16 Jahre nach Regime-Sturz – Taliban weiter auf dem Vormarsch

Die Taliban rücken im Süden Afghanistans weiter vor. In der umkämpften Provinz Helmand nahmen sie nach eigenen Angaben den strategisch wichtigen Bezirk Sangin ein. Afghanische Truppen und Sicherheitskräfte hatten sich zuvor aus dem Zentrum des Bezirks in ein Gebiet weiter südlich zurückgezogen, wie ein Sprecher des Gouverneurs der Provinz bestätigte. Er bestritt aber, dass die Taliban den Bezirk eingenommen hätten.

Seit dem Abzug der meisten internationalen Truppen 2014 sind die radikalislamischen Taliban wieder zunehmend zu einer Bedrohung geworden. Seit Jahren kämpfen sie mit den afghanischen Streitkräften

um die Kontrolle in der Südprovinz Helmand. Der Süden Afghanistans ist das Kernland der Taliban-Führung.

Im Norden Afghanistans tötete ein Polizist am Mittwochabend zudem neun Kollegen an einem Kontrollposten. Daraufhin sei er mit Waffen und weiterer Ausrüstung geflohen, sagte ein Polizeisprecher. Die Taliban reklamierten den Angriff für sich. Anfang März töteten IS-Kämpfer bei einem Angriff auf ein Krankenhaus in Kabul mindestens 30 Menschen.

16 Jahre nach dem Sturz des Taliban-Regimes flüchten noch immer Menschen vor den Kämpfen. Allein seit Anfang des Jahres hat der Konflikt 38 110 Menschen in die Flucht getrieben. Mehr als die Hälfte

von ihnen seien Kinder und Jugendliche, hieß es in einem am Montag veröffentlichten UN-Bericht. Im Jahr 2016 hätten mehr als 654 000 Zivilisten ihre Häuser und Wohnungen verlassen müssen.

Die meisten der seit Beginn dieses Jahres Vertriebenen stammten nach UN-Angaben aus den nordöstlichen Provinzen Kundus und Baghlan. Dort war bis 2013 die Bundeswehr stationiert. Auch im südlichen Teil des

Landes verschärfe sich der Konflikt. Die radikal-islamischen Taliban kündigen gewöhnlich Ende März oder Anfang April ihre Frühjahrsoffensive an.

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