Ein Ölpreis von fast 100 Dollar pro Barrel ist eine schlechte Nachricht für die Inflation - aber eine gute Nachricht für Russland

Russland verzichtet auf die westlichen Öltransportversicherungen, um den westlichen Ölpreisdeckeln umzugehen. - Copyright: Kremlin Press Office/Handout/Anadolu Agency/Getty Images
Russland verzichtet auf die westlichen Öltransportversicherungen, um den westlichen Ölpreisdeckeln umzugehen. - Copyright: Kremlin Press Office/Handout/Anadolu Agency/Getty Images

Der Ölpreis auf dem Weltmarkt liegt bei fast 100 US-Dollar (umgerechnet rund 94 Euro) pro Barrel: Der hohe Preis dürfte die Inflation weltweit anheizen und das Ölexportland Russland freuen.

Aktuell treiben die Förderkürzungen von Saudi-Arabien und Russland den Ölpreis in die Höhe. Seit Jahresbeginn sind die Ölpreise um mehr als zehn Prozent gestiegen. Das käme Russlands Kriegskasse nun zugute, berichtet die "Financial Times" (FT).

Einer Schifffahrt- und Versicherungsanalyse der "FT" zufolge, soll Russland im August fast Dreiviertel seiner Rohölexporte über den Seeweg und ohne westliche Versicherung abgewickelt haben. Noch im Frühjahr seien es noch rund 50 Prozent gewesen, so eine Datenanalyse des Marktforschungsunternehmens Kpler und anderer Versicherungsgesellschaften.

Der Verzicht Russlands auf westliche Ölexportversicherungen könnte es dem sanktionierten Land ermöglichen, die Sanktionen zu umgehen. Die westlichen Versicherungen kontrollieren die Preisobergrenze von 60 Dollar (umgerechnet rund 56 Euro) pro Barrel, die die EU, die G7-Staaten und Australien nach der russischen Invasion in der Ukraine eingeführt hatten. Ölexporte ohne westliche Versicherung könnten bedeuten, dass Russland Rohöl über der Preisobergrenze verkauft, so die "FT".

Höhere Ölpreise bedeutet höhere Staatseinnahmen für Russland

Und die höheren Ölpreise treiben Russlands Einnahmen aus dem Energieexport in die Höhe. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur nahm der Kreml im August 17,1 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 16 Milliarden Euro) mit Rohölexporten ein. Noch im Juli waren es 15,3 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 14,4 Milliarden Euro).

Ein Bericht der "New York Times" zeigte im Juli, wie Russland trotz weitreichender Sanktionen durch hohe Kriegs- und Staatsausgaben seine Wirtschaft ankurbelt.

Allein durch die Erhöhung der Transportkosten konnte Russland im August seine Staatseinnahmen um mehr als eine Milliarde Dollar (umgerechnet 940 Millionen Euro) steigern. Gleichzeitig hielt es die westliche Preisobergrenze ein und verkaufte Öl für weniger als 60 Dollar (umgerechnet rund 56 Euro) pro Barrel an Indien, berichtete die "FT" im August.

Steigende Ölpreise dürften die Zentralbanken weltweit erschrecken, die seit letztem Jahr versuchen, die hohe Inflation einzudämmen. Da Energie für die Weltwirtschaft von entscheidender Bedeutung ist, heizen steigende Ölpreise die Inflation an.

Weder Kpler noch das russische Energieministerium und Kpler reagierten sofort auf Anfragen von Insider, die außerhalb der regulären Geschäftszeiten gestellt wurden.

Dieser Artikel wurde von Amin Al Magrebi aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.