„Lüge des Jahres“ geht an Mitt Romney

Mitt Romney hat eine zweifelhafte Auszeichnung erhalten: Die Onlineplattform „Politifact.com“ kürt alljährlich die „Lüge des Jahres“ - und dieses Jahr geht der Titel an den US-Wahlverlierer. Romney hatte in Wahlwerbespots behauptet,  US-Präsident Obama habe die Automarke Chrysler an Italiener verkauft, die nun Jeeps in China bauen würden. Eine dreiste Lüge, befanden die Faktenchecker - und eine folgenreiche: Sie kostete Romney womöglich die Präsidentschaft.

Der Romney-Werbespot verdrehte einen "Bloomberg"-Bericht. (Screenshot: Youtube)„Der Jeep-Werbespot war unverschämt falsch“, schrieb Angie Drobnic Holan, eine Redakteurin der Zeitung „Tampa Bay Times“, in ihrer Analyse. Das Wahlkampfteam von Mitt Romney schaltete die Werbung in den letzten Wochen vor der Präsidentenwahl. Der Bewerber der Republikaner erntete dafür scharfe Dementis der Autoindustrie. Und Obamas Wahlkampfteam stellte die Lüge öffentlich bloß.

Paul Bedard von der Zeitung „Washington Examiner“ hatte die Fehlinformation am 25. Oktober in die Welt gesetzt. Er hatte eine Story von „Bloomberg News“ verdreht. Darin hieß es, dass Chrysler seine Jeep-Produktion in China neu starten wolle, da der chinesische Markt boomt. „Bloomberg“ schrieb aber auch, dass die seit der Pleite im Jahr 2009 von Fiat kontrollierte Firma ihre Produktionsanlagen im Bundestaat Ohio ausbaue.

Dieses Detail aber entging Bedard. Er strickte die Mär, Chrysler verlagere die Jeep-Produktion nach China, schließe die US-Fabriken und zerstöre so die Wirtschaft in Städten wie Toledo in Ohio. Der konservative Nachrichtendienst "Drudge Report” verbreitete die Falschmeldung weiter. Und Romney griff sie in Reden und einem Werbespot auf – obwohl der Chrysler-Pressesprecher die Meldung schon nach wenigen Stunden dementiert hatte.

Romney hoffte, durch die Spots einen Vorteil im entscheidenden Swingstate Ohio zu gewinnen. Im einstigen Industriestaat haben viele Fabriken geschlossen, die Wirtschaft liegt in Trümmern. Chrysler hatte in der Finanzkrise Milliardenkredite vom Staat bekommen.

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Romney blieb bei der falschen Behauptung und gab dem Wahlkampfteam Obamas damit die Gelegenheit, den republikanischen Gegenkandidaten als Lügner vorzuführen.

„Die Lüge des Jahres“ wird seit vier Jahren für die dreisteste und folgenreichste falsche Behauptung verliehen. Angie Drobnic Holan schrieb, dass Romneys Lüge mitverantwortlich für seine Niederlage gewesen sei: „Die Leute sagen oft, dass Politiker nicht für ihre Täuschungen zur Rechenschaft gezogen werden. Aber dieses Mal war es anders: Eine Flut von negativen Medienberichten ergoss sich über Romneys Wahlkampfteam. Und so konnte er die Stimmung nicht drehen in Ohio, dem wichtigsten Bundesstaat bei der Präsidentschaftswahl.“

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