58-jähriger Belgier wird neuer Bewohner von österreichischer Einsiedelei

Kein Strom und kein fließend Wasser - aber eine tolle Aussicht: Die Einsiedelei von Saalfelden im österreichischen Pinzgau hat einen neuen Bewohner. Der 58-jährige Stan Vanuytrecht wurde unter mehr als 50 Bewerbern weltweit zum neuen Eremiten gewählt

Es gibt keinen Strom, kein fließend Wasser und keinen Lohn - und doch wollten mehr als 50 Bewerber weltweit neuer Eremit der Einsiedelei von Saalfelden im österreichischen Pinzgau werden. Nach einem langen Auswahlverfahren habe sich der 58-jährige pensionierte Vermessungstechniker und geweihte Diakon Stan Vanuytrecht durchgesetzt, teilten österreichische Behördenvertreter am Mittwoch mit.

"Wir haben uns für Stan Vanuytrecht entschieden, weil uns seine Persönlichkeit sehr anspricht. Er strahlt Ruhe aus und wirkt gefestigt", sagte der Bürgermeister von Saalfelden, Erich Rohrmoser. Der künftige Eremit, ein überzeugter Trabant-Fahrer, geschiedener Familienvater und bekennender Katholik, war bereits bei der belgischen Luftwaffe und in Deutschland stationiert, bevor er Vermessungstechnik studierte. Nebenberuflich engagierte er sich sozial und in der Kirche.

Trotzdem zeigte sich Vanuytrecht von der Zusage überrascht, wie die Nachrichtenagentur APA berichtete. "Ich dachte, ich habe keine Chance", sagte der graubärtige Pfeifenraucher. Doch habe er sich schon lange nach einem Leben als Einsiedler gesehnt: "Als ich von der Eremitage in Saalfelden gelesen habe, dachte ich mir: Das ist mein Platz."

Von einem Leben in Einsamkeit kann für den neuen Eremiten jedoch keine Rede sein: Obwohl die 350 Jahre alte Einsiedelei in einer umgebauten Felshöhle über der Stadt liegt, zieht sie einen ständigen Strom von Pilgern an, die dort die Aussicht genießen, beten und jemanden suchen, mit dem sie reden können.

Vanuytrechts Vorgänger, der ehemalige Priester und Psychotherapeut Thomas Fieglmüller, hatte nach nur einer Saison aufgegeben. "Das Leben in der Klause ist spartanisch, aber die Natur wunderschön. Ich habe sehr viele nette Menschen getroffen und mit ihnen gute Gespräche geführt", sagte er den "Salzburger Nachrichten".

Leider habe es aber auch Kritik aus "scheinbar rechtskatholischen Kreisen" gegeben, unter anderem, weil er keinen Bart und keine Kutte getragen habe. Vielleicht sei er einfach der Falsche gewesen, sagte Fieglmüller weiter. Sein Nachfolger beginnt am 30. April seinen neuen Job.

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