Absage einer Klimakonferenz mit Greta Thunberg aufgrund kalter Temperaturen basiert auf Parodie

Wurde eine Klimakonferenz mit der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg wegen zu kaltem Wetter abgesagt? Ein Sprecher Thunbergs widerlegt dies. Kalte Wetterereignisse stellen außerdem nicht die globale Erderwärmung infrage.

Aufgrund der kalten Temperaturen sei angeblich eine Klimakonferenz mit der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg abgesagt worden. Das ist jedoch falsch (Bild: Tim Whitby/Getty Images)
Aufgrund der kalten Temperaturen sei angeblich eine Klimakonferenz mit der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg abgesagt worden. Das ist jedoch falsch (Bild: Tim Whitby/Getty Images)

Ende Dezember 2022 kam es in Teilen der USA zu einem Wintersturm, den User zum Anlass nahmen, einen alten Satiretext erneut in sozialen Netzwerken zu teilen. Aufgrund der kalten Temperaturen sei angeblich eine Klimakonferenz mit der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg abgesagt worden. Das ist jedoch falsch, wie ein Sprecher Thunbergs bestätigt. Ein Auftritt in den USA wie im Satiretext sei nicht geplant gewesen. Kalte Wetterereignisse stellen außerdem nicht die globale Erderwärmung infrage.

Auf Facebook (hier und hier) wurde die Behauptung hunderte Male von französischsprachigen Userinnen und Usern geteilt. Auf Telegram sahen den Post mehrere tausend Menschen, auch auf Twitter (hier und hier) und Gettr wurde die Behauptung geteilt.

Die Behauptung: Die Beiträge in den sozialen Netzwerken teilen den Screenshot eines Artikels. Unter der Schlagzeile zur angeblichen Absage einer Klimakonferenz aufgrund extremer Minusgrade ist eine plumpe Fotomontage zu sehen: Greta Thunberg verzieht vor dem Hintergrund einer eingeschneiten Straße das Gesicht. "Das kann man sich nicht ausdenken", schreibt ein Facebook-Nutzer dazu.

Eine Websuche mit den Stichwörtern im Titel des Artikels und "Genesius Times", dem Namen der Veröfftlichung im Screenshot, ergab, dass es sich um einen humoristischen Artikel von der gleichnamigen Satireseite handelt. Die Webseite bezeichnet sich selbst als "die zuverlässigste Seite für Fake News auf dem Planeten" und will die Leserinnen und Leser vor allem "zum Lachen und / oder zum Weinen bringen".

Screenshot der Seite genesiustimes.com: 29.12.2022

Der Text war ursprünglich bereits am 12. November 2019 veröffentlicht worden und ist eine klare Parodie. Im Text wird die fiktive Organisation "International Global Warming Trust" beschrieben, zu deren Veranstaltung im US-amerikanischen Bundesstaat Michigan Greta Thunberg angeblich mit einem "Heißluftballon, der von ihrem eigenen Atem angetrieben wird" reise. Am 19. Dezember 2022 erschien der Artikel erneut auf den Facebook- und Twitterkonten von "Genesius Times", als die USA die Ankunft eines großen Wintersturms erwarteten. Der Sturm mitten in der Weihnachtszeit hat landesweit mindestens 61 Menschen das Leben gekostet.

Auf Anfrage bestätigte der Pressesprecher von Greta Thunberg gegenüber AFP am 28. Dezember 2022, dass die Aktivistin "nicht beabsichtigte, an einer derartigen Konferenz teilzunehmen" und dass sie "keine einzige Veranstaltung in den USA absagen musste".

"Da Greta Thunberg nicht mit dem Flugzeug reist, ist es ihr in der Regel nicht möglich, an einer Veranstaltung in den USA teilzunehmen, es sei denn, sie nimmt wieder ein Schiff", sagte ihr Sprecher ergänzend. 2019 war Greta Thunberg schon einmal mit dem Segelboot in die Vereinigten Staaten gereist, um dort an einem UN-Klimagipfel teilzunehmen.

Greta Thunberg ist bereit, "das Megafon" an andere weiterzugeben, die für das Klima kämpfen

Anfang November 2022, während des Auftakts der UN-Klimakonferenz in Ägypten und nach vier Jahren, in denen sie mit Klimastreiks mobilisiert hatte, teilte Greta Thunberg der schwedischen Nachrichtenagentur TT mit, dass sie das "Megafon weitergeben" wolle.

"Wir müssen auch den Aussagen und Erfahrungen der Menschen zuhören, die am meisten von der Klimakrise betroffen sind", plädierte die 19-jährige Schwedin. Die Aktivistin der globalen Bewegung Fridays for Future, die zu einem Aushängeschild des Klimaschutzes geworden ist und über die intensiv berichtet wurde, seit sie 2018 einen "Schulstreik für das Klima" begonnen hat, will Ende des Jahres das Gymnasium abschließen. Im nächsten Jahr will die Stockholmerin ein Studium aufnehmen. Wie ihr möglicher Rückzug aus dem Scheinwerferlicht aussehen kann, darüber spricht sie noch nicht.

Greta Thunbergs große mediale Präsenz hat sie in den vergangenen Jahren auch zum Gegenstand zahlreicher Falschmeldungen gemacht. Einige dieser Behauptungen hat AFP widerlegt, von dem angeblichen Aufruf an China, "keine Essstäbchen mehr zu benutzen", um Bäume zu retten über ein angeblich vermülltes Festivalgelände nach einer Rede Thunbergs bis zu gefälschten Bildern, die Greta Thunberg angeblich an einer Tankstelle zeigen.

 Greta Thunberg und ihr Vater Svante bei einer Pressekonferenz auf dem UN-Klimagipfel in Katowice, Polen, am 4. Dezember 2018 ( AFP / JANEK SKARZYNSKI)
Greta Thunberg und ihr Vater Svante bei einer Pressekonferenz auf dem UN-Klimagipfel in Katowice, Polen, am 4. Dezember 2018 ( AFP / JANEK SKARZYNSKI)

Kein "direkter kausaler Zusammenhang" zwischen einem einmaligen Wetterereignis und der Klimaentwicklung

Im Gegensatz zu dem, was die Beiträge in sozialen Netzwerken mit dem Anfang des Genesius-Times-Artikels implizieren, stellen extreme Kälteperioden die Realität der globalen Erwärmung nicht infrage. Auch eine solche Behauptung hat AFP bereits widerlegt.

Florian Tolle ist Dozent für Geographie an der Universität Franche-Comté im französischen Besançon, das zu theoretischer und quantitativer Geographie forscht. Er sagte gegenüber AFP am 28. November 2022 für einen anderen Faktencheck: "Es gibt keinen direkten Kausalzusammenhang zwischen einem punktuellen Wetterphänomen wie der gemessenen Schneedecke zu Beginn der kalten Jahreszeit – auch wenn sie bis zum Frühjahr anhalten sollte – und den grundlegenden Trends der Klimaentwicklung, die sich wiederum auf mehrere Jahre erstrecken."

Außerdem fügte der Experte hinzu: "Was auch in diesem Winter kommt, ob er rau wird oder nicht, das wird nicht genügen, um die grundlegenden Tendenzen unseres Klimas zu deuten. Nur die Untersuchung des Klimas über einen längeren Zeitraum verschafft uns ein klares Bild der aktuellen Trends. Und wenn sich dieser Winter tatsächlich als schneereich und kalt erweist, wird das nur eine einmalige Atempause in einem Trend steigender Temperaturen sein, der in den letzten Jahrzehnten ungebrochen war."

Karl Rittger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Arktis- und Alpenforschung in Colorado in den USA, sagte außerdem am 28. November 2022 für den selben Faktencheck mit Blick auf CO2-Werte: "Wie die CO2-Messungen in der Atmosphäre zeigen, ist dieser Wert nicht gesunken: Er steigt seit Beginn dieser Messung von Jahr zu Jahr an."

Diese Daten können auf der Keeling-Kurve eingesehen werden, die die Entwicklung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre seit 1958 beschreibt. Benannt ist sie nach den Messungen des US-amerikanischen Wissenschaftlers Charles David Keeling. Er hatte die Messungen an der Mauna-Loa-Messstation auf Hawaii initiiert.

Stand der Erderwärmung - Entwicklung der Temperatur, des Meeresspiegels, der CO2-Konzentration und des arktischen Eisverlustes

Karl Rittger erinnerte gleichzeitig an verschiedene Auswirkungen der globalen Erwärmung, darunter "mehr Extremereignisse", wie zum Beispiel starke Schneefälle.

AFP überprüfte wiederholt einzelne Wetterereignisse, die Nutzerinnen und Nutzer zum Anlass nahmen, die Erderwärmung anzuzweifeln (hier, hier, hier).

Wie AFP in einem Artikel vom Juni 2022 erläutert, stehen die im Sommer 2022 in Europa verzeichneten Hitzewellen und die zu Überschwemmungen führenden starken Niederschläge nicht im Widerspruch zueinander. Das erklärt eine Studie, die 2021 in der Zeitschrift "Science Advances" veröffentlicht wurde. Durch den Klimawandel gerät das Klima auf ungefähr zwei Dritteln des Planeten mehr und mehr aus dem Gleichgewicht. "Das bedeutet größere Schwankungen zwischen feuchten und trockenen Extremen", schließt die Studie.

Fazit: Greta Thunberg hat keine angebliche Konferenz zur Erderwärmung in den USA aufgrund der extremen Kältewelle im Dezember 2022 abgesagt. Der zitierte Artikel ist eine Parodie und wurde schon 2019 veröffentlicht. Thunbergs Pressesprecher bestätigte gegenüber AFP, dass die Teilnahme an einer derartigen Veranstaltung nicht geplant war.

Video: Thunberg über ihr Klima-Buch: "Ich werde daran kein Geld verdienen"