30 Jahre nach dem Fall der Mauer: Der 9. November – Urknall der neuen Zeit

Geschichte wurde geschrieben, Machtblöcke lösten sich auf, Diktaturen implodierten. Trennende Mauern, im Bewusstsein der Menschen auf Jahrhunderte angelegt, zerbröselten unter den Hämmern und Meißeln der Menschen im Herzen Berlins zu Staub. Es waren wilde, lichtdurchflutete Tage im dunklen Monat November des Jahres 1989. Und es war ein großes Privileg, zur rechten Zeit geboren zu sein, um das erleben zu dürfen.

Wer hatte damals nicht das Gefühl, die Menschheitsgeschichte kenne endlich nur noch eine Richtung: Alles wird besser! Vom Ende der Geschichte wurde geträumt. Denn es verschwanden nicht nur die stalinistischen Regime Osteuropas, auch in Chile, Namibia und Südafrika fielen Diktaturen wie Kartenhäuser zusammen.

Diesem kollektiven Rausch – wer in Deutschland konnte sich dem entziehen? Einige konnten es schon damals. Und das hat vielleicht auch damit zu tun, dass wir uns schwertun mit so Dingen wie Lebensfreude, mit dem Feiern an sich, dem „einfach mal die Sau rauslassen“. Immer gibt es ein Wenn und Aber.

Erinnern Sie sich noch, wie lange die Euphorie in jenen Novembertagen vor 30 Jahren anhielt? Schon nach einer Woche gab es die ersten Hamburger, die sich über stinkende Trabis beschwerten, die die Luft verpesteten und Straßen verstopften, über gaffende Ossis auf der Reeperbahn in ihren „Schimmel-Jeans“, die längst aus der Mode gekommen waren. Und die Ostdeutschen entdeckten den „Besser-Wessi“ und den Raffke, für den die Wiedervereinigung vor allem ein gigantisches Geschäft war.

Dem Volk wurde sein Feiertag geklaut

Die alljährlichen Feiern am Tag der Wiedervereinigung, ein von Helmut Kohl willkürlich bestimmter Tag, verkam zum blutleeren Ritual. Jedermann freut sich am 3. Oktober über den freien...Lesen Sie den ganzen Artikel bei mopo