1. UN-Mission seit 30 Jahren "kommt zu spät", mehr als 100.000 aus Berg-Karabach geflohen

Eine Delegation der Vereinten Nationen ist am Sonntag über den Latschin-Korridor in Berg-Karabach eingetroffen. Der erste UN-Besuch in der in der Konfliktregion im Südkaukasus seit drei Jahrzehnten "kommt zu spät", sagen Hilfsorganisationen vor Ort.

Mehr als 100.000 Menschen sind nach der militärischen Niederlage gegen Erzfeind Aserbaidschan aus Berg-Karabach geflohen. Nur mit dem nötigsten und ohne Perspektive, wie ein junger Flüchtling erklärt.

"Vielleicht bin ich der letzte Armenier"

"Im Auto ist alles, was wir haben. Wir haben in Karabach unsere Häuser und unser ganzes Leben zurückgelassen. Vielleicht gehen wir nach Europa. Ich weiß es nicht. Vielleicht bin ich der letzte Armenier."

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat medizinische Notfallteams für die Versorgung von Verbrennungsopfern nach Armenien entsendet.

Auch Frankreich sagte Unterstützung bei der Versorgung der Geflüchteten zu, Außenministerin Catherine Colonna wollte am Dienstag nach Armenien reisen.

Paris hatte in der vergangenenWoche eine Aufstockung der Hilfe für Armenien auf 12,5 Millionen Euro angekündigt. Paris bedauerte zudem, dass Aserbaidschan der UN-Mission erst nach dem Massenexodus der Armenier zugestimmt hatte.

In Marseille bekundeten einige tausend Demonstranten ihre Solidarität mit den aus Berg-Karabach geflohenen Armeniern und forderten ein stärkeres Eingreifen der internationalen Gemeinschaft.

"Europa verrät seine Werte"

Der linke Bürgermeister Stadt, Benoit Payan, forderte auf der Kundgebung die französische Rgeirung dazu auf, die Vermögenswerte des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev einzufrieren.

Zu den Hintergründen der Krise erklärte er: "Europa verrät seine Werte, wenn es beschließt, Gas, das es nicht mehr von Russland kaufen kann, aus Aserbaidschan zu zu beziehen. Wir wissen, dass Russland dahinter steckt."

Auch in anderen französischen Städten, darunter Lyon, Clermont-Ferrand, gab es Demonstrationen für Berg-Karabach.

Zum Beginn dieser Woche waren Gespräche in Stepanakert zwischen aserbaidschanischen und armenischen Vetretern geplant.

Verhandlungen in Granada unter westlicher Vermittlung

Verhandlungen zwischen dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev und dem armenischen Premierminister Nikol Pachinian sollen am kommenden Donnerstag inm spanischen Granada unter westlicher Vermittlung beginnen.

Die Ängste der Geflüchteten werden laut Eriwan durch eine Reihe "illegaler Verhaftungen" genährt, obwohl die aserbaidschanischen Behörden zugesagt haben, Rebellen, die ihre Waffen abgeben, die Ausreise zu ermöglichen.

Mehrere Funktionäre der Enklave wurden inhaftiert und des "Terrorismus" und anderer Verbrechen beschuldigt.

Am Sonntag hatte der der aserbaidschanische Generalstaatsanwalt Kamran Alijew angekündigt, wegen möglicher Kriegsverbrechen gegen 300 separatistische Funktionären zu ermitteln, die er aufforderte, sich den Behörden zu stellen.