Öffentliches Leben in Europa wegen Coronavirus-Pandemie weiter eingeschränkt

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Familie in Grobritannien verfolgt Ansprache von Johnson

Im Kampf gegen das Coronavirus haben mehrere europäische Länder das öffentliche Lebens weiter eingeschränkt. In Großbritannien trat am Montagabend eine dreiwöchige Ausgangssperre in Kraft. In Frankreich wurde die bereits bestehende Ausgangssperre verschärft, in den Niederlanden wurde das Versammlungsverbot bis Juni verlängert. Europaweit stieg die Zahl der offiziell gemeldeten Infektionsfälle laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP auf mehr als 200.000. Mit mehr als 10.000 Toten ist Europa der am stärksten von der Pandemie betroffene Kontinent.

Für die Briten gelte eine "sehr einfache Anweisung - Sie müssen zu Hause bleiben", sagte Premierminister Boris Johnson in einer Fernsehansprache. Die Ausgangssperre im Vereinigten Königreich soll mindestens drei Wochen gelten. Die Menschen dürfen nur noch zum Einkaufen, zum Arbeiten, für Arzttermine und sportliche Aktivitäten außer Haus.

Auch Versammlungen von mehr als zwei Menschen sind in Großbritannien vorerst verboten. Viele Geschäfte werden geschlossen. Johnson folgte damit den Maßnahmen, die bereits in zahlreichen anderen Ländern in Europa und auf der ganzen Welt getroffen wurden.

Johnson war wegen seines lange zögerlichen Umgangs mit der Corona-Krise heftig kritisiert worden. Erst seit Montag sind die britischen Schulen geschlossen. Restaurants, Cafés, Bars, Clubs, Theater und Freizeiteinrichtungen sind seit Freitagabend nicht mehr geöffnet. In Großbritannien sind inzwischen mehr als 300 Menschen an dem Virus gestorben, etwa 6650 Menschen wurden positiv auf den Erreger Sars-Cov-2 getestet.

In Frankreich kündigte Premierminister Édouard Philippe eine Verschärfung der Ausgangssperre an. Körperliche Betätigung im Freien wird seit Dienstag strikt eingeschränkt. Joggen oder Spazierengehen dürfen die Franzosen nur noch im Umkreis von einem Kilometer um ihren Wohnort und nur noch einmal täglich maximal eine Stunde lang. Die meisten Märkte müssen schließen.

Bereits vor rund einer Woche hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron drastische Maßnahmen verhängt und das Land de facto abgeriegelt. Die Menschen dürfen nur noch zum Arbeiten, zum Einkaufen oder zum Arzt vor die Tür. In Frankreich wurden bislang mehr als 19.850 Corona-Ansteckungen verzeichnet, mindestens 860 Menschen starben an der Infektion.

In den Niederlanden verlängerte die Regierung das Versammlungsverbot bis 1. Juni. Sollte das Verbot nicht eingehalten werden, werde eine Ausgangssperre verhängt, warnte Ministerpräsident Mark Rutte. In den niederländischen Läden und im öffentlichen Nahverkehr müssen nun außerdem Maßnahmen ergriffen werden, um einen Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen den Menschen zu gewährleisten.

In Spanien bereitet unterdessen die Situation in den Altersheimen wachsende Sorgen. Soldaten fanden in Seniorenheimen völlig sich selbst überlassene Bewohner und in manchen Fällen sogar Leichen in den Betten, wie Verteidigungsministerin Margarita Robles berichtete. Die spanische Armee ist damit beauftragt, die Heime zu desinfizieren.

Spanien ist nach Italien das am härtesten von der Pandemie getroffene europäische Land. Die Zahl der Infektionen liegt inzwischen bei fast 40.000. Fast 2700 Menschen starben.

In Italien gibt es inzwischen kleine Hoffnungsschimmer. Die Zahl der registrierten Neuinfektionen ging dort zuletzt deutlich zurück, von 6557 am Samstag auf 4789 am Montag. Auch die Zahl der Verstorbenen sank. Am Samstag hatte es noch einen erschütternden weltweiten Rekord von 793 neu verzeichneten Coronavirus-Toten gegeben, am Montag waren es 601.

Es gebe "Licht am Ende des Tunnels", sagte der oberste Gesundheitsbeamte der Region Lombardei, Giulio Gallera. Der Direktor des italienischen Gesundheitsinstituts (ISS) warnte dagegen vor vorschnellem Optimismus. "Wir dürfen uns keine Illusionen wegen eines leichten Rückgangs machen", sagte Silvio Brusaferro. Er rief die Italiener eindringlich dazu auf, sich weiter an die Ausgangssperre zu halten.