Ägyptens Ex-Machthaber Husni Mubarak ist tot

Der damalige ägyptische Präsident Husni Mubarak im Jahr 2010 in Berlin.

Er stand länger an der Staatsspitze als jeder andere Präsident Ägyptens. Die Welt schaute auf sein Land, als Massenproteste Husni Mubarak im Jahr 2011 schließlich aus dem Amt zwangen. Fast zehn Jahre nach den arabischen Aufständen ist der 91-Jährige nun gestorben.

Kairo (dpa) - Ägyptens früherer Langzeitmachthaber Husni Mubarak ist tot. Er starb im Alter von 91 Jahren, wie das ägyptische Präsidialamt am Dienstag mitteilte.

Mubarak stand fast 30 Jahre an der Spitze des bevölkerungsreichsten Landes der arabischen Welt. Dann brachen im Zuge der arabischen Aufstände tagelange Massenproteste im Land - und vor allem auf dem Tahrir-Platz der Hauptstadt Kairo - aus. «El Rais» - der Präsident - trat am 11. Februar 2011 zurück.

Mubaraks Sohn Alaa bestätigte den Tod auf Twitter und verbreitete das Video einer Rede, in der sein Vater von der Ehre spricht, seinem Land «viele Jahre gedient» zu haben. Mubarak befand sich nach Angaben seines Sohnes in Intensivpflege und war im Januar operiert worden. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er größtenteils in einer Militärklinik in Kairo. Die Beerdigung soll am Mittwoch stattfinden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen der Familie.

Gegen Mubarak selbst liefen mehrere Prozesse, in denen er teilweise zu Haftstrafen verurteilt wurde. Im März 2017 sprach dann das oberste Gericht Ägyptens den Ex-Staatschef von dem Vorwurf frei, Mitschuld am Tod von mehr als 800 Demonstranten während der Aufstände gehabt zu haben und ließ ihn frei.

Der Sohn eines Beamten aus dem Nildelta wurde nach seinem Amtsantritt 1981 vor allem durch seine Vermittlungsbemühungen im Nahost-Konflikt und das Festhalten am Friedensvertrag mit Israel zu einem wichtigen Partner des Westens. Daran änderten auch Menschenrechtsverletzungen und geschobene Wahlen des autoritären Herrschers nichts.

Mubarak baute seine Macht beharrlich aus und schaffte es, das Ansehen Ägyptens nach dem in der Region heftig kritisierten Friedensschluss mit Israel wieder zu mehren. In seinen letzten Jahren als Staatschef machte ihm aber der - inzwischen ebenfalls gestorbene - saudische König Abdullah seine einflussreiche Position in der arabischen Welt mehr und mehr streitig. Zudem wurde die Wirtschaft Ägyptens von der Weltwirtschaftskrise 2008 hart getroffen.

Gegen islamistische Extremisten in Ägypten griff Mubarak mit harter Hand durch. Mit autoritären Methoden wurden vor allem in Vierteln der Unterschichten viele angebliche Radikale festgenommen und weggesperrt. Dabei gewann die islamistische Organisation der Muslimbruderschaft kontinuierlich an Einfluss.

Die autoritäre Herrschaft und fehlende Mitspracherechte, aber auch grassierende Korruption, die darbende Wirtschaft und schleppende Reformen stießen auf Unmut in der Bevölkerung. Vor allem junge Menschen wandten sich während der arabischen Aufstände 2011 immer mehr gegen Mubarak. Nach turbulenten 18 Tagen, in denen die Welt auf die Jugend Ägyptens und die Massenproteste am Tahrir-Platz schaute, musste er sein Amt aufgeben.

Seitdem ist das Land nur teilweise zur Ruhe gekommen. Der 2012 gewählte Islamist und Muslimbruder Mohammed Mursi wurde nach Massenprotesten 2013 vom Militär gestürzt. Seit 2014 regiert der autoritäre Armeechef Abdel Fattah al-Sisi das Land, das sich in einer schweren Wirtschaftskrise befindet. Repressionen gegen Oppositionelle und die Medien werden als härter empfunden als unter Mubarak. Die Muslimbrüder sind verboten und werden als Terroristen verfolgt.

Das ägyptische Präsidialamt bezeichnete Mubarak als «Helden und Anführer» des Kriegs gegen Israel 1973, der Ägyptens «Würde und Stolz» wiederhergestellt habe. Mubarak hatte in dem Krieg die Luftwaffe befehligt, wurde dann aber zum wichtigen Vermittler im Nahost-Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nannte Mubarak einen «persönlichen Freund» und «eine Führungspersönlichkeit, die ihr Volk zu Frieden und Sicherheit führte, zu Frieden mit Israel». Ägypten war 1979 das erste arabische Land, das einen Friedensvertrag mit dem Nachbarland Israel unterzeichnete. Trotzdem sind die Beziehungen zwischen beiden Ländern bis heute unterkühlt.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas lobte die Unterstützung Mubaraks für «die palästinensische Sache und das Volk bei der Verwirklichung unserer Rechte auf Freiheit und Unabhängigkeit», wie die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa mitteilte.