2019 war zweitwärmstes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen in Deutschland

Sonnenuntergang

Überdurchschnittlich warm, aber kein neuer Rekord: Das vergangene Jahr war gemeinsam mit 2014 das zweitwärmste in Deutschland seit Beginn systematischer Wetterbeobachtungen vor 139 Jahren. Das geht aus der am Dienstag in Offenbach veröffentlichen jährlichen Wetter- und Klimabilanz des Deutschen Wetterdiensts (DWD) hervor. Demnach waren elf der zwölf Monate des Jahres zu warm. Es war außerdem relativ trocken.

Die Mitteltemperatur lag laut DWD bei 10,3 Grad Celsius - und damit um 2,1 Grad über dem langjährigen Mittelwert der Referenzperiode von 1961 bis 1990. Diese wird für wissenschaftliche Vergleiche bei der Beurteilung längerfristiger Trends genutzt. Das bislang wärmste Jahr in Deutschland war laut offiziellen Daten der Meteorologen das Jahr 2018 mit einer Mitteltemperatur von 10,4 Grad.

Mit einer Niederschlagsmenge von 735 Litern pro Quadratmeter gab es im vorigen Jahr zudem ein Niederschlagsdefizit von 54 Litern oder 6,8 Prozent im Flächenmittel. Dabei gab es aber Schwankungen im Zeitverlauf: Fünf Monate waren zu nass, sieben zu trocken. Vor allem in den Sommermonaten von Juni bis August, in denen sich ein Großteil des Pflanzenwachstums abspielt, fiel das bundesweite Niederschlagsdefizit mit 65 Litern oder 27 Prozent größer aus.

Zu den markanten Wetterereignissen des Vorjahrs gehörte unter anderem eine extreme mehrtägige Hitzewelle in Westdeutschland, bei der Ende Juli Temperaturen von über 40 Grad gemessen wurden. An der DWD-Wetterstation in Lingen im niedersächsischen Emsland wurde mit 42,6 Grad am 25. Juli ein neuer Hitzerekord aufgestellt.

Der DWD verwies zudem auf extreme Schneefälle an den Nordseiten der Alpen im Januar sowie eine Kette von Sturmtiefs im März als weitere herausgehobene Ereignisse. Im Mai sorgte außerdem Tief "Axel" in vielen Landesteilen für teils extreme Dauerregenfälle, wie sie statistisch nur alle hundert Jahre oder seltener vorkommen.

Nach einer ebenfalls am Dienstag vorlegten Projektion erwartet der Wetterdienst auch für das laufende Jahr überdurchschnittliche Temperaturen im Bereich von rund einem bis eineinhalb Grad über den Werten der Referenzperiode von 1981 bis 2010. Für die Jahre 2025 bis 2029 rechnen die Meteorologen laut ihrer sogenannten dekadischen Klimavorhersage in West- und Ostdeutschland sogar mit Werten von etwa eineinhalb bis zwei Grad über den Referenzwerten.

Vorausberechnungen der Niederschläge deuten demnach für 2020 etwa durchschnittliche Werte an. Im Fünfjahreszeitraum von 2020 bis 2024 soll es demnach aber wohl insgesamt zu trocken sein.

DWD-Präsident Gerhard Adrian warnte am Dienstag zudem vehement vor einem weiterhin ungebremsten Klimawandel. "Alle wichtigen Stellschrauben drehen sich unverändert in die falsche Richtung", erklärte er. "Die Menschheit hat die Sturmglocken bisher noch nicht hören wollen." So steige die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre ebenso weiter wie die weltweite Mitteltemperatur.

Gleiches gelte für den mittleren Anstieg des Meeresspiegels. In Zukunft würden Wetter und Klima in Deutschland, Europa und global "extremer" werden, mahnte Adrian, der zugleich auch Präsident der Weltorganisation für Meteorologie ist. Die Dekade 2010 bis 2019 sei bereits die wärmste seit Aufzeichnungsbeginn gewesen.