Österreich, Tschechien und Ungarn gelten ab Sonntag als Hochrisikogebiete

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Reisende am Flughafen (AFP/STEFANIE LOOS)

Wegen stark steigender Corona-Infektionszahlen hat die Bundesregierung mehrere europäische Länder neu als Hochrisikogebiete eingestuft. Ab Sonntag gelten fast ganz Österreich, Tschechien und Ungarn wieder als Hochrisikogebiete. In Österreich lag die Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt bei über 700 Fällen pro 100.000 Einwohner. Die Regierung in Wien plant deshalb einen bundesweiten Lockdown für Nicht-Immunisierte. Die Niederlande beschlossen einen neuen Teil-Lockdown, er tritt bereits am Samstag in Kraft.

Wer aus Hochrisikogebieten nach Deutschland einreist und nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss sich zehn Tage lang isolieren. Die Quarantäne kann frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Corona-Test beendet werden.

Österreich und Tschechien liegen bei der EU-Impfrate unter dem EU-Durchschnitt, gleichzeitig steigen die Infektionsfälle in beiden Ländern wieder rasant an. Deshalb plant die Regierung in Wien einen landesweiten Lockdown für Nicht-Immunisierte. Er wolle am Sonntag "grünes Licht" für einen solchen Lockdown geben, sagte Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP).

Die Maßnahme muss noch vom Parlament und den Regierungschefs der Länder am Sonntag abgesegnet werden, bevor sie landesweit eingeführt werden kann. In den besonders betroffenen Bundesländern Oberösterreich und Salzburg gilt der Lockdown schon ab Montag. Ungeimpfte dürfen dann nur noch ihr Zuhause verlassen, um Lebensmittel oder andere unerlässliche Waren einkaufen zu gehen, Sport zu treiben oder wenn sie medizinische Hilfe benötigen. Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) kündigte zudem eine Impfpflicht im Gesundheits- und Pflegesektor an.

Als erste Region in der EU will die Landeshauptstadt Wien derweil ab Montag mit der Impfung von Kindern zwischen fünf und elf Jahren beginnen. Die Bewohner Wiens können schon vier Monate nach ihrer zweiten Impfung eine Auffrischungsimpfung erhalten, und bei abendlichen Bar- und Restaurantbesuchen brauchen Geimpfte und Genesene zusätzlich einen PCR-Test.

Die Niederlande stehen wegen der steigenden Zahl der Corona-Neuinfektionen vor dem nächsten Teil-Lockdown: Regierungschef Mark Rutte kündigte dreiwöchige Einschränkungen im Gastgewerbe, im Handel und beim Sport an. Bars, Restaurants und Geschäfte müssen um 20.00 Uhr schließen, alle Geschäfte für den nicht dringend nötigen Bedarf bereits um 18.00 Uhr.

Begleitet wurden Ruttes Ankündigungen von teils gewaltsamen Protesten. Rund 200 Demonstranten lieferten sich laut einem AFP-Journalisten heftige Zusammenstöße mit der Polizei, diese setzte einen Wasserwerfer ein.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) stufte am Freitag die Corona-Lage in zehn Ländern der Europäischen Union als "sehr besorgniserregend" ein. Zu ihnen zählten unter anderem Polen, Belgien, die Niederlande und Tschechien.

Österreich zählte ebenso wie Deutschland, Dänemark, Finnland und Luxemburg zu den 13 Ländern, in denen die Lage laut ECDC "besorgniserregend" ist. Die Behörde wies darauf hin, dass die Länder mit geringerer Impfrate weiterhin am stärksten betroffen seien.

Angesichts der beunruhigenden Corona-Lage in vielen EU-Staaten rief die EU-Kommission die Regierungen auf, ihre Vorkehrungen zur Eindämmung der vierten Welle zu verschärfen. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides mahnte aber auch die EU-Bürger zu erhöhter Achtsamkeit. "Dies ist nicht die Zeit dafür, nachlässig zu werden und unsere Masken wegzuwerfen," sagte sie der "Welt".

ans/lan

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