Ökonom Stern: Klimafreundliche Wirtschaft ist "Wachstumsstory des Jahrhunderts"

Der renommierte britische Wirtschaftswissenschaftler Nicholas Stern hat die Hinwendung zu umweltfreundlichen Energiequellen als große Wachstumschance bezeichnet. "Das ist die Wachstumsstory des 21. Jahrhunderts", sagte Stern der AFP

Der renommierte britische Wirtschaftswissenschaftler Nicholas Stern hat die Hinwendung zu umweltfreundlichen Energiequellen als große Wachstumschance bezeichnet. "Das ist die Wachstumsstory des 21. Jahrhunderts", sagte Stern der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch am Rande des Climate Action Summit in San Francisco. Dagegen gebe es "keine langfristige kohlenstoffreiche Wachstumsstory".

In San Francisco beraten seit Mittwoch tausende Gouverneure, Bürgermeister, Unternehmer und Experten über Maßnahmen zum Klimaschutz. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Grünen-Chefin Annalena Baerbock wollten teilnehmen. Die Konferenz will angesichts schleppender internationaler Klimaverhandlungen über konkrete Initiativen sprechen, mit denen Städte und Regionen Treibhausgasemissionen reduzieren können.

Der frühere Weltbank-Chefökonom Stern leitet ein Klimaforschungsinstitut an der London School of Economics. Im Gespräch mit AFP verwies er auf die rasend schnelle Klimaveränderung, der die Menschheit derzeit ausgesetzt ist: "Unsere Zivilisation ist in den vergangenen 10.000 Jahren entstanden, als die Temperaturunterschiede um ein Grad Celsius plus oder minus schwankten. Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir - in etwa binnen eines Jahrhunderts - einen Anstieg um drei oder vier Grad Celsius erleben." So etwas habe "die Erde seit drei Millionen Jahren nicht erlebt."

Es werde Überschwemmungen von Küstenregionen, eine Ausbreitung von Wüsten und eine Intensivierung von Wirbelstürmen geben, sagte Stern in der Westküstenmetropole San Francisco - während vor der Ostküste der USA Hurrikan "Florence" wütete und hunderttausende Menschen zur Flucht von den Küsten zwang. "Hunderte Millionen" Menschen, "vielleicht Milliarden" müssten künftig dann wegen des Klimawandels umziehen, sagte Stern. "Das Risiko ernster Konflikte wäre hoch."

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der Global Commission on the Economy and Climate, deren Ko-Vorsitzender Stern ist, verweist auf die enormen Wachstumschancen einer klimaschonenden Wirtschaft. Stern sagte, das Nichtstun gegen den Klimawandel komme die Menschheit deutlich teurer als das Handeln.

Schon jetzt liefen erneuerbare Energien mit Speicherung den fossilen Brennstoffen auf den Märkten den Rang ab, sagte der Ökonom. "Und wer hätte gedacht, dass die Chefs der großen Autokonzerne sich einig sind, dass die Ära der Verbrennungsmotoren vorbei ist?" Es gebe noch "so viel mehr in der Pipeline". "Das ist die Wachstumsstory des 21. Jahrhunderts."

Gastgeber des Klimagipfels ist Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown. Er hatte erst am Montag ein Gesetz unterzeichnet, mit dem die Stromversorgung in dem Bundesstaat bis zum Jahr 2045 komplett auf saubere Energien umgestellt werden soll. Die Regierung des bevölkerungsreichsten US-Bundesstaats setzt sich damit klar von US-Präsident Donald Trump ab, der auf die Förderung der Kohle sowie die Lockerung von Umweltauflagen setzt.

Das Pariser Abkommen sieht vor, die Erderwärmung nach Möglichkeit auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Jüngste Studien zeigen aber, dass dieses Ziel verfehlt werden dürfte.