Öl-Transportfirmen verstecken Ladung aus Russland: Durch diese Tricks landet Putins Ware doch an deutschen Tankstellen

Schlepper schieben einen Öltanker zum Empfangsterminal in Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong. (Symbolbild) - Copyright: Yu Fangping/Future Publishing via Getty Images
Schlepper schieben einen Öltanker zum Empfangsterminal in Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong. (Symbolbild) - Copyright: Yu Fangping/Future Publishing via Getty Images

Der Ukraine-Krieg macht ihr Geschäft komplizierter, aber nicht unmöglich: Öl-Transportfirmen kennen jede Menge Tricks, um zu verschleiern, dass die Rohölladungen auf ihren Tankern aus Russland stammen. Das berichtet die britische Zeitung „The Guardian“. Hintergrund sind die Öl-Embargos der westlichen Staaten, da Europa und die USA versuchen, die Importe möglichst kleinzuhalten. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass Indien, das russisches Öl zu ermäßigten Preisen gekauft hat, als „Hintertür“ für Lieferungen nach Europa genutzt wird.

Eine Möglichkeit, die Herkunft des russischen Öls zu verschleiern, bestehe darin, mit dem chinesischen Yuan statt mit dem US-amerikanischen Dollar, der Standardwährung für den Handel, zu bezahlen, berichten Quellen dem "Guardian". Alternativ tauschen die Verkäufer demnach russisches Öl gegen Waren wie Gold, Lebensmittel oder Waffen statt gegen eine Währung.

Außerdem ist das Handelsvolumen zwischen der chinesischen Währung Yuan und dem russischen Rubel seit Beginn des Krieges zwischen Russland und der Ukraine um 1,067 Prozent gestiegen. Diese Tatsache wird als ein Zeichen für die Stärkung der Beziehungen zwischen den verbündeten Staaten gesehen, um den Einfluss der USA zu schwächen.

Eine weitere Verschleierungstaktik besteht laut der britischen Zeitung darin, russisches Öl auf hoher See von Schiff zu Schiff umzuladen, wobei in der Regel ein russisches Schiff Öl auf ein anderes Schiff einer neutralen Partei entlädt. Diese Methode werde immer häufiger praktiziert, um die Rückverfolgung zu erschweren und weil die Käufer versuchen, jede Verbindung zum sanktionierten Moskau zu vertuschen. Dabei gehen die Verlader so vor, dass sie das ID-System des Tankers abschalten, um die Überwachung seiner Bewegungen zu erschweren.

"Wenn ein Land oder ein Ölkonzern die Herkunft von Rohöl oder Ölprodukten verschleiern will, ist das wirklich sehr leicht", sagte Ajay Parmar, ein Ölmarktanalyst bei dem Preis-Informationsdienst für Energiehandel ICIS.

Der Handel mit russischem Öl ist nicht illegal. Jedoch untergräbt man mit diesem Vorgehen die Versuche westlicher Staaten, dem russischen Machthaber Wladimir Putin noch mehr Geld in die Kriegskassen zu stecken. Ein Weg für Russland ist eben, den Markt für Öl und Lebensmittel unter Druck zu setzen. Die Europäische Union hat sich darauf geeinigt, russische Ölimporte auf dem Seeweg bis Ende des Jahres zu verbieten, während die USA und Großbritannien eigene Sanktionen verhängt haben.

Länder versuchen vom Öl-Embargo zu profitieren

Griechenland, Zypern und Malta haben jedoch die Menge des von ihnen verschifften russischen Öls seit Beginn des Krieges verdoppelt. Dementsprechend landen Berichten zufolge russische Ölprodukte in den USA, nachdem sie in Indien raffiniert wurden.

Die Anzeichen häufen sich, dass das Gleiche in Europa passiert: Indien dient als Hintertür. Indien und China haben ihre Käufe von russischem Rohöl zu günstigen Preisen in den vergangenen Monaten erhöht, und zusammen machen sie nun etwa 50 Prozent der russischen Ölexporte auf dem Seeweg aus. Nirmala Sitharaman, die indische Finanzministerin, verteidigte die enormen Mengen an russischen Ölkäufen mit der Begründung, die Regierung handele im Interesse der Wirtschaft des Landes, wie das „Wall Street Journal“ sie am Montag zitierte.

Indien kauft mehr, als es selbst verbraucht

Im Juni hat Indien im Durchschnitt eine Million Barrel russisches Öl pro Tag gekauft, verglichen mit 30.000 Fässern im Februar, schreibt die britische Zeitung. Diese Lieferungen würden wahrscheinlich in dem südasiatischen Land raffiniert und dann als Benzin und Diesel in andere Länder verschickt, um schließlich in Europas Tankstellen zu landen, vermuten einige Analysten. „Indische Raffinerien nehmen eindeutig beträchtliche Mengen an verbilligtem russischem Rohöl ab und exportieren dann einen erheblichen Anteil an raffinierten Produkten wieder aus dem Land“, sagte Analyst Craig Howie, der Shore Capital arbeitet, dem "Guardian".

Dieser Text wurde von Christiane Rebhan übersetzt, das Original findet ihr hier.

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