38 Prozent der Leiharbeiter rutschen bei Jobverlust direkt in Hartz IV

Rund 38 Prozent der Leiharbeiter sind im vergangenen Jahr nach einem Jobverlust direkt in Hartz IV gerutscht oder mussten ergänzend die Leistung beantragen. Sie scheiterten an den hohen Hürden für den Bezug von Arbeitslosengeld I oder verdienten vorher zu wenig, wie die Grünen-Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer mit Blick auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) kritisierte. Über das Thema hatte zuerst die "Berliner Zeitung" in ihrer Freitagsausgabe) berichtet.

Trotz ihrer Beitragszahlungen waren im vergangenen Jahr 129.516 Leiharbeiter und damit 38 Prozent aller Leiharbeitskräfte nicht oder nicht ausreichend über die Arbeitslosenversicherung abgesichert, erklärte Pothmer. Voraussetzung für ALG I ist, dass in den vorherigen zwei Jahren insgesamt mindestens zwölf Monate in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt wurde. "Vor allem Beschäftigte in der Leiharbeitsbranche können diese hohen Hürden offenbar nicht mehr nehmen", kritisierte die Grünen-Abgeordnete.

29 Prozent aller Leiharbeitsverhältnisse endeten den Angaben zufolge zuletzt nach weniger als einem Monat, 19 Prozent wurden in einem Zeitraum von ein bis drei Monaten beendet.

Unter allen Arbeitslosen, die 2016 aus einer Beschäftigung direkt in Hartz IV rutschten, betrug der Anteil derjenigen, die vorher in Leiharbeit waren, demnach 25 Prozent. Das sei ein "bemerkenswert hoher Anteil" angesichts eines Anteils von 2,7 Prozent Leiharbeitern an allen Beschäftigten, erklärte Pothmer.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion kritisierte, es gebe eine "eklatante Schieflage im System". Es könne nicht sein, "dass ausgerechnet diejenigen, die am flexibelsten arbeiten, das höchste Risiko tragen, bei Arbeitslosigkeit direkt ins Hartz-IV-System rutschen".

Pothmer bekräftigte die Forderung ihrer Partei, die Zugangshürden zu senken. Künftig sollten Versicherte demnach im Falle von Arbeitslosigkeit bereits dann Anspruch auf zwei Monate Arbeitslosengeld haben, wenn sie innerhalb von zwei Jahren vier Monate sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Zudem müssten für Leiharbeiter ab dem ersten Tag die gleichen Löhne gezahlt werden wie für die Stammbelegschaft, "plus einer Flexibilitätsprämie von zehn Prozent".

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen