Bis zu 700 Tote bei Schiffsuntergängen im Mittelmeer

Nach einem Schiffsunglück im Mittelmeer werden bis zu 500 Tote befürchtet. Schlepper sollen nach Angaben vor Überlebenden ein Flüchtlingsschiff vor Malta versenkt haben. (Archivbild)

Bei zwei Flüchtlingstragödien im Mittelmeer könnten binnen weniger Tage bis zu 700 Menschen gestorben sein. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) berichtet unter Berufung auf zwei Überlebende, dass in der vergangenen Woche ein Boot mit rund 500 Flüchtlingen an Bord von Schleusern zum Kentern gebracht worden sei. Dutzende weitere Menschen ertranken nach Marineangaben vor der Küste Libyens.

Die IOM zitiert die Berichte zweier Palästinenser, die am Donnerstag von einem Frachter aus dem Meer gerettet wurden. Ihr Flüchtlingsschiff mit etwa 500 Menschen an Bord sei vor Malta untergegangen. Den Berichten der beiden Überlebenden zufolge war das Boot mit Flüchtlingen aus Syrien, Ägypten, dem Sudan und den Palästinensergebieten im ägyptischen Damietta aufgebrochen. Unterwegs hätten die Flüchtlinge mehrfach das Boot wechseln müssen.

Am Mittwoch kam es den beiden aus dem Gazastreifen stammenden Palästinensern zufolge zur Katastrophe: Als die Flüchtlinge in ein noch kleineres und noch weniger seetüchtiges Boot wechseln sollten, hätten sich viele geweigert. Die wütenden Schleuser hätten daraufhin mit ihrem Schiff das Flüchtlingsboot so lange gerammt, bis dieses gekentert sei.

Die IOM sprach vom "schlimmsten Schiffsuntergang seit Jahren" und einem "Massenmord", sollten die Berichte stimmen. Erkenntnisse könnten womöglich neun weitere Überlebende liefern, die laut IOM von anderen Schiffen gerettet wurden. "Es scheint, dass alle anderen umgekommen sind", sagte der IOM-Sprecher Flavio Di Giacomo. Die italienischen Behörden leiteten Ermittlungen ein.

Zuvor hatten die libyschen Behörden von einem weiteren Flüchtlingsdrama im Mittelmeer berichtet. Nach Angaben der libyschen Marine sank ein mit etwa 200 Flüchtlingen besetztes Boot am Sonntagabend vor der Küste östlich der Hauptstadt Tripolis. Nur 36 der Insassen konnten demnach gerettet werden. "Eine hohe Zahl von Körpern trieb im Wasser, aber mangels Ausrüstung konnten wir die Leichen nicht bergen", sagte der Marinesprecher Ajub Kassem.

Erst Ende August waren vor der libyschen Küste rund 170 Afrikaner verschwunden und mutmaßlich ertrunken. Die libysche Küstenwache berichtete darüberhinaus, am Montag seien mehr als hundert afrikanische Flüchtlinge nahe Guarabuli, 60 Kilometer östlich von Tripolis, gerettet worden. Die Männer seien mit einem Schlauchboot unterwegs gewesen, das dabei war, Luft zu verlieren und mit Wasser vollzulaufen.

Bisher sind im Jahr 2014 nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR mehr als 2500 Menschen beim Versuch, das Mittelmeer zu passieren, ertrunken oder verschwunden - davon mehr als 2200 seit Anfang Juni. Ziel der gefährlichen Überfahrten mit meist wenig seetüchtigen Booten sind die relativ nahe gelegenen Küsten Spaniens und Italiens.

Die italienische Küstenwache barg am vergangenen Wochenende nach eigenen Angaben fast 2400 Flüchtlinge aus dem Meer. Nach UNHCR-Angaben gelangten seit Anfang des Jahres rund 118.000 Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Italien - ein Rekordwert.

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