Bild-Zeitung hetzt gegen “die gierigen Griechen“

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Die Bild Stimmung gegen Greichenland (Bild: Screenshot: Bild.de)

Die Spannung steigt: Am Freitag entscheidet der Bundestag über weitere Milliardenkredite für Griechenland. In der Union wachsen die Bedenken - und ein Boulevardblatt zeigt sein hässliches Gesicht.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Es geht um viel Geld – und um die Zukunft eines Landes. Ob das Hilfsprogramm für das unter einer Schuldenlast ächzende Griechenland verlängert wird - darüber entscheiden nun die Parlamente der Geberländer. Der Bundestag ist am Freitag dran.

Bis Ende Juni sollen insgesamt von Euro-Staaten und IWF rund 7,2 Milliarden Euro an Hilfsgelder fließen. Im Gegenzug hat die Athener Regierung ein Reformpaket präsentiert, um den Willen an den tatsächlich nötigen Strukturveränderungen zu demonstrieren. Von Seiten der SPD, der Linken und der Grünen kommt einhellige Zustimmung zur Verlängerung der Hilfe. Auch die Union signalisiert in ihrer Breite ein Ja. Allerdings drohen bis zu 40 Abgeordnete aus CDU und CSU, sich gegen die Rettungsgelder zu stemmen.

So weit - so normal. Die Antwort auf die Frage, was Griechenland braucht, wie weit Solidarität geht und wie das beste ökonomische Rezept gegen die Armut und die lahmende Wirtschaft bei den Hellenen lautet – diese Antwort ist nicht leicht zu finden. Daher wird jeder Parlamentarier um seine Entscheidung ringen.

Die Stunde der Rache

Doch leider ist so ein Showdown wie am Freitag im Bundestag immer auch die Stunde der Büchsenspanner. Es ist die Lieblingszeit aller Intriganten und Frustrierten und jener, die sich Machtzuwachs auf Kosten anderer erhoffen. Es ist die Zeit, in der man leicht hässlich wird.

Da sind jene Abgeordneten, die ihre Karriere schon hinter sich haben, die es nicht geschafft haben. Nun, wo es sie nichts mehr kostet, werden sie laut. Und natürlich gibt es die standhaften und überzeugten Parlamentarier, die aus Prinzip und nach gründlicher Befragung ihres Gewissens gegen die Hilfe stimmen werden – so wie Wolfgang Bosbach (CDU) und Peter Gauweiler (CSU). Aber es gibt auch jene, die nun ihr wahres Gesicht zeigen.

Die "Bild"-Zeitung hat heute eine ihrer berüchtigten Kampagnen begonnen: "Nein! Keine weiteren Milliarden für die gierigen Griechen!", steht es übergroß auf einer Seite. Und dazu der Aufruf, den Kram auszuschneiden, hochzuhalten, ein Selfie zu schießen und durchs Netz segeln zu lassen.

Es gibt Gründe, die für und gegen Hilfszahlungen sprechen. Zweifellos aber sind die Griechen in einer schlimmen Lage. Die Arbeitslosigkeit ist irre hoch. Die Gesundheitsversorgung steht vor dem Kollaps. Der Staat muss das wenige ihm zur Verfügung stehende Geld zusammenkratzen, um die bereits von Euro-Staaten und IWF vergebenen Kredite zu tilgen und Zinsen zu zahlen. Und die neu gewählte Regierung braucht vor allem Zeit, um zu zeigen, was sie kann. Was niemand indes gerade braucht, ist „Bild“ mit ihrer populistischen Kampagne. Eine Zeitung darf und soll eine Meinung haben. Diese aber so zu transportieren wie „Bild“ es tut, verlässt die Gefilde des Journalismus und betritt populistischen Sumpf.

Die Märchenstunde kann beginnen

Was ist „gierig“ an Griechen, die derzeit am Existenzminimum herumkratzen? „Bild“ bedient gleich mehrere Klischees und Unwahrheiten: Immer wieder heißt es, „wir“ (also wir Deutschen) würden immer zahlen. In Wirklichkeit profitieren wir von der Krise anderer Länder wie Griechenland, indem Deutschland Kredite quasi zum Nulltarif aufnehmen kann. Kein deutscher Steuerzahler musste bisher wegen des Hilfsprogramms für Griechenland seine Taschen leeren. Die Hetze von „Bild“ ist nur der Lautsprecher jener Ressentiments, die in uns Deutschen jene sehen, die angeblich immer alles richtig machen, und in den Griechen die „Südländer“, die angeblich gierig, faul und korrupt sind. Das ist falsch. Das ist dumm. Das ist rassistisch.

Deutschland hat einmal großen Mist gebaut. Es hatte großes Leid über andere Länder gebracht. Diese Länder haben Deutschland verziehen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt Deutschland große Hilfsgelder über den Marshallplan. Das Wunder des Wiederaufbaus ist auch eines der ausländischen Großzügigkeit. Haben wir das alles schon vergessen?



















Sehen Sie hier ein interesantes Video zu Griechenland

 

 

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