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    Die Wulffs in Italien – Von Krise keine Spur

    In Italien lobt Bundespräsident Wulff den Reformkurs seiner Gastgeber und Gerhard Schröders Agenda 2010. Die Krise an der Heimatfront wird verdrängt.

    Es ist eine gute halbe Stunde, die sich Christian Wulff am Mittwochmittag nimmt, um bei sonniger Kälte durch die Altstadt von Bari zu eilen. In aller Kürze lässt er sich in der süditalienischen Hafenstadt die Fassade der 1000 Jahre alten Kathedrale erläutern. Sie wird von mehreren Elefanten geziert, die an den einst regen Austausch mit dem Orient erinnern.

    Zwei, drei Minuten lang halten sich Christian und Bettina Wulff in einer Orecchiette-Manufaktur auf. Doch das Präsidenten-Paar ersteht weder Nudeln noch die getrockneten Tomaten, die hier angeboten werden.

    Es ist kein Tourismus, den Wulff nach der Begrüßung durch die Region und vor einem Besuch des Bosch-Werks in Bari betreibt. Und wohl noch stärker als sonst achtet der Bundespräsident darauf, dass ein solcher Eindruck gar nicht erst entsteht.

    Über die ungleichen Lebensverhältnisse zwischen Ost und West, über das Wohlstandsgefälle zwischen München und Cottbus reden die Deutschen gern. Der Bundespräsident erlebte die viel größeren Differenzen innerhalb Italiens binnen weniger Stunden.

    Noch am Mittwochmorgen war Christian Wulff mit seiner Delegation in Mailand zu Gast gewesen, der Hauptstadt der Lombardei, die von Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft Baden-Württemberg ähnelt. Am Abend zuvor hatte er dort zu einem Empfang in den Palast der Società del Giardino geladen, einem exklusiven, 1783 gegründeten Privatclub, der seit 1819 im Palazzo Spinola residiert. Das Gebäude stammt im Kern aus dem Jahr 1597.

    Unter pompösen Kronleuchtern hatte Wulff die enge Wirtschaftskooperation beschworen. Deutschland ist Italiens wichtigster Handelspartner. Der Bundespräsident und seine Ehefrau Bettina suchten das Gespräch mit den Gästen aus Wirtschaft und Kultur.

    Gut 800 Kilometer trennen Mailand und Bari, die Hauptstadt der Region Apulien, gelegen an der Adria. Die Unterschiede sind gewaltig. In Mailand war Wulffs Delegation untergebracht unweit des Doms, umgeben von Straßen, in denen Produkte von Hermes, Gucci, Prada und Brioni verkauft – und gekauft – werden, wo unter dem Begriff „Sale“ Schuhe schon einmal statt 600 Euro nur noch 500 Euro kosten.

    In der Altstadt von Bari werden Muscheln, Nudeln und Blumen angeboten. Die Bewohner der Stadt hängen ihre Wäsche auch bei sechs Grad Celsius vor ihre Fenster. Gewiss, innerhalb des wirtschaftlich unter entwickelten Süditaliens steht Apulien recht ordentlich da. Es gilt, obgleich weiterhin agrarisch geprägt, als die Nummer eins im Armenhaus Süditaliens.

    In Bari betreibt Bosch eine Fabrik mit 2200 Mitarbeitern; es ist das größte Zulieferwerk für die Autoindustrie in Apulien. Hermann Scholl, der Aufsichtsratsvorsitzende von Bosch, zählte zu Wulffs Wirtschaftsdelegation. Er begrüßte den Bundespräsidenten am Mittwochmittag im Werk seines Unternehmens.

    Mit einer blumigen Rede und stark gestikulierend empfing zuvor der Präsident der Region, der 53 Jahre alte frühere Kommunist Nichi Vendola, Wulff und seine Entourage. Vendola, heute Mitglied der Mitte-Links-Allianz SEL, beschwor das „Gleichgewicht zwischen Schönheit und Moderne“ und die „Magie des Meeres“. Er berichtete von den 60 Millionen Olivenbäumen der Region, die zum Teil mehrere Hundert Jahre alt sind – und als Welterbe vor dem „Raubtierkapitalismus“ geschützt werden sollen.

    Wulffs Worte waren weniger mediterran. Doch in einem Punkte äußerte er sich wie der Regionspräsident geradezu pathetisch: mit seinem Bekenntnis zu Europa.

    „Wir brauchen mehr Europa“, sagte Wulff, „eine Einheit in Vielfalt im Wissen um Unterschiedlichkeit“. Wie schon am Dienstag in Mailand lobte er den Reformkurs der Regierung Monti.

    Er hob hier die deutsche Mitbestimmung hervor und „das Miteinander von Arbeitnehmern und Arbeitgebern“. Tags zuvor hatte Wulff die deutschen Reformen der Agenda 2010 gelobt und Gerhard Schröder gewürdigt.

    Mitreisenden in der Delegation zufolge wurde die Hauskredit- und Schnäppchenaffäre in den offiziellen Gesprächen nicht thematisiert. Die Italiener interessierten sich für die wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Erfahrungen Deutschlands mit Arbeitsmarktreformen. Wulffs persönliche Probleme ließen die italienischen Gesprächspartner kalt, war zu vernehmen.

    Wie schon an den ersten beiden Tagen seiner Reise vermied es Wulff, zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen Stellung zu beziehen. Im Ausland sei es unüblich, sich zu „innenpolitischen Themen“ zu äußern, hatte er am Montag gesagt – nachdem er von mitreisenden Journalisten dazu aufgefordert und gezielt befragt worden war („Treten Sie nicht zurück aus Angst vor Mittellosigkeit?“).

    Am Mittwoch fragten ihn Reporter mehrfach, wie sehr die Affäre seine Reise negativ beeinflusse. Wulff ging auf diese Fragen in keiner Weise ein.

    Er spulte stattdessen Worte zur Lage des Euro und der Finanzmärkte ab. Nur ein Satz konnte und sollte wohl auf die Affäre bezogen werden. Da beklagten sich die Kameramänner über einen Reporter, der sich hinter Wulff aufgebaut hatte und daher ihre Bilder störten. Der Bundespräsident drehte sich um und meinte nur: „Ist ja auch interessant, wer so hinter einem steht.“

    Am Mittwochabend wurde Wulff zurück in Berlin erwartet. Bereits am Sonntag kommender Woche bricht der Bundespräsident zu einer weiteren Auslandsreise nach Afrika auf. Er besucht unter anderem Tansania und Burkina Faso. Jene Reise war noch von Bundespräsident Horst Köhler vorbereitet worden. Sie sollte im Sommer 2010 stattfinden – und musste recht knapp vor ihrem geplanten Beginn abgesagt werden. Köhler war inzwischen zurückgetreten.

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    5 Kommentare

    • Siegfried Brenner  •  vor 3 Monaten
      wo is Schröder? Der verdient sein Geld in Russland und hat mit Deutschland nix auf dem Hut und ist der gleiche A.....ch wie der Herrrr Wulff
      • Christa vor 3 Monaten
        Beide haben den Steigbügelfreund Maschmeyer.
    • wolf  •  vor 3 Monaten
      Der will nach Tansania und Bukina-Faso ?
      Prima , Krokodile sind immer hungrig !!
    • Tom  •  vor 3 Monaten
      war die reise unseres BP jetzt eine dienstreise, für die , der deutsche steuerzahler
      aufkommen muß, oder wurde die reise gesponsert?
    • balibago1000  •  vor 3 Monaten
      Bettelkinder, Almosenempfaenger in Italien auf Weisung von Madam Groessenwahn und das nennt man dann EUROPA-Politik!
    • misterx  •  vor 3 Monaten
      "Wulff wirbt in Italien für mehr Europa" und für den Islam ???? Beschimpft der die Italiner auch dauernd als Fasch....en, ?? Die haben schließlich damals auch mitgemacht.
      • Yahoo! Benutzer vor 3 Monaten
        mit verteidigt !!!
      • misterx vor 3 Monaten
        Afrika ?
      • Andreas vor 3 Monaten
        Eigentlich war mir nicht klar das das die Aufgabe des BP ist, dachte er hat Überparteilich, sozusagen das Gewissen der Politik zu sein.
        Wäre diese Reise nicht eigentlich eine Aufgabe für einen Aussenminister oder die Kanzlerin gewesen.
        Sollte sich der BP nicht als erstes um eine Klärung der Vorwürfe kümmern, bevor er so tut als wäre nix passiert???
        Sollte sich ein BP nicht Gedanken darum machen wenn er mitlerweile offen und ungestraft als Lügner bezeichnet werden darf???
        Müßte er sich echte Gedanke um sein Amt machen wenn er die andauernden Diskusionen um sich und die Umfragewerte anschaut???
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