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    "Wulff fehlen Würde und Glaubwürdigkeit"

    Die Koalition dementiert Berichte, sie suche schon einen Nachfolger für Bundespräsident Wulff. Die Opposition kritisiert Wulff scharf und hätte einen Nachfolger parat.

    Trotz des Fernsehinterviews und anschließend gestiegener Zustimmungswerte unter der Bevölkerung hört die Diskussion um Bundespräsident Christian Wulff nicht auf. Ganz im Gegenteil, die Debatte über seinen Verbleib im Schloss Bellevue nahm am Samstag sogar weiter Fahrt auf.

    Die „Rheinische Post“ und die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichten beide, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), ihr Stellvertreter Philipp Rösler (FDP) sowie Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer hätten sich intern schon über eine Nachfolgelösung abgesprochen, falls Wulff nachweislich eine Unwahrheit gesagt haben sollte.

    Nach einem möglichen Rücktritt Wulffs wollten sie einen Kandidaten vorschlagen, der auch für die SPD und die Grünen wählbar wäre. Vertreter der FDP-Führung werden mit den Worten zitiert: „Der Vorschlag muss so sein, dass es der SPD schwerfällt, ihre Unterstützung zu verweigern.“

    Aus den Regierungsparteien waren umgehend pflichtschuldigste Dementis zu hören. „Die Berichte sind falsch und blanker Unsinn“, sagte Angela Merkels Vertrauter Peter Altmaier der „Welt am Sonntag“. Altmaier ist der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag.

    Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, Merkel sehe „keine Veranlassung, über eine Nachfolge für den Bundespräsidenten zu sprechen“. Eine FDP-Sprecherin bezeichnete gegenüber dieser Zeitung Gerüchte über eine Absprache als „frei erfunden“. Horst Seehofer dementierte gleichfalls.

    Allerdings ging Altmaier wie schon tags zuvor Regierungssprecher Steffen Seibert nicht davon aus, dass die Debatte über Christian Wulffs Hausfinanzierung beendet sei oder per Machtwort einfach beendet werden könne.

    Seibert setzte hinzu, Merkel habe volles Vertrauen darin, dass „der Bundespräsident auch alle weiteren relevanten Fragen mit der gleichen Offenheit beantworten wird, sollten noch welche auftauchen“. Für die Berliner Gepflogenheiten war das ein Wink mit dem Zaunpfahl.

    Die Ko-Vorsitzende der Grünen, Claudia Roth, forderte die Koalition auf, im Falle eines Falles den Konsens zu suchen. Sie sagte der „Welt am Sonntag“: „Sollte der Fall eintreten, dass die Suche nach einem oder einer neuen Bundespräsidentin nötig wird, erwarte ich, dass Angela Merkel auf die politischen Kräfte in diesem Land zugeht mit einem wirklichen Interesse an einem überzeugenden und glaubwürdigen gemeinsamen Kandidaten für das Schloss Bellevue.“

    Roth übte scharfe Kritik an Wulff: „Herr Wulff hat die politische und moralische Autorität verloren, ihm fehlen Würde und Glaubwürdigkeit. Das schadet auch dem Ansehen Deutschlands.“ Es könne nicht sein, dass sich Wulff „larmoyant als Opfer“ inszeniere. Angesichts der vielen offenen Fragen lasse sich das „nicht einfach aussitzen“.

    Wenn sich herausstelle, dass Wulff die Unwahrheit gesagt habe, „sollte er für sich die notwendigen Konsequenzen ziehen“. Die Frage, ob Wulff das Amt noch ausfüllen könne, müssten „zwei Personen beantworten: Herr Wulff und diejenige, die ihn zu verantworten hat: Frau Merkel“, so Roth. „Die Kanzlerin muss endlich eine persönliche Stellungnahme abgeben.“

    Roth setzte hinzu: Der von SPD und Grünen 2010 nominierte Joachim Gauck wäre „ein idealer Bundespräsident gewesen“. Doch habe die Kanzlerin „leider machtstrategisch agiert, und ich kann sie nur warnen, dies wieder zu tun“.

    Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sprach sich gegenüber der „Bild“-Zeitung am Samstag indirekt für Joachim Gauck aus: „Es ist nicht die Aufgabe der SPD, den Bundespräsidenten zum Rücktritt aufzufordern. Wir haben ihn nämlich nicht gewählt. Bei uns ist klar, dass wir einen besseren Bundespräsidenten wollten: Joachim Gauck.“ Gabriel sagte weiter: „Es ist schlimm, dass der Bundespräsident es so weit hat kommen lassen. Diese ganze Auseinandersetzung ist unwürdig und abstoßend.“

    Der SPD-Chef warf Wulff vor, die Maßstäbe für Glaubwürdigkeit zu zerstören. „Kassiererinnen im Supermarkt werden schon entlassen, weil sie nur einen Pfandbon eingesteckt haben, aber der Bundespräsident meint, für ihn können Sonderregeln gelten. Andere Politiker mussten wegen Bonusmeilen zurücktreten. Und was sollen wir denn dem kleinen Beamten sagen, der bei der Annahme eines Geschenks seinen Job verliert?“

    Rund 400 Demonstranten forderten am Samstagnachmittag vor dem Schloss Bellevue den Rücktritt des Staatsoberhauptes. Sie reckten als Zeichen ihres Protests Dutzende Schuhe in die Höhe – eine Geste, die im arabischen Raum als drastische Form des Zorns und der Verachtung gilt.

    Ein weiterer Bürger hat am Samstag Antrag auf Einsicht in das Wortprotokoll des Anrufs Christian Wulffs bei „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann gestellt. Er begründete seinen Schritt mit dem Informationsfreiheitsgesetz, das Bürgern Einsicht in amtliche Verwaltungsvorgänge bieten soll.

    Wulff hatte Mitte Dezember Diekmanns Anrufbeantworter besprochen und dabei angeblich mit Schritten gedroht, sollte die „Bild“-Zeitung ihre Recherche zum Hauskauf publizieren. Wulff hatte dies in dem Fernsehinterview bestritten, am Freitag aber die Freigabe des Wortprotokolls abgelehnt.

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    12 Kommentare

    • Quirin Minou  •  vor 4 Monaten
      Ein Satz über Moral und sittlichen Verfall , und alle fangen an zu lachen.
    • As  •  vor 4 Monaten
      Er wird sich weigern zu gehen weil er keine Ehrgefühl hat sondern nur Machthunger und Geldgier
      • Rudi vor 4 Monaten
        Ich fürchte Sie haben da vollkommen Recht ! Wie weit dürfen Politiker (und andere slebsternannte Leistungsträge(r) ijren Machtzynismus eigentlich noch treiben.....Wozu braucht diese Republik einen völlig überbezahlten Hofzeremonienmeister, der sich von Einladung zu Einladung schleppt und dessen einzige Funktion in seiner schamlosen heuchlerischen Imagepflege besteht!

        Wollen wir am Ende des Jahres - wenn Herr Wulff glaubt, seine Halbwahrheiten und Drohungen seien vergessen - das Wahljahr 2013 mit der Ausrufung einer neuen Bananenrepublik beginnen: die wulffsche Maschmeier Republik?
      • Mucke Bauer vor 4 Monaten
        as, ich muss dir recht geben !
    • Quirin Minou  •  vor 4 Monaten
      Man sollte nicht vergessen,dass er unter Allmachtsphantasien leidet. es wird Zeit,ihn in
      eine Zwangstherapie zu stecken.
    • Corinna  •  vor 4 Monaten
      jeder einzelne Politiker sollte sich doch mal an die eigene Nase fassen. Jeder von Ihnen hat doch Dreck am Stecken.

      Jetzt hat man endlich mal wieder jemanden gefunden der als Sündenbock hinhalten muß und jeder ist froh, dass es einen selbst nicht erwischt hat.

      Politik ist einfach mal ein verlogenes dreckiges Geschäft, egal in welchem Land.
      • E.T. vor 4 Monaten
        ... genau deshalb fordert die Opposition auch keinen Rücktritt, es könnte auch einen selbst treffen!
    • Humanist und Demokrat  •  vor 4 Monaten
      Wenn ich diesen Kadaver (Aas) sehe , kommt mir
      das Frühstück hoch !
    • J.M.  •  vor 4 Monaten
      Ausser einem Massanzug fehlt diesem Mann alles, was es für das Amt braucht.
    • Elka  •  vor 4 Monaten
      Wieso ist unter den ROT-GRÜNEN in NRW Herr Sauerland noch in Amt und Würden ?
      ER hat etliche Tote und Verletzte zu verantworten. Politiker werden gewählt um die Bürgermeinung umzusetzen, nicht das Gegenteil auszusitzen. .
      Dies bedeutet auch in NRW , Politiker OHNE BEZÜGE zu entlassen, wie Landräte, die
      Dienstaufsichtsbeschwerden in den Müll werfen, und Richter auszuschließen, die ihre freie
      Richtermeinung nicht mehr im Grundgesetz, sondern schlicht daneben finden !
      All diese Entlassungen geschehen in NRW aber nicht ! Weswegen ?
      Politiker gehören wie jeder andere Bürger auch gemäß Strafgesetz geahndet
      wenn sie derart drastisch versagen ! Dagegen sind Preisnachlässe für den BP Wulff
      nicht nur m.M.n. Bagatellen ! sondern eine Präsentation die dem deutschen Volk eher entspricht. Korrupt sind nicht nur die Gekauften sondern immer auch die Käufer, die es sich aus welchem Grund, und aus welchem dunkel Loch ermöglicht, auch immer leisten können...
      Ich warte immer noch auf die Veröffentlichung der Statistik, die der BILD bestens bekannt sein dürfte, wieviele SPD`ler, wieviele CDU`ler, wieviele FDP`ler , Grüne usw. auf der
      bereits angekauften Steuer-CD aus der Schweiz zu finden sind....Da liegt doch das eigentliche Geheimnis, welche Partei überhaupt noch wählbar ist, oder ?
      • Jan vor 4 Monaten
        dafür ist nicht ausschliesslich adolf sauerland verantwortlich...in erster linie ist der Veranstallter dafür verantwortlich...was hat denn das mit den Schmierlappen Wulff zu tun
    • Ernst-Maria Grunzke  •  vor 4 Monaten
      Da kann man dieser Roth nur zustimmen: was recht ist muß recht bleiben.
    • Fedja Tru.  •  vor 4 Monaten
      "Wulff fehlen Würde und Glaubwürdigkeit"
      -:-
      sagt ~~~ausgerechnet~~~~ Claudia Roth.
    • ....  •  vor 4 Monaten
      Da hätte er und die Presse ja eine gemeinsame Linie. Wenn die Presse mal in die Presse käme, Doppelautsch.
    • balibago1000  •  vor 4 Monaten
      Wenn man dieses Foto von Fatima betrachtet dann kann man wohl nur noch schwul werden!
      • Billy B vor 4 Monaten
        Na dann bist Du ja in bester Gesellschaft mit Guido, wegen dem bin ich Hetero geworden!
      • E.T. vor 4 Monaten
        Origineller Kommentar, Billy B
    • Josch  •  vor 4 Monaten
      Armes Deutschland! Im fall Wulff siet man die macht der Medien und von wem wir wirklich Regiert werden.
      Wenn Wulff abtritt werden sich alle Politiker davor streuben dem Axel Springer Verlag oder sonstiger Presse zu wiedersprechen.
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