1987-2017: 1. Mai in Berlin - Kampfzone Kreuzberg

1987 eskalierte am 1. Mai erstmals die Gewalt. Jetzt jähren sich die Krawalle zum 30. Mal. Es ist deutlich friedlicher geworden.

Wenn die Steine fliegen, ist es in den Mannschaftswagen laut. Sehr laut sogar. Wirklich gefährlich ist es aber nicht. Denn das Blech der Karosserie und die Gitter an den Fenstern schützen die Beamten vor dem Wurfgeschoss-Regen. Brenzlig, sogar im Wortsinne, wird es dagegen, wenn sich ein lodernder "Molotowcocktail" am Außenspiegel verhakt. Dann sollten die Einsatzkräfte an sich selbst denken – und die Flucht ergreifen.

Einer, der mehrfach in dieses Unwetter steuerte, ist Michael Gassen. Zum ersten Mal mit 21 Jahren als junger Polizist am 1. Mai 1987 – dem ersten Jahr, in dem das Gebiet des früheren Kreuzberger Postzustellbezirks SO36 am "Tag der Arbeit" zur Kampfzone wurde. "Wir waren damals völlig unvorbereitet und wurden von der Gewaltwelle überrascht", erinnert sich Gassen.

Der junge Polizist kam damals aus Schöneberg. In Kreuzberg sollte er festgenommene Randalierer einsammeln. Als er an der Skalitzer, Ecke Wiener Straße eintraf, zeigte sich das ganze Ausmaß der Krawalle. Umgestürzte Autos, geplünderte Geschäfte, die Straßen übersät mit Pflastersteinen und überall brennende Barrikaden. Kollegen suchten unter der U-Bahntrasse Schutz. Die Festgenommen, die Michael Gassen mitnehmen sollte, passten nicht alle in die "Wanne", wie der Polizeiwagen umgangssprachlich heißt. Kurz: Es herrschte Anarchie. Der Staat hatte kapituliert.

Bild Nr. 1:

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Das Kreuzberg, in dem Michael Gassen und seine Kollegen an jenem 1. Mai 1987 um ihre körperliche Unversehrtheit, einige sogar um ihr Lebe...

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