13 Jahre Haft wegen versuchten Mordes für Berliner Autoraser

Zu 13 Jahren Haft hat das Landgericht einen Autoraser verurteilt, der auf der Flucht vor der Polizei eine Mutter und ihr fünfjähriges Kind schwer verletzte. Gegen den 34-Jährigen wurde zudem eine fünfjährige Führerscheinsperre verhängt

Zu 13 Jahren Haft hat das Landgericht Berlin einen Autoraser verurteilt, der auf der Flucht vor der Polizei eine Mutter und ihr fünfjähriges Kind schwer verletzte. "Es ist ein Wunder, dass die beiden noch leben", sagte der Richter bei der Urteilsverkündung am Donnerstag. Er verurteilte den 34-jährigen Djordje S. wegen versuchten Mordes und zahlreicher anderer Delikte.

Im September vergangenen Jahres war S. vor der Flucht vor der Polizei, die ihn kontrollieren wollte, betrunken durch Berlin-Kreuzberg gerast. Dabei erfasste er im morgendlichen Berufsverkehr die Mutter und ihr Kind, die über die Motorhaube etwa zehn bis 15 Meter durch die Luft geschleudert wurden.

"Das Kind war quasi schon tot", sagte der Richter und machte darauf aufmerksam, dass sein Überleben allein einer Krankenschwester vor Ort zu verdanken sei. Das Mädchen und seine Mutter wurden im Krankenhaus behandelt und erlitten neben Knochenbrüchen auch psychische Schäden, die Mutter kann außerdem knapp ein Jahr später noch immer nicht richtig laufen.

Die Familie der beiden begrüßte das Urteil. "Es duftet nach Gerechtigkeit", sagte Mikail A., der Onkel der Frau. "Der wird andere Menschen nicht mehr verletzen."

Gegen S. wurde auch eine fünfjährige Führerscheinsperre verhängt. Der Mann wurde außerdem wegen Fahrens ohne Führerschein, Unfallflucht und Widerstands gegen Beamte verurteilt - er hatte sich gewaltsam gegen seine Festnahme gewehrt.

Der Richter bezeichnete den Mann als "hochkriminelle Persönlichkeit". Er ist siebenfach vorbestraft und wurde bereits zweimal nach Serbien abgeschoben, wie der Richter erläuterte. Erst kurz vor der Tat war er wieder unerlaubt nach Deutschland eingereist.

Das Gericht ging mit dem Maß der Freiheitsstrafe über die Forderung der Staatsanwaltschaft nach elf Jahren und sechs Monaten Haft hinaus. Der Forderung nach einer lebenslangen Führerscheinsperre folgte es jedoch nicht. Die Verteidigung des Manns hatte eine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung gefordert.

Die Verurteilung wegen versuchten Mordes erklärte der Richter damit, dass S. mit der Raserei vorangegangene Straftaten - unter anderem das betrunkene Fahren ohne Führerschein - habe verdecken wollen und dass sich höchst egoistisch verhalten habe, weil auch zahlreiche andere Passanten und Fahrradfahrer gefährdet wurden.

"Man konnte nicht ansatzweise auf einen guten Ausgang vertrauen", sagte der Richter und begründete damit den Vorsatz der Tat. Er räumte aber auch ein, dass S. zum Ende des Prozesses Reue gezeigt und sich offenbar aufrichtig entschuldigt habe.

In einem anderen prominenten Berliner Autoraserfall hatte der Bundesgerichtshof im Frühjahr ein Mordurteil wieder aufgehoben, weil nach Ansicht der Karlsruher Richter der Tötungsvorsatz fehlte. In dem Fall hatte das Berliner Landgericht zwei Männer nach einem illegalen Autorennen verurteilt, bei dem ein unbeteiligter Autofahrer starb. Es war das bundesweit ersten Mordurteil in einem derartigen Fall. Der Prozess soll im November in zweitem Anlauf neu starten.