Schon bei leichter Behinderung - Bis zu 7400 Euro mehr Freibetrag: So sparen Sie als Rentner ordentlich Steuern

Steuern sparen: Wer eine körperliche oder geistige Behinderung hat, kann diese steuerlich geltend machen.<span class="copyright">picture alliance / Westend61</span>
Steuern sparen: Wer eine körperliche oder geistige Behinderung hat, kann diese steuerlich geltend machen.picture alliance / Westend61

Rentner müssen Steuern zahlen, wenn ihr Einkommen eine bestimmte Grenze überschreitet. Was viele nicht wissen: Diese Grenze erhöht sich, wenn man einen Grad der Behinderung nachweisen kann - und einen entsprechenden Antrag stellt.

Während die Altersvorsorge inzwischen zu 100 Prozent steuerfrei ist, müssen Rentner im Gegenzug einen immer höheren Anteil ihrer Renteneinkünfte versteuern. Wie bei der normalen Einkommensteuererklärung eines Arbeitnehmers gelten aber auch hier Freibeträge. Der wichtigste ist der Grundfreibetrag - quasi das gesetzlich festgelegte Existenzminimum - von derzeit 11.604 Euro pro Person. Hinzu kommen die Aufwendungen für die Kranken- und Pflegeversicherung sowie ein Versorgungsfreibetrag, der sich nach der Höhe der Altersrente und dem Jahr des Rentenbeginns richtet. Ein pauschales Einkommen, ab dem Rentner Steuern zahlen müssen, lässt sich daher nicht nennen. Neurentner des Jahres 2024 müssen etwa ab einem Jahreseinkommen von 16.434 Euro damit rechnen, bei Senioren, die 2010 in Rente gegangen sind, sind es etwa 19.500 Euro.

Diese Grenzen können jedoch zu Ihren Gunsten verschoben werden. Wer eine körperliche oder geistige Behinderung hat, kann diese steuerlich geltend machen. Da Behinderungen mit zunehmendem Alter häufiger auftreten, können auch Rentner häufiger davon profitieren. Technisch läuft das so ab, dass Sie zusätzliche Freibeträge geltend machen können. Diese richten sich nach dem Grad der Behinderung (GdB). Im Gegensatz zum Grundfreibetrag, der fast jährlich angepasst wird, hat die Bundesregierung die Behindertenpauschbeträge zuletzt 2021 angepasst. Seitdem gelten zusätzliche Freibeträge zwischen 384 und 2840 Euro im Jahr bei einem GdB von 20 bis 100. Wer die Merkzeichen H (für „hilflos“), BI (für „blind/hochgradig sehbehindert“) oder TBI (für „taubblind“) im Schwerbehindertenausweis hat, erhält einen zusätzlichen Freibetrag von 7400 Euro. Die Pauschbeträge werden für das ganze Jahr gewährt, auch wenn der entsprechende Grad der Behinderung nur einen Teil des Jahres vorgelegen hat. Bei mehreren Graden in einem Kalenderjahr ist der höchste Grad für die Steuerberechnung maßgebend.

So bekommen Sie den Pauschbetrag

Ob und wenn ja in welchen Grad einer Behinderung Sie fallen, muss ein Arzt feststellen. Die verschiedenen Grade sind dabei nach dem Bundesversorgungsgesetz geregelt. Typische Alterserscheinungen fallen nicht darunter, sehr wohl aber jede Krankheit sowie körperliche und geistige Einschränkung, die Sie in Ihrem Alltag behindert. Gleichwohl können Menschen mit derselben Einschränkung verschiedene Grade der Behinderung haben, je nachdem, wie stark sie bei ihnen ausgeprägt ist. „Schwerhörigkeit“ als typisches Beispiel im Alter kann einen GdB von 80 rechtfertigen, aber auch einen von 0.

Damit Sie eine ungefähre Ahnung haben, welchen Grad Sie erreichen können: Farbenblindheit wird typischerweise maximal mit einem GdB von 20 verknüpft, bei Tinnitus kann es auf bis zu 40 nach oben gehen, eine Lese-/Rechtschreibschwäche auf bis zu 50, Diabetes Typ 1 auf bis zu 70, Krebserkrankungen auf bis zu 80 und nur sehr schwere Behinderungen wie Multiple Sklerose, Lähmungen, Blind- oder Taubheit auf bis zu 100.

Dass Menschen mit einem GdB weniger Steuern zahlen müssen, wird damit begründet, dass diese in der Regel höhere Ausgaben haben, um ihren Alltag zu bewältigen. In simplen Fällen kann das eine Haushaltshilfe sein, in schweren ist es ein Heimplatz oder Pfleger, die einen rund um die Uhr betreuen. Um den Pauschbetrag in Anspruch zu nehmen, müssen Sie nicht Ihre tatsächlichen Kosten nachweisen. Diese können also niedriger liegen als der Pauschbetrag. Um den Freibetrag geltend zu machen, müssen Sie lediglich bei der Einkommensteuererklärung die Anlage „Außergewöhnliche Belastungen/ Pauschbeträge“ ausfüllen. Hier tragen Sie den Grad Ihrer Behinderung und die Art des Nachweises – also etwa Ihren Schwerbehindertenausweis – ein. Sollten Sie verheiratet sein, die Einzelveranlagung für die Steuer ausgewählt haben, aber allein nicht genug Rente beziehen, um Steuern zahlen zu müssen, können Sie die Hälfte des Pauschbetrags auf Ihren Ehepartner übertragen.

Ausgaben müssen Schwelle der „zumutbaren Belastung“ überschreiten

Sollten Ihre tatsächlichen Ausgaben für Pflege oder die Behandlung Ihrer Behinderung den jeweiligen Pauschbetrag weit überschreiten, können Sie auf die Pauschale verzichten und stattdessen Ihre tatsächlichen Ausgaben in der Einkommensteuererklärung als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Dazu müssen Sie aber jede Ausgabe belegen. Zudem müssen Ihre Ausgaben die Schwelle der „zumutbaren Belastung“ überschreiten. Diese liegt je nach Höhe Ihres Einkommens, Ihres Ehestatus und der Anzahl Ihrer Kinder bei 1 bis 7 Prozent des Einkommens. Als Beispiel: Bei 25.000 Euro Einkommen als Rentner gelten schon Ausgaben zwischen 250 Euro (bei drei oder mehr Kindern) und 1350 Euro (bei einzelveranlagten Kinderlosen) pro Jahr als „außergewöhnlich“.

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