Nach 26 Jahren - Postreform beschlossen! Das ändert sich ab 2025 bei Brief und Porto

<span class="copyright">IMAGO/dts Nachrichtenagentur</span>
IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Der Bundesrat hat eine Postreform beschlossen. Es ist die erste grundlegende Änderung seit knapp 26 Jahren. Verbraucher müssen sich umstellen, denn die Deutsche Post bekommt mehr Zeit für die Zustellung von Briefen. Was sich sonst noch für Verbraucher ändert.

Die Zeiten, in denen Briefe und Postkarten innerhalb eines Werktages beim Empfänger im Briefkasten landeten, sind vorbei. Ab dem 1. Januar 2025 tritt eine neue Regelung in Kraft, die das deutsche Postsystem auf den Kopf stellt.

Seit 1997 war es die Pflicht der Post, 80 Prozent aller Sendungen innerhalb eines Werktages zuzustellen. Doch eine kürzlich beschlossene Post-Reform ändert das. Künftig sollen 95 Prozent der Briefe und Postkarten spätestens nach drei Werktagen beim Empfänger sein.

In ländlichen Gebieten könnte es sogar etwas länger dauern, bis Briefe, wichtige Dokumente oder Postkarten ankommen. Denn insgesamt gilt für 99 Prozent der Briefzustellungen durch die neue Postreform dann die Vier-Tage-Regel. Das bedeutet: Wird ein Brief am Montag aufgegeben, kann es sein, dass er erst am Freitag beim Empfänger ankommt.

Was bedeutet das Ende der Zwei-Tage-Garantie?

Die Ausdehnung bedeutet, dass Haushalte für Briefe, kleinere Päckchen und Postkarten innerhalb Deutschlands bis zu eine Woche warten müssten. „Vorgaben mit längeren Laufzeiten und höherer Verbindlichkeit können den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer in höherem Maße entsprechen“, hieß es dazu in der Novelle des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz.

Das deckt sich auch mit der Argumentation der Deutschen Post. Haushalte würden verstärkt E-Mails und andere digitaler Kommunikationswege im Alltag nutzen. Eine Ausweitung auf „plus drei Tage“ oder „plus fünf Tage“ würde auch deshalb kaum Auswirkungen haben.

Drohen häufiger Mahnungen?

Nein. In der Regel haben Verbraucher zwei volle Wochen Zeit, um offene Rechnungen zu begleichen. Mit der ersten Mahnung wird oft eine Zahlungsfrist von zehn Tagen eingeräumt.

FOCUS online sagt aber: Möglicherweise können Inkassobüros durch kürzere Zahlungsfristen auch den Express-Versand vorziehen und die Kosten auf den Verbraucher abwälzen.

Die Laufzeit von Briefen - also die Dauer bis zur Ankunft beim Empfänger - werde sich Anfang 2025 „nicht schlagartig“ verändern, sondern es werde einen graduellen Übergang geben, beruhigt Post-Chef Tobias Mayer in einer Pressemitteilung. Der Übergang werde ein bis zwei Jahre dauern. Das hieße, dass Briefe in manchen Regionen noch 2026 recht schnell zugestellt werden.

Express-Versand für Briefe nur per Einschreiben

Wenn Haushalte künftig sicher sein wollen, dass ihr Brief am nächsten Tag beim Empfänger ankommt, müssen sie ab 2025 wohl auch tiefer in die Tasche greifen. Nach Angaben der Post soll der Prio-Brief abgeschafft werden. Er kostet derzeit zusätzlich 1,10 Euro pro Sendung. Aber! Durch die langsamere Standardlieferung könnte die Nachfrage nach Expresssendungen steigen. Das will die Post umgehen.

Künftig könnte es deshalb nur noch das Einschreiben geben, bei dem ein schnellerer Versand vorgesehen ist. Ein Standardbrief, der als Einwurfeinschreiben versandt wird, kostet derzeit 3,20 Euro. Ob der Preis steigt, ist noch unklar. Erst im Herbst dürfte es eine Entscheidung geben, wie hoch die Porti der unterschiedlichen Sendungsarten sein werden.

Das Briefporto wird in der Regel alle drei Jahre angepasst. 2012 kostete ein Standardbrief im Inland 55 Cent, heute 85 Cent (bis 20 Gramm). Die letzte Erhöhung um 5 Cent erfolgte vor zwei Jahren. Das Unternehmen darf das Porto nicht in Alleingang ändern, sondern muss dafür die Zustimmung der Bundesnetzagentur erhalten. Die Behörde hatte im Vorjahr eine vorgezogene Anpassung abgelehnt.

Briefträger weiterhin an sechs Tagen unterwegs

Weil der Zeitdruck sinkt, kann der Bonner Konzern seine Kosten drücken. Seine Briefbeförderung per Flugzeug im Inland hat er wegen der Gesetzesreform bereits eingestellt und dadurch Geld eingespart und obendrein seine CO2-Bilanz verbessert.

Postangestellte sollen weiterhin mindestens fünfmal die Woche Briefe ausliefern. Auf dem Land setzt sich das Modell Dienstag bis Samstag verstärkt duch. In Großstädten liefert die Post sogar zwischen Montag und Samstag Briefe aus.