"Überaktivposten!" - Gynäkologin attackiert Jens Spahn bei "Wer wird Millionär?"

Michael Eichhammer

Die erste Gynäkologin in der Geschichte von "Wer wird Millionär?" nahm auf dem Ratestuhl Platz. Auch aus anderen Gründen wurde der Auftritt der Ärztin denkwürdig. Sie plauderte aus dem Nähkästchen und attackierte Gesundheitsminister Jens Spahn.

"Eine Gynäkologin hatte ich hier noch nie sitzen", stellte Günther Jauch bei "Wer wird Millionär?" begeistert fest. Von Urologen habe es dagegen "nur so gewimmelt". Der Moderator berichtete Kerstin Schöfferle aus Mühlheim, die Männerärzte hätten "teils erstaunliche Geschichten aus der Praxis" ausgeplaudert. "Denen war nichts Männliches fremd ... Was die da zum Teil an Gegenständen irgendwo wieder vorholen sollen", deutete Jauch an. Natürlich hatte diese Rede nur einen Zweck: Der Moderator erhoffte sich, dass die Kandidatin ebenfalls aus ihrem beruflichen Nähkästchen plaudern würde.

Kerstin Schöfferle lachte erst verlegen, dann erzählte sie einen Schwank aus vergangenen Zeiten: Damals, noch als Assistenzärztin, habe sie eine Patientin mit einem Küchenunfall behandselt. Der Draht eines Quirlaufsatzes hatte sich gelöst und im Körper der Dame verhakt. Die Entfernung sei problemlos verlaufen, doch habe sich Schöfferle das Lachen nicht mehr verkneifen können, als die Patientin eine wenig glaubwürdige Erklärung für den Notfall schilderte: Sie sei beim Ausräumen der Küchenschränke von einem Hocker gefallen und in die offene Schublade gefallen. Jauch fand die Erklärung wie einen Quirl - "rührend". Die Gynäkologin dagegen riet Patientinnen mit ähnlichen Erlebnissen: "Klappe halten. Nur so als Tipp!"

"Ich weiß nicht ob ihm das Essen noch schmeckt, wenn er mit mir gesprochen hat"

Kerstin Schöfferle bei WWM (RTL)

Auch ohne Tipps vom Moderator schaffte es Schöfferle bis zur 125.000-Euro-Frage. Davor wollte Jauch wissen: "Was machen Sie mit so viel Geld?" Die Antwort war überraschend: "Ich würde gern mit Herrn Spahn mal essen gehen", verriet die Ärztin. "Oooh", staunte Jauch, und das Publikum applaudierte. "Das ist jetzt eine interessante Variante", fand Jauch. "Ich glaube, der macht das sogar." Kerstin Schöfferle machte allerdings deutlich, dass der Gesundheitsminister sich nicht geschmeichelt fühlen sollte: "Ich weiß nicht ob ihm das Essen noch schmeckt, wenn er mit mir gesprochen hat", vermutete sie.

Jauch gab zu bedenken, dass Spahn - immerhin einer der Kandidaten für die AKK-Nachfolge in Sachen Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur- als "absoluter Aktivposten in der Bundesregierung" gelte. "Vielleicht auch Überaktivposten", stichelte Kerstin Schöfferle. Immerhin: kein Vollpfosten. Jauch wollte wissen, was sie dem Politiker am meisten ankreide. "Wenig Nähe zu denen, die wirklich an der Front in der Medizin arbeiten", erwiderte sie. Spahns Entscheidungen wirkten in ihren Augen oft etwas vorschnell. "Wenn er mal eine Woche ein Praktikum in verschiedenen Arztpraxen gemacht hätte, würde er auch sagen: Was machen wir hier eigentlich?", vermutete sie.

Ob Jens Spahn seinen Job souverän macht, blieb dahingestellt. Fest stand, dass Kerstin Schöfferle ihre Sache gut machte. Die 125.000-Euro-Frage lautete: "Der Ostwestfale Elmar Brok war im Sommer bei seinem Ausscheiden nach 39 Jahren dienstältester ...?" Bundeswehrgeneral, Fußballbundesligaschiri, EU-Parlamentarier, Kardinal im Vatikan? Der Zusatzjoker aus dem Saal riet zur Antwort C. "Jetzt geht es tatsächlich um eine halbe Million Euro", verkündete Jauch feierlich. Weniger feierlich klang die Tröte, welche die Sendung abrupt beendete. "Das machen die extra mit uns!", gab sich Jauch einer Verschwörungstheorie hin. "Sie müssen noch mal wiederkommen", wusste er.

"Bescheidener war der Autowunsch hier noch nie"

Kandidatin Sabrina Heinicke bei WWM (RTL)

Ebenfalls wiedergekommen war Sabrina Heinicke. Zuschauer, welche die letzte Sendung verfolgt hatten, erinnerten sich: Die Dame aus Wuppertal verkauft Hotdogs bei Ikea. Jauch hatte dies am vorausgehenden Montag zum Anlass genommen, über das schwedische Möbelhaus zu schimpfen, da der Ausstellungsbereich einem Irrgarten ohne Ausweg gleiche. Jauch staunte über den finanziellen Wunsch der Kandidatin: Sie hatte ihr erstes Auto, einen Citroën Saxo von 1999, für 250 Euro verkauft und wollte diese erste große Liebe nun unbedingt wieder kaufen.

"Genau den oder nur den gleichen Fahrzeugtyp?" Die Dame machte klar: "Genau den!" Eine echte Liebesgeschichte. "Bescheidener war der Autowunsch hier noch nie", meinte Jauch. Heinicke ging mit 64.000 Euro. "Da können Sie das ganze Autohaus kaufen, wenn das voll ist mit 250-Euro-Saxos", rechnete Günther Jauch vor.

Michael Gumpert aus Brüggen nahe der niederländischen Grenze arbeitet als Fleischermeister im Supermarkt. Er sei ein Tollpatsch, meinte der 42-Jährige selbstkritisch. Dass er in der Arbeit regelmäßig gegen geschlossene Türen läuft ist allerdings das geringere Problem: Während andere Leute in Waschmaschinen nur ihre Socken verlieren, verlor Gumpert einen halben Zeigefinger beim Versuch, die Waschmaschine zu reparieren. Der verschwand beim Probelauf im rotierenden Rad.

Sein Auftritt bei Jauch endete kaum glücklicher. Bei der 64.000-Euro-Frage zockte er und fiel auf 500 Euro. Er hatte auf den Telefonjoker gehört - Marktleiter in dem Supermarkt, in dem Gumpert seine Metzgerei führte. Jauch hatte den Unglücksraben noch subtil vor seiner waghalsigen Entscheidung gewarnt - quasi mit dem moralischen Zeigefinger ...