Le Mans ohne Garage-56-Projekt

Noch immer das letzte rein technische Experiment in Le Mans: Der ZEOD RC


Groß war die Überraschung nicht mehr, dass es auch 2018 bei den 24 Stunden von Le Mans kein Garage-56-Projekt geben wird. Bei der Verkündung der Le-Mans-Starter wurde daher die experimentelle Kategorie in keinem Wort erwähnt. Gegenüber 'Motorsport-Total.com' gibt ACO-Präsident Pierre Fillon zu: "Es gibt kein Garage 56-Projekt, weil es keinen ernsthaften Bewerber gegeben hat."

Es gibt zwei Wege, in die 56. Garage (der Name stammt noch aus der Zeit vor dem Anbau vier weiterer Boxen) zu kommen: Als Hersteller für die LMP1-Vorprogramm, in dessen Folge man sich aber für zwei LMP1-Jahre verpflichten muss, oder als privates experimentelles Projekt. "Aber für die ist das schwer zu finanzieren", fügt Fillon hinzu.

Interesse hat es durchaus gegeben: WR stellte schon 2014 ein Biogas-Projekt vor, das sich aber nie materialisierte. Nach dem Tod von Gerard Welter dürfte sich eine Umsetzung des Gülle-Bombers endgültig erledigt haben. Der rein elektrische Green4U Panoz Racing GT-EV wird von Don Panoz weiterhin entwickelt, ist aber nicht reif für eine Teilnahme an der 2018er-Ausgabe.

"Wir haben in Absprache mit FIA und ACO entschieden, dass wir aufgrund der Komplexität des Projekts lieber 2019 als 2018 an den Start gehen werden. Das gibt uns größere Aussichten auf Erfolg", sagt Green4U-Technikchef Brian Willis gegenüber 'Motorsport-Total.com'. Es sind Worte, die in Bezug auf die Garage 56 schon öfter gefallen sind. Nicht selten sind solche Projekte dann im Sand verlaufen, wie etwa der GreenGT H2, der 2016 in Le Mans mit drei Jahren Verspätung Showrunden drehte und seitdem nicht mehr gesehen ward. Oder besagter Biogas-Prototyp von WR.

"Echte" Garage 56-Projekte gab es bislang nur in den Jahren 2012 und 2014. Der DeltaWing war noch vergleichsweise erfolgreich, der elektrische Nissan ZEOD RC ein Vorgeschmack auf das spätere LMP1-Debakel der Japaner. 2016 gab es noch einmal ein experimentelles Unterfangen, das aber den Fokus auf die menschliche Seite legte. Die Zielankunft von Frederic Sausset ist bislang das erfolgreichste Garage-56-Projekt der Le-Mans-Geschichte. Allerdings war das Fahrzeug ein normaler LMP2, der auf die speziellen Bedürfnisse des vierfach amputierten Franzosen umgebaut wurde, weshalb die Zielankunft keine allzu große Überraschung war.

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