70 Jahre alter Liebesbrief verspätet zugestellt

Der Liebesbrief von Joseph O. Matthew konnte erst nach 70 Jahren überreicht werden (Screenshot: YouTube/ Todd Bieber)

Eine New Yorkerin staunte nicht schlecht, als sie in ihrem Briefkasten in der 126 McDougal Street einen Umschlag fand, dessen Poststempel den 2. Dezember 1944 anzeigte. Die Adresse auf dem Umschlag war korrekt, der Absender allerdings ein ihr unbekannter Mr. Joseph O. Matthews. Die Finderin des Schreibens machte sich auf die Suche nach der Geschichte des Briefes.

Der ehemalige Soldat Matthews hatte vor fast 70 Jahren an seine junge Ehefrau Betty aus einer Kaserne in North Carolina geschrieben, kurz bevor er an die Front nach Japan geschickt wurde. Im Zuge der Pazifikoffensive im Zweiten Weltkrieg eroberten die US-amerikanischen Truppen die Insel Okinawa am 30. Juni 1945. Der junge Matthews überlebte als einziger seiner Kompanie die Kämpfe und wurde schwerverletzt nach Amerika zurücktransportiert. Dort traf er seine Ehefrau Betty wieder. Sie bekamen einen Sohn namens Scott. Als das Baby zehn Monate alt war, zerbrach das von Matthews lang ersehnte Glück: Betty verließ die Familie. Das alles ergaben intensive Recherchen, die Abbi Jacobson, in deren Briefkasten das Schreiben von Matthews gelandet war, gemeinsam mit dem Filmemacher Todd Bieber unternommen hatte.

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Nach dem mysteriösen Brieffund im Mai hatte Jacobson das „Lost Letter Project“ ins Leben gerufen. Mithilfe verschiedener Medien sammelte sie Informationen und fügte diese wie ein Puzzle zusammen. So stellte sich heraus, dass Joseph O. Matthews 1999 verstorben war. Auch seine zweite Ehefrau Rosemond war bereits aus dem Leben geschieden. Die zwei Töchter aus zweiter Ehe konnte Jacobson ausfindig machen, und auch den Sohn Scott konnte die Hobbydetektivin kontaktieren. Er bekam den Brief seines Vaters überreicht und kann nun eine bewegende Familiengeschichte erzählen.

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Todd Bieber dokumentierte die sieben Monate dauernde Suche nach der Geschichte hinter dem Liebesbrief. In seinem Film sagt Jacobson: „Mir ist klar geworden, dass ich das Ganze romantisiert hatte, durch meine Hoffnung eine alte Frau und einen alten Mann zu finden, denen ich dann den Brief überreiche.“ Für die Nachkommen von Joseph O. Matthews ist der Brief aber ein wertvolles Zeitdokument, das intime Einblicke in die Seele eines Familienmitglied gewährt.

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