400.000 Euro im Flieger gefunden: Rechtsstreit hält seit zehn Jahren an

Moritz Piehler
Freier Autor
Ob die reiche Passagierin in ihrer Heimat China wie dieser Finnair Flug mit Blumen empfangen worden wäre, ist nicht bekannt. (REUTERS/China Photo ASW/FA)

Es klingt wie der Beginn eines Hollywood-Thrillers: Vor zehn Jahren fliegt eine chinesische Frau von Madrid nach Helsinki und lässt ihr Handgepäck mit über 400.000 Euro in bar im Flieger zurück. Über das Geld tobt nun ein skurriler Rechtsstreit.

Der Finnair-Flug im Oktober 2009 hatte eigentlich keine besonderen Vorkommnisse zu vermelden. Der Linienflug aus der spanischen Hauptstadt landete regulär in Helsinki und nachdem die Passagiere das Flugzeug verlassen hatten, machte die Crew ihren üblichen Check in der Kabine, wo sie auf das zurückgelassene Handgepäck einer Passagierin traf. Die chinesische Reisende war von spanischen Behörden aus dem Flugzeug geholt worden, nachdem bei Kontrollen ihres aufgegebenen Gepäcks ungewöhnlich hohe Summen an Bargeld gefunden worden waren.

Offensichtlich hatten die Zollbeamten aber nicht daran gedacht, auch das Handgepäck zu kontrollieren. Denn in Finnland fanden sich im Handgepäck der Chinesin fein säuberlich zusammengerollte 50- und 100-Euro-Noten, die sie in Chipsdosen und Schokoladenpackungen versteckt hatte. Insgesamt waren es 409.760 Euro, die sie gerne auf ihren Anschlussflug nach Peking weiter mit transportiert hätte. Das liegt deutlich über der erlaubten Freisumme, denn bei Reisen in der EU ist man verpflichtet, Bargeldsummen über 10.000 Euro anzugeben.

Geldwäsche-Ermittlungen eingestellt

Wenig überraschend wurden deshalb Untersuchungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche gegen die Passagierin eingeleitet. Bis 2013 versuchten die Behörden, dem Ursprung des Geldes auf die Schliche zu kommen, dann wurden die Ermittlungen ohne nennenswertes Ergebnis eingestellt. Nach finnischem Gesetz wurde das Geld daraufhin freigegeben.

Die finnische Polizei machte die Chinesin ausfindig, um ihr mitzuteilen, dass sie ihr Geld zurück bekäme - so sie es innerhalb von drei Monaten in Anspruch nehmen würde. Andernfalls falle die Summe an den finnischen Staat. Die Frau aber ließ die Frist ungenutzt verstreichen. Sie hatte sich laut Polizeiangaben allerdings auch in den Jahren zuvor nie nach dem Geld erkundigt.

Rechtsstreit ums Geld

Danach begann ein skurriler Rechtsstreit, der bis heute andauert. Die Firma “Lost and Found International Finland” meldete Ansprüche an. Sie betreibt das Fundbüro für Finnair und auch im Flughafen Helsinkis. Laut finnischem Gesetz müssen alle verlorenen Gegenstände und Wertsachen dort abgegeben werden und fallen dann an das Fundbüro.

Das wiederum sah die Ermittlungsbehörde NBI nicht ein und wollte ihrerseits das beschlagnahmte Geld behalten. Die Geschichte wanderte zunächst vor das Bezirksgericht in Helsinki. Dort wurde schließlich im Frühjahr des vergangenen Jahres entschieden, dass das Geld dem Staat zustünde. Das Fundbüro ging in Berufung gegen das Urteil, doch auch das Berufungsgericht entschied nun zugunsten des Staates. Lediglich die Frage, an welche Behörde das Geld letztlich wandern wird, sei noch ungeklärt. Bislang liegt es sicher auf dem Konto der finnischen Kriminalpolizei.

Das Fundbüro allerdings will die Sache noch nicht ruhen lassen. Laut finnischen Medien überlegt “Lost and Found International” vor den obersten Gerichtshof zu ziehen. Von der ursprünglichen Besitzerin aus China gab es nach wie vor keine Rückmeldung. Wie es sich für einen Hollywood-Thriller gehört, bleibt sie spurlos verschwunden.

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