten in unserer Republik denen man vertrauen kann und für die das Wort Ehre, Moral und Ethik noch eine Bedeutung haben.
    • dieter  •  vor 5 Monaten
      Herr Wulff, Sie sind spätestens seit heute erledigt. Bin gespannt, wie lange Sie benötigen, um das zu erfassen. So löst sich der Sachverhalt, dass man Sie uns Bürgern zwangsweise verordnet hat.
    • bluemchen40  •  vor 5 Monaten
      Stelle fest, dass sich das Thema WULFF hier durch eine Vielzahl von Blogs zum gleichen Thema regelrecht zerfleddert.
      Aber wer will dem Absicht unterstellen.
      -
      Ausserdem hagelt es von allen Seiten Solidaritätsadressen an 'sPräsidentle dass man meinen könnte die haben alle Angst dass 's Präsidentle seine Dossiers "zieht" und Denen vorhalten könnte nach dem Motto "Gleiche Brüder und Schwestern, gleiche Kappen".
      -
      Allen ein Guts Nächtle und hinterfragt sich Jeder/Jede bei welchem Preis bzw. Vergünstigung Er/Sie weich würde. - Oder generell nicht !
    • ....  •  vor 5 Monaten
      Und die Aussage ist jetzt richtig? Die Wahrheit ist es.
    • Demokratinchen  •  vor 5 Monaten
      Wurde ja endlich Zeit, oder wolltest du UNS weiter für dumm verkaufen.
      Geh doch nach Hause....du alte Sch.....lalalalalalalalala......
    • wolf  •  vor 5 Monaten
      Das deutsche Volk hatte noch nie Vertrauen in den TürkenWulff und wird es nie haben oder aufbauen .
      Da sind noch mehr Leichen im Keller !
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