18-Jährige von U-Bahn-Fahrer vergewaltigt: Verkehrsbetriebe irritieren mit Angebot

In einem Waggon der Münchner U-Bahn wurde eine schlafende Frau vergewaltigt. (Symbolbild: Athanasios Gioumpasis/Getty Images)

Vor knapp vier Monaten wurde in München eine 18-Jährige in einem U-Bahn-Waggon vergewaltigt. Der Täter war der Fahrer der U-Bahn, in der die junge Frau betrunken eingeschlafen war. Nun gab es ein Urteil in dem Fall. Unterdessen sorgt ein deplatziertes Angebot der Münchner Verkehrsgesellschaft an das Opfer für Aufsehen.

Ein Mitarbeiter der MVG hatte telefonisch Kontakt mit der jungen Frau aufgenommen, wie die “tz” berichtet. Sein irritierendes Angebot: Als Entschädigung für das erlittene Leid bot die MVG dem Opfer eine kostenlose Fahrt in der Party-Tram an.

Opfer fühlte sich verhöhnt

Das Opfer reagierte zunächst nicht auf den deplatzierten Vorschlag. Erst als der Mitarbeiter die junge Frau daraufhin auch noch via SMS kontaktierte, um zu erfahren, wie sie “denn nun entschieden” habe, sprach sie mit ihrer Anwältin Ruth Beer. Diese zeigte sich “mehr als überrascht von dieser Vorgangsweise”. Ihre Mandantin “hätte sich seitens der MVG eine Reaktion gewünscht, die den gegebenen Umständen angemessen gewesen wäre”, sagte Beer der “tz”.

Auch in den Sozialen Medien sorgte das Angebot für Empörung. Auf Facebook veröffentlichte das Unternehmen schließlich eine Entschuldigung.

In einem längeren schriftlichen Statement nahm die MVG ausführlicher Stellung: “Es ging nicht um eine ‘Entschädigung’ oder Wiedergutmachung, sondern schlichtweg um ein Zeichen unserer Anteilnahme und Unterstützung. Wir wollten unsere Bestürzung über die mutmaßliche Tat und unser aufrichtiges Bedauern zum Ausdruck bringen […] Ferner wollten wir ihr auch persönlich mitteilen, dass der beschuldigte Mitarbeiter nicht mehr als U-Bahnfahrer tätig ist und unser Unternehmen verlassen hat. Unsere Hoffnung war, damit auch einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Kundin die MVG infolge der Geschehnisse nicht nur negativ wahrnimmt.” Die Sonderfahrt hätte die “Kundin” selbst gestalten können, es sei nicht um eine öffentliche Veranstaltung gegangen. “Es handelte sich um einen gut gemeinten Vorschlag”, so das Unternehmen. Man habe “versucht, auf die betroffene Dame zuzugehen, um hier ebenfalls ein Zeichen zu setzen und uns nicht nur über die Medien zu dem Fall zu äußern. Wir bedauern zutiefst, wenn wir damit Irritationen hervorgerufen haben”, heißt es in dem Schreiben weiter.

Täter log vor Gericht

Das Urteil gegen den U-Bahn-Fahrer fiel am Mittwoch: Der 58-jährige Günther K. wurde vom Amtsgericht München zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Beim Prozess gab er an, “wie ferngesteuert” gehandelt zu haben. Eine Polizistin, die bei dem Prozess aussagte, gab eine andere Einschätzung ab: “Man sieht deutlich, dass es eine zielgerichtete Vergewaltigung war. Ich hatte den Eindruck, dass er das schon öfter gemacht hat. Er schaute während der Tat mehrfach auf die Uhr, wie viel Zeit er noch hat.”

Nach genau siebeneinhalb Minuten ließ Günther K. sein Opfer liegen, ging zurück ins Führerhaus und fuhr seine Schicht zu Ende. Vor Gericht behauptete K. dennoch, die junge Frau hätte ihm ins Ohr geflüstert: “Das ist schön, das gefällt mir.” Eine Falschaussage, da sie nach Angaben der Polizei zur Tatzeit nicht bei Bewusstsein war. An das Opfer muss der Schuldige 5.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.