Frankreichs Polizei und Interpol suchen bei brutalem Überfall befreiten Häftling

Einen Tag nach dem brutalen Überfall auf einen Gefangenen-Transporter in Frankreich mit zwei Toten sucht die Polizei fieberhaft nach dem dabei entkommenen Häftling und seinen Komplizen. (-)
Einen Tag nach dem brutalen Überfall auf einen Gefangenen-Transporter in Frankreich mit zwei Toten sucht die Polizei fieberhaft nach dem dabei entkommenen Häftling und seinen Komplizen. (-)

Einen Tag nach dem brutalen Überfall auf einen Gefangenen-Transporter in Frankreich mit zwei Todsopfern hat die Polizei fieberhaft nach dem dabei entkommenen Häftling und seinen Komplizen gesucht. Allein im Département Eure seien 450 Polizisten und Gendarme im Einsatz, sagte Innenminister Gérald Darmanin am Mittwoch dem Sender RTL. Auch die internationale Polizeiorganisation Interpol schaltete sich ein.

"Wir sind noch immer geschockt von der Gewalt", sagte Darmanin. In Frankreich würden mehr Menschen durch Drogenkriminalität getötet als durch Anschläge, fügte der Minister mit Blick auf die Verbindungen des gesuchten Häftlings zum Drogenmilieu hinzu.

Interpol veröffentlichte eine "Red Notice" für den geflohenen Häftling. Damit werden alle Länder aufgefordert, den Aufenthaltsort des Gesuchten zu ermitteln und diesen vorläufig festzunehmen.

Am Dienstag hatten mehrere Angreifer mit einem Auto ein Fahrzeug gerammt, in dem der 30 Jahre alte Häftling Mohamed A. von einer Anhörung im nordfranzösischen Rouen ins Gefängnis nach Evreux in der Normandie zurückgebracht werden sollte. Anschließend erschossen sie zwei Strafvollzugsbeamte und verletzten drei weitere schwer. Die Täter und der Häftling konnten entkommen.

Die französischen Strafvollzugsbeamten waren für Mittwoch zu Protestaktionen aufgerufen. Sie fordern bessere Arbeitsbedingungen, unter anderem mehr Anhörungen per Videokonferenz, um die Zahl der Gefangenentransporte zu verringern.

Einer der Getöteten hinterlässt eine Frau und zwei Kinder, die Frau des anderen Todesopfers ist im fünften Monat schwanger.

Der Überfall fand vor den Augen geschockter Autofahrer statt. Einige von ihnen filmten das Geschehen, auf einem im Internet verbreiteten Video ist durch die Windschutzscheibe eines Autos zu sehen, wie zwei der schwarz gekleideten Täter ihre Waffen auf den Gefängnis-Transporter richten, der von einer schwarzen Limousine blockiert wird.

Der befreite Häftling war erst vor wenigen Tagen von einem Gericht in Evreux wegen Einbruchs und Diebstahls verurteilt worden. Zudem ist er in Marseille wegen Entführung mit Todesfolge angeklagt.

Aus Ermittlerkreisen hieß es, dass der Gefängniskonvoi keine Polizei-Eskorte hatte. Eine solche werde nicht "systematisch" bei solchen Transporten eingesetzt, sondern in der Regel nur auf Wunsch der Gefängnisverwaltung.

jes/gt