20.000 Spritzen und Gesichts-OP: Extremreporter Jenke zweifelt nach Selbstversuch

Eric Leimann
·Lesedauer: 8 Min.

Im ersten Selbstversuch für den neuen Arbeitgeber ProSieben ließ Extremreporter Jenke von Wilmsdorff sein Gesicht in zwei Hälften teilen. Eine wurde drei Monate lang mit Deluxe-Kosmetik behandelt, das andere ebenso intensiv mit ästhetisch-plastischer Chirurgie. Mit welchem Ergebnis?

20.000 Spritzen und Gesichts-OP: Extremreporter Jenke zweifelt nach Selbstversuch
20.000 Spritzen und Gesichts-OP: Extremreporter Jenke zweifelt nach Selbstversuch

21 Selbstversuche in acht Jahren hat der 55-jährige Kölner Jenke von Wilmsdorff für seinen alten Arbeitgeber RTL unter dem Titel "Das Jenke-Experiment" durchgeführt. Er nahm Drogen, lebte 14 Tage in einer Einzelhaftzelle oder stopfte kiloweise Discounter-Fleisch in sich hinein. Fast möchte man sagen: Seine jüngste Herausforderung "Jenke. Das Schönheits-Experiment" war die größte. Denn von Wilmsdorff begab sich nach schlagzeilenträchtigem Senderwechsel für sein ProSieben-Debüt unters Messer und ließ sein Gesicht verändern. Hier die Fakten und Ergebnisse einer der wohl denkwürdigsten TV-Reportage aus den letzten Jahren.

Der Status quo und das Ziel

Jenke von Wilmsdorff will in 100 Tagen 20 Jahre jünger aussehen. Ist das möglich? Etwa eine Million Deutsche haben 2018 ihrer Schönheit mit Spritzen und Skalpellen nachhelfen lassen. Die Hitliste der OPs: Auf Platz eins liegt Faltenbeseitigungen mit Botox und Co. Platz zwei machen Brustvergrößerungen bei Frauen aus, Platz drei Brustverkleinerungen bei Männern. Mit 390.000 Schönheits-OPs pro Jahr spielt Deutschland weltweit ganz oben mit. Auch von Wilmsdorff fragt sich am Anfang seines Experiments: "Warum sehe ich so viel älter aus, als ich mich fühle?"

In der Kölner Fußgängerzone lässt er "das unvorteilhafteste Bild, das ich von mir kenne" großgezogen aufhängen. Ein Gesicht mit Furchen und Falten. Seine Redaktion hat ihm gesagt: "So siehst du (leider) aus." Passanten schätzen das Alter des kernigen Mannes mit zerfurchtem Gesicht und grauem Bart. Nur einer sagt den Tatsachen entsprechend: Mitte 50. Keiner schätzt ihn jünger. Einige tippen auf über 70 oder 80.

Was bringen Schönheitsmittel aus dem Internet?

Jenke von Wilmsdorffs Extrem-Experiment beginnt harmlos. Das Haarfärbe-Spray, das alles Grau abdecken soll, sieht albern aus, befinden Jenke und sein Kameramann. Auch der Besuch bei einem Friseur überzeugt nicht vollends. Immerhin: Mit etwas professioneller Farbe und "jungem Schnitt" holt der Italo-Kölner Barbier etwa fünf Jahre raus, wie er selbst befindet. Ein Hautarzt misst danach von Wilmsdorffs Hautalter: 56 Jahre auf der einen, 61 Jahre auf der anderen Seite. Fast niemand hat zwei gleiche Gesichtshälften. Von Wilmsdorff analysiert die eigene Haut biografisch. In der Sonne hat er immer gerne gelegen, ohne Lichtschutzfaktor. Dazu Zigaretten seit der Jugend plus das ein oder andere Extrem-Experiment.

Von Wilmsdorff setzt seine Verjüngungskur im Internet fort und bestellt diverse Gerätschaften. Das Hautarzt-Fazit nach einer Woche Behandlung: Der Gesichtsroller bewirkt eine Art Lymphdrainage, mehr nicht. Die Hyaluron-Maske schneidet besser ab: Sie befeuchtet die Haut, macht sie kurzfristig frischer, die Wirkung ist aber nicht nachhaltig. "Needling", eine Art Nadel-Nudelholz fürs Gesicht, kann Entzündungen hervorrufen. Richtig angewendet allerdings auch kleinere Fältchen glätten. Sogar eine LED-Licht-Therapiemaske, die nach hundertprozentigem Hokuspokus aussieht, macht laut Arzt Sinn - allerdings sollte man auf Produkte mit geprüfter Qualität achten.

Jenke von Wilmsdorff: "Bei Experimenten setze ich mir keine Grenzen"

Auch norditalienischer Schneckenschleim soll Wunder wirken. Von Wilmsdorff entscheidet sich statt einem Creme-Extrakt für eine Behandlung "direkt beim Erzeuger" und lässt sich die Schnecken aufs Gesicht setzen. 20 Minuten später und 150 Euro leichter sieht der Reporter frischer aus. Der Produzent verkauft auch eine Creme aus Schneckenschleim mit Bienengift - was eine Botox-artige Wirkung haben soll. Selbst ein asiatisches Vogelkotpulver wird ausprobiert. Gefühlt trockene Haut ist die Folge - das Produkt überzeugt keinesfalls.

Sieben Tage Schneckenschleim produzieren hingegen verhaltene Effekte. Man sieht keinen wirklichen Unterschied. Die getesteten Mittel und Gerätschaften bringen nur in bescheidenem Maße Verbesserung. "Sämtliche Produkte kratzen nur an der Oberfläche. Wer - wie ich - in 100 Tagen 20 Jahren jünger sein will, braucht stärkere Geschütze", sagt von Wilmsdorff.

Eine Gesichtshälfte Kosmetik, eine Chirurgie!

"Deine Haut braucht Feuchtigkeit, sie braucht ganz dringend eine Mikrodermabrasion", sagt eine Kosmetik-Meisterin, in deren Hände sich Jenke von Wilmsdorff nach gut 20 Minuten seiner Reportage begibt. "Das peelt die toten Zellen weg, damit unten drunter die Baby-glatte schöne straffe Haut zum Vorschein kommt", verspricht die Fachfrau. Es ist eine Art Schleifgerät, das alte Haut abtragen soll. Dann gibt es noch Ultraschall, "der macht, dass die Zellen tanzen". Acht Jahre jünger soll Jenke aussehen, verspricht die Kosmetikerin, wenn er mit einer Batterie von Pflegeprodukten und täglicher Heimanwendung weitermacht. Dazu sind zwölf Sitzungen verteilt über neun Wochen erforderlich. Die Kosten? Etwa 2.600 Euro.

20.000 Spritzen und Gesichts-OP: Extremreporter Jenke zweifelt nach Selbstversuch
Extremreporter Jenke von Wilmsdorff im Gespräch mit Schönheits-Chirurgin Julia Berkei.

Die Grenzen der Kosmetik sind tiefe Falten. "Die können Sie nicht wieder rückgängig machen", sagt die erfahrene Schönheits-Chirurgin Julia Berkei. Die 51-jährige Frankfurterin arbeitet als Fachärztin für plastische und ästhetische Medizin. In den letzten 15 Jahren hat sie rund 6.000 Eingriffe durchgeführt. 30.000 Euro würde das empfohlene Gesamtprogramm von Dr. Berkei kosten. Nach gut 30 Minuten Reportage entschließt sich Jenke von Wilmsdorff zu einem ziemlich irren Experiment: Eine Hälfte seines Gesichts wird wie besprochen kosmetisch behandelt, die andere mit Chirurgie.

Was bringen gesunde Ernährung und ein "gutes" Leben?

Zusätzlich will Jenke von Wilmsdorff ein paar Jahre über gesunde Ernährung "rausholen". Geht das? Der Reporter befolgt das Programm eines anerkannten Fachmanns, des Wiener Facharztes Alexander Haslberger. Der empfiehlt viel pflanzliche Nahrung und Proteine. Dazu einmal bis zweimal pro Jahr eine Fastenwoche, und zwei- bis viermal pro Monat Intervall-Fasten. "Das verbessert wie nichts anderes unsere epigenetischen Marker für die Alterung", sagt der Arzt. Für jedes Kilo Körpergewicht sollte man außerdem 30 Milliliter am Tag trinken - am besten Wasser mit pflanzlichen Inhaltsstoffen: Grüner Tee ist ideal und wirkt Wunder, sagen die Wiener Forscher um Haslberger. Nach einigen Wochen Ernährungsumstellung haben sich die Entzündungswerte in von Wilmsdorffs Blut verringert, sein ermitteltes Alter ist jedoch das gleiche geblieben.

Zwischendurch trifft der Reporter Menschen, die "etwas haben machen lassen". Manche von ihnen ein bisschen mehr, denn Schönheits-OPs sollen eine Suchteffekt aufweisen. Von Wilmsdorff trifft junge Influencer zu einer Gesprächsrunde. Keiner hat ein wirklich gutes Argument für die Selbst-Optimierung per Botox und OP - außer, dass man sich eben heute selbst dafür entscheiden und es durchziehen kann.

Senderwechsel: Warum Jenke von Wilmsdorff jetzt bei ProSieben arbeitet

Ein 27-jähriges Mädchen, dass seine Sucht nach Botox und Hyaloron mit einem entstellten Gesicht bezahlen musste, ist so mutig, und tritt vor die Kamera. Sie will sich weiterhin operieren lassen. Harald Glööckler empfängt von Wilmsdorff zum Gespräch und redet über sein Leben als Kunstfigur. Und der Reporter reist nach Sardinien, in eine sogenannte Blue Zone. So nennt man jene Gegenden der Welt, in denen Menschen besonders lange leben. Was ist ihr Geheimnis? Gesunde und ausgewogene Ernährung, gute soziale Strukturen und Arbeiten bis ins hohe Alter. Dazu "entstressen" sich diese Menschen, wo immer es geht. Klingt irgendwie besser als von Wilmsdorffs "Intensivkur" auf dem OP-Tisch, findet er selbst.

Horror-OPs mit Jenke von Wilmsdorff

Nun beginnt die chirurgische Behandlung von Dr. Julia Berkei: Mit Botox und Hyalon werden in der ersten Sitzung Falten geglättet und Substanzverlust aufgepolstert. Mit acht und in der zweiten Sitzung mit neun weiteren Kunststofffäden wird Jenkes halbes Gesicht zudem in Form gezogen. Nachts muss er einen Kompressionsverband im Gesicht tragen. Von Wilmsdorff hat Schmerzen. Ein weiterer Termin steht an: Zwei Ampullen Polymilchsäure bekommt der Reporter unter die Haut gespritzt. Eine weitere Ampulle "Vampir-Liftung" mit Eigenblut. Mikro-Needling ist wie Tätowieren ohne Farbe.

Das Ergebnis: "Ich sehe ja aus wie ein Spanferkel", sagt von Wilmsdorff. Sein halbes Gesicht ist blutverschmiert. Es wird über Tage nicht besser. Von Wilmsdorff zweifelt an seinem Weg, das eigene Gesicht für die Reportage aufs Spiel zu setzen. Insgesamt 20.000 Spritzen ließ sich der Reporter in Frankfurt setzen.

Nach Schock-Experiment: Jenke von Wilmsdorff wird Vegetarier

Nach ein wenig kameraaffinem Zögern siegt die Neugierde des Extremreporters, und Jenke von Wilmsdorff lässt sich von Dr. Berkei unter Vollnarkose operieren. Mit am Bauch gewonnen Eigenfett füllt die Ärztin Jenkes schlaff gewordene Haut im Gesicht auf. Die Modellierung mit Eigenfett hat den Vorteil, dass bis zu 40 Prozent dauerhaft an Ort und Stelle bleibt, künstliche Fette bauen sich hingegen wieder ab. Augenlider und Hals werden verjüngt, mit dem Laser lässt sich der Reporter Verbrennungen zweiten Grades zufügen. In drei Stunden OP lässt er "alles machen, was geht" - heißt es aus dem Off, während eine Gesichtshälfte des narkotisierten von Wilmsdorff auf dem OP-Tisch zerschnitten wird.

Was hat das Ganze gebracht?

Am Ende - nach einiger Zeit der Erholung und des Abschwellens, was aber noch Wochen und Monate andauern wird - analysiert der Hautarzt, wie viele Jahre die jeweilige Gesichtshälfte jünger geworden ist Auf der Kosmetikseite hat die Behandlung in Sachen Augenfalten nichts gebracht, doch die Haut ist insgesamt glatter geworden. Etwa acht Jahre, so die Messungen des Hautarztes, haben die drei Monate kosmetische Behandlung "rausgeholt". Die operierte Seite schneidet um rund drei Jahre besser ab. Sie hat sich um etwa elf Jahre verjüngt.

"Zwei Drittel weniger Falten", jubiliert der Hautarzt, der sich selbst regelmäßig Botox spritzen lässt. Jenke von Wilmsdorff zieht ein eher skeptisches Fazit seines Experiments. Man hört zwischen den Zeilen: Es mag sein härtestes gewesen sein, aber es war den Aufwand nicht wirklich wert. Trotzdem wird er sich die andere, bisher "nur" kosmetisch behandelte Gesichtshälfte operativ angleichen lassen - um nicht wie ein Freak auszusehen. Die Schmerzen gehen also auch nach der Ausstrahlung von "Jenke. Das Schönheits-Experiment" weiter.

VIDEO: Die beliebtesten Schönheits-OPs