5 mögliche Überraschungen 2023: Was wird aus den Weltbörsen, der Inflation und Apple?

Das alte Jahr ist noch kaum verdaut, schon ist das neue da. Was bringt 2023? So ungewiss und noch ungeschrieben die Zukunft ist, steht zumindest fest: Nach schwierigen zwölf Monaten 2022 hoffen Anleger in diesem Jahr auf Besserung. Allein: Hoffnung ist nicht immer der beste Ratgeber. Ein Blick auf mögliche Überraschungen.

Silvester am Times Square in New York: Was bringt 2023? (Foto: REUTERS/Andrew Kelly)
Silvester am Times Square in New York: Was bringt 2023? (Foto: REUTERS/Andrew Kelly)

“Prognosen sind äußerst schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“, pflegte der große amerikanische Schriftsteller Mark Twain einst zu sagen. Kaum anders geht es Analysten, Marktexperten und Journalisten, wenn sie zu Jahresbeginn in die Glaskugel blicken.

In der Finanzwelt hat der renommierte Investmentstratege Byron Wien in den 80er-Jahren mit seinen „10 Surprises“ einen neuen Prognosestandard erschaffen: Ereignisse, die nach heutigem Konsens eine Überraschung wären, aber eine gewisse Eintrittswahrscheinlichkeit besitzen. In dieser Tradition wage ich mit Denkanstößen, die selbstverständlich keine Anlageempfehlung darstellen, einen Blick auf fünf mögliche Ereignisse, die in diesem Jahr eintreten könnten und das Potenzial besitzen, in der Finanzwelt Spuren zu hinterlassen.

1. Inflation und Leitzinsen halten sich hartnäckiger als erwartet

Die große Entwarnung bleibt aus. Die Inflation ist gekommen, um zu bleiben – vor allem in Europa, wo die EZB weiter massiver an der Zinsschraube dreht als erhofft. Gegen Jahresende nähert sich der Leitzins der 4-Prozent-Marke, während die Inflation bei fünf Prozent verharrt. In den USA scheint die starke Medizin der Fed schneller zu wirken, nachhaltig unter vier Prozent bekommt sie die Teuerungsrate allerdings ebenfalls nicht – entsprechend verschieben sich mögliche Zinssenkungen auf 2024. Das liegt nicht zuletzt an der robusten Konjunktur, die keine Anstalten macht, in die Rezession abzugleiten – zumindest jenseits des Atlantiks. Anders sieht es hierzulande aus: die deutsche Wirtschaft schrumpft 2023.

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2. Im Osten nichts Neues: Der Ukrainekrieg endet nicht

Es ist das Drama des 21. Jahrhunderts: Der Ukrainekrieg, der sich im nächsten Monat bereits zum ersten Mal jährt. Eine militärische Pattsituation lähmt die Region und den Rest der Welt. Die Ukraine kämpft weiter heroisch, drängt Russland weiter zurück – doch über der Hoffnung auf ein Ende hängt das Damoklesschwert der Atommacht Russland.

Zudem erscheint die Lage im Kreml unkalkulierbar: Würde Putin einen Rückzug akzeptieren und politisch überstehen? Und wenn nicht, was käme danach? Die Lage in der Ukraine bleibt entsprechend verworren und eine Dauerbelastung für Europa. Vor allem die Bundesrepublik braucht Zeit, um sich bei der Energieversorgung aus der russischen Abhängigkeit zu befreien. Im Jahresverlauf belasten die anhaltend hohen Öl-, Gas- und Strompreise Bürger und Konjunktur zunehmend – Deutschland bleibt das Sorgenkind der EU.

3. Die Erholung an den Weltbörsen kommt, ebbt dann aber wieder ab – Gold dagegen haussiert

An den Kapitalmärkten kommt wieder einmal vieles anders, als man denkt. Entgegen der sehr bärischen Stimmung zu Jahresbeginn entwickelt sich in der ersten Jahreshälfte eine moderate Rallye an der Wall Street und den Weltbörsen. Doch Mitte des Jahres verliert das herbeigesehnte Comeback schon wieder seinen Schwung – weder im S&P noch im Dax gibt es 2023 neue Höchststände zu vermelden.

Stattdessen verlieren Anleger mit den Favoriten des Vorjahres ihre Geduld. Defensive Werte haben Anleger 2022 vor Schlimmerem bewahrt, aber sind KGVs nordwärts von 20 bei Konsumgüteraktien und Industriewerten langfristig bei marginalem Wachstum zu rechtfertigen? Wenn Anlegern in der zweiten Jahreshälfte dämmert, dass die 2020er-Jahre zur durch und durch vertrackten Dekade werden könnten, stoßen sie die gar nicht preiswerten Valuewerte ab.

Dow und Dax verlieren auf Jahressicht erneut, während Schwellenländerbörsen nach jahrzehntelanger Underperformance besser abschneiden als die etablierten Märkte. Anleger flüchten unterdessen in Gold, das nach einer dekadelangen Seitwärtsbewegung endlich dynamisch nach oben ausbricht und neue Hochs jenseits von 2500 Dollar markiert. Obwohl der Ölpreis nachgibt, legen Energieaktien erneut zu, da die meisten Rohstoffpreise durch Lieferengpässe im Zuge des Ukrainekriegs weiter in die Höhe getrieben werden.

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4. Den GAFAMs gelingt kein furioses Comeback

Werden die großen Verlierer des Jahres 2022 die Gewinner des Börsenjahres 2023 sein? Jein. Big Tech hat angesichts keinesfalls günstiger Bewertungen, abebbendem Wachstum und einer höchst angeschlagenen Charttechnik zunächst weiter einen schweren Stand. Die GAFAM-Werte Apple, Microsoft, Amazon & Co. geraten an der Wall Street zunächst erneut unter Druck. (Vor allem Apple hat nach Jahren des Dauerwachstums seines Bestsellers iPhones einiges zu verlieren.) Irgendwann jedoch ist genug, genug – die Kapitulation der früheren Marktlieblinge vertreibt die junge Anlegergeneration des leichten Geldes endgültig.

In der zweiten Jahreshälfte setzt eine Sektorenrotation ein – diesmal zugunsten von Big Tech, das plötzlich zu den neuen Valuewerten wird. Die Kostensenkungsmaßnahmen zeigen Wirkung, die GAFAMs können trotz stagnierenden Wachstums wieder höhere Gewinne ausweisen. Zum Ende des Jahres kann Big Tech endlich zu einer beachtlichen Rallye durchstarten, die jedoch größtenteils nur dafür gut ist, die früheren Kursverluste auszugleichen oder moderate Gewinne zu verbuchen. Microsoft überholt Apple als wertvollsten Techkonzern, muss Saudi Aramco im weltweiten Börsenranking jedoch den Vortritt lassen.

5. Bitcoin stürzt in Richtung von 5000 Dollar

Nur noch eine Randnotiz ist die mit einst so viel Vorschusslorbeeren bedachte Kryptobranche. Die FTX-Pleite 2022 wird nicht die letzte gewesen sein – Anleger realisieren im Jahresverlauf, als der Bitcoin immer weiter zurückfällt, dass dieser Kryptowinter länger dauern, dass es vielleicht in diesem Zyklus keinen Frühling geben könnte, dass die Zyklentheorie überholt ist – und die hochspekulative Assetklasse ihre beste Zeit hinter sich hat.

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Als Bitcoin-Besitzer mitansehen müssen, dass nicht einmal die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Dollar hält, setzt eine neue Welle panikartiger Abverkäufe in Richtung von 5000 Dollar ein. Langjährige Fürsprecher müssen ihre Positionen liquidieren, die Kryptoszene versinkt nach dem Vorbild der Tulpenmanie im 17. Jahrhundert in Endzeitstimmung. Das große Versprechen vom neuen dezentralen Geld hat sich nicht erfüllt.

Disclaimer: Es handelt sich lediglich um Gedankenanstöße, keine Prognosen und schon gar keine Anlageempfehlungen.