30 Tote und mehr als 40 Verletzte bei Ausschreitungen in Gefängnis in Ecuador

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Gefängnis in Guayaquil (AFP/Fernando Mendez)

Bei Ausschreitungen in einem Gefängnis in Ecuador sind 30 Menschen getötet und mehr als 40 weitere verletzt worden. Bei dem Vorfall am Dienstag (Ortszeit) in der Stadt Guayaquil bekämpften sich Insassen mit Feuerwaffen und Granaten, wie die Behörden am Mittwoch mitteilten. Gefängnisse in Ecuador werden immer wieder zum Schauplatz brutaler Machtkämpfe zwischen kriminellen Banden mit Verbindungen zu mexikanischen Drogenkartellen.

Die Behörden hatten die Zahl der Toten bei den Kämpfen in der Haftanstalt Litoral zunächst mit 24 angegeben. Der Polizeichef von Guayaquil, Fausto Buenano, teilte am Mittwoch mit, die Zahl sei auf 30 gestiegen. Seinen Angaben zufolge wurden mehrere Insassen durch Schüsse und Handgranaten getötet. Die Staatsanwaltschaft sprach von sechs Enthauptungen. Nach ihren Angaben gab es 47 Verletzte.

Ecuadors Präsident Guillermo Lasso teilte einen Twitter-Beitrag der Gefängnisverwaltung, in dem es hieß, dass die Ordnung in der Haftanstalt wiederhergestellt sei.

In den chronisch überfüllten ecuadorianischen Gefängnissen kommt es immer wieder zu Ausschreitungen zwischen Mitgliedern von Banden, die mit mexikanischen Drogenkartellen in Verbindung stehen. Nach Angaben des ecuadorianischen Ombudsmanns für Menschenrechte wurden im vergangenen Jahr in Gefängnissen in dem Land 103 Menschen getötet. Zwischen Januar und August dieses Jahres kamen nach Angaben der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte 121 Menschen in ecuadorianischen Gefängnissen ums Leben.

Mit seiner Lage zwischen den bedeutenden Drogenproduzenten Kolumbien und Peru ist Ecuador eine wichtige Drehscheibe für den Drogenschmuggel in die USA und nach Europa. Guayaquil im Südwesten Ecuadors ist die wichtigste Hafenstadt des Landes. Sie gilt als zentraler Umschlagplatz für den Kokain-Handel, der insbesondere von den mexikanischen Drogenbanden Sinaloa und Jalisco Nuevo Generación genutzt wird.

In der vergangenen Woche hatte die Polizei in einem Gefängnis in Guayaquil zwei Pistolen, eines Revolver, rund 500 Schuss Munition, eine Handgranate, mehrere Messer sowie explosives Material gefunden und beschlagnahmt. Vor zwei Wochen war eines der Gefängnisse der Stadt mit Drohnen attackiert worden - nach Behördenangaben im Rahmen des "Kriegs zwischen internationalen Kartellen". Verletzte gab es dabei nicht.

Im Juli waren bei Gefängnisaufständen in Ecuador 27 Insassen getötet worden. Die Regierung hatte deswegen den Notstand ausgerufen.

Fernando Carrión, Experte für Sicherheit und Drogenkriminalität, sagte der Nachrichtenagentur AFP, in Ecuador gebe es seit 2010 eine "Strafvollzugskrise". Diese habe dieses Jahr einen neuen "Höhepunkt" erreicht.

In Ecuador werden nach Carrións Angaben jährlich rund 3,5 Milliarden Dollar (drei Milliarden Euro) aus dem Drogenhandel gewaschen. Dank ihres Reichtums könnten die Drogenbanden die staatlichen Behörden korrumpieren und für ihre Zwecke nutzen.

ck/mkü

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