Das ändert sich durch die Beförderung für Salihamidzic

Martin Hoffmann, Stefan Kumberger

Hasan Salihamidzic wird vom Sportdirektor zum Sportvorstand des FC Bayern München: Seit einem Tag ist diese Meldung offiziell - aber welche Konsequenzen hat die Beförderung eigentlich?

Ab 1. Juli 2020 bekommt "Brazzo" mehr Macht beim Rekordmeister, ein Schritt, der nicht ohne Grund beschlossen und verkündet wurde, kurz bevor sein Förderer und Fürsprecher Uli Hoeneß in den Ruhestand geht.

SPORT1 gibt den Überblick, was sich nun für den 42-Jährigen ändert.


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- Hasan Salihamidzic bekommt mehr Einfluss:

Konkret ändern sich für Hasan Salihamidzic erstmal zwei Dinge: Er bekommt eine Gehaltsaufbesserung und wird regelmäßiger Teilnehmer der wöchentlichen Vorstandssitzung des FC Bayern.

Durch den Austausch mit Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, dessen designierten Nachfolger Oliver Kahn (ab Januar an Bord) sowie Jan-Christian Dreesen (Finanzen), Andreas Jung (Marketing) und Jörg Wacker (Strategie) bekommt er bei den Entscheidungsprozessen mehr Einblick und Einfluss.

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- Fester im Sattel:

Die Beförderung vom Sportdirektor zum Sportvorstand ist vor allem deshalb ein Vertrauensbeweis, weil Bayerns Bosse damit die Kontrolle über Salihamidzic' Schicksal aus der Hand geben.

Ein Sportdirektor wird vom Vorstand bestellt und entlassen (was Christian Nerlinger 2012 passiert ist), als Vorstandsmitglied geht das nicht mehr. Salihamidzic kann nun nur noch per Aufsichtsratsbeschluss aus dem Job gekegelt werden.


- Verbessertes Standing beim FC Bayern:

Hängt direkt mit Punkt 1 und 2 zusammen: Mit Salihamidzic' Beförderung stärkt der FC Bayern seine Autorität und bekämpft die immer noch weit verbreitete Ansicht, dass er in seiner Rolle eine Notlösung und ein Befehlsempfänger der eigentlichen Alphatiere sei.

Dass der seit Sommer 2017 amtierende Salihamidzic den seit Matthias Sammers Abschied 2016 unbesetzten Posten als Sportvorstand bislang nicht bekommen hat, hatte diese Vorstellung durchaus genährt. Nun kann Salihamidzic darauf verweisen, dass er bald dieselbe Machtfülle wie Sammer hat – nach innen wie nach außen.

Gerade auch vor dem Hintergrund, dass Fürsprecher Hoeneß nun aus dem Amt scheidet, ist dieses Signal genau jetzt strategisch wichtig.

Salihamidzic selbst ist übrigens auch durchaus machtbewusst: Die Hoheit über die Kaderplanung will er nach SPORT1-Informationen nicht abgeben - anders als früher Sammer, der andere Schwerpunkte hatte und in dieser Hinsicht auf Michael Reschke baute.

Wie bisher ist Salihamidzic' Spielraum aber durch die interne Bayern-Regel eingeengt, dass bei Transfers mit einem Volumen über 25 Millionen Euro (Ablöse plus Gehalt) der Aufsichtsrat mitreden muss.


- Mehr Verantwortung, mehr Druck:

Salihamidzic' Beförderung ist ein Vertrauensbeweis, nimmt ihn aber zugleich auch in die Pflicht, das Vertrauen zu rechtfertigen.

Man muss wissen: Hinter den Bayern-Kulissen wird Salihamidzic anders wahrgenommen als in weiten Teilen der Öffentlichkeit, seine Arbeit nach innen als Verantwortlicher für Kader und den Nachwuchs-Campus wird als kundig und fleißig eingeschätzt.

Letztlich gilt auch für Salihamidzic das alte Sprichwort, dass die Kutte nicht den Mönch macht: Dass er das Gewand des Sportvorstands bekommt, wird ihm eine Hilfestellung sein, ausfüllen muss er es aber selbst, um auch die künftigen Klubverantwortlichen Kahn (ab 2022 Vorstandschef) und Herbert Hainer (designierter Hoeneß-Nachfolger als Präsident und Aufsichtsratschef) von seinem Wert für den Klub zu überzeugen.