Vor 1.800 Jahren haben Menschen eine Katastrophe ausgelöst — NASA-Aufnahmen zeigen das ganze Ausmaß

Lisa Schönhaar
aralsee

Die Nasa veröffentlicht immer wieder Satellitenaufnahmen der Erde — oft mit einer ganz bestimmten Intention: Sie sollen zeigen, wie verheerend der Mensch die Umwelt zugrunde richtet.

Um die Welt gingen etwa zwei Bilder des Aralsees, die zeigen, wie er zwischen 1989 und 2014 fast vollständig ausgetrocknet ist.

Weniger bekannt ist die Nasa-Satellitenaufnahme des Lop-Nor-Sees — oder besser gesagt: was davon übrig geblieben ist. 

Seine Austrocknung war eine gigantische Umweltkatastrophe, die vor mehr als 1.800 Jahren durch Menschenhand ihren Anfang nahm und den Untergang einer ganzen Zivilisation bewirkte. 

lopnorsee_china

Ein Forscher-Team unter der Beteiligung des Helmholtz-Zentrums Potsdam untersuchte Sedimente im Tarimbecken im äußersten Westen Chinas. Die Wissenschaftler wollten rekonstruieren, was den Untergang des Königreiches Loulan zwischen dem 3. und 7. Jahrhundert ausgelöst hat.

Wie das Wissenschaftsportal „sciencexx“ berichtet, kamen die Forscher zu dem Schluss, dass die bislang vermutete Ursache nicht im Klimawandel lag. Vielmehr wurden die Wasserzuflüsse des Lop-Nor-Sees wahrscheinlich durch intensive Bewässerung so weit reduziert, dass sich das einst große Gewässer massiv verkleinerte. 

Die Forscher gehen davon aus, dass durch die umfangreiche Bewässerung der Felder zu große Wassermengen aus den Zuläufen des Lop-Nor-Sees abgezweigt wurden, was über die Jahrzehnte zur Austrocknung geführt habe. „Der Untergang der Loulan-Zivilisation war keine Konsequenz des Klimawandels, sondern wahrscheinlich das Ergebnis einer menschengemachten Umweltkatastrophe, vergleichbar mit der heutigen Krise des Aralsees“, fassen die Forscher in ihrem Bericht bei „Scientific Reports“ zusammen.

Die Geschichte der Umweltzerstörung wiederholt sich

Doch die Menschheit hat nichts aus der Geschichte gelernt. Der Aralsee, der viertgrößte See der Welt, trocknet immer weiter aus. Bis ins frühe 20. Jahrhundert galt der See als das viertgrößte Wasserreservoir weltweit.

Nun spielt sich in der Kizilkum-Wüste zwischen Kasachstan und Usbekistan seit Jahrzehnten eine Umweltkatastrophe ab — eine, die vom Menschen verursacht wurde.

Wegen eines Wasserumleitungsprojekts, das die ehemalige Sowjetunion in den 1960er-Jahren startete, schrumpft der einst riesige Binnensee dramatisch. Das Wasser aus den Flüssen, das einst den See speiste, wurde genutzt, um in der Wüste Baumwolle und Getreide anzubauen.

Die Austrocknung des Aralsees hat laut Nasa gravierende Auswirkungen auf die Umwelt — der mäßigende Einfluss des Wassers fehlt spürbar und sorgt für extremere Temperaturen in der Region. Im Winter ist es kälter, im Sommer heißer und trockener.

Der Fall des Lop-Nor-Sees zeigt, dass der Aralsee nicht das einzige mahnende Beispiel für die Folgen menschlicher Eingriffe in die Natur ist.

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