„Absolut instinktlos“ - Grünen-Bürgermeister legt sich Audi-SUV mit 340 PS zu - jetzt hagelt es Kritik

Sven Schoeller, Bürgermeister in Kassel, hat sich einen SUV mit 340 PS zugelegt.<span class="copyright">Imago, Swen Pförtner/dpa</span>
Sven Schoeller, Bürgermeister in Kassel, hat sich einen SUV mit 340 PS zugelegt.Imago, Swen Pförtner/dpa

In Kassel muss der grüne Oberbürgermeister Kritik einstecken, weil er sich einen 340 PS starken Audi-SUV als Dienstwagen angeschafft hat. Der ist zwar vollelektrisch, doch so ganz passt er trotzdem nicht zur Verkehrspolitik des Stadtoberhauptes.

Als Sven Schoeller im Frühjahr 2023 neuer Oberbürgermeister von Kassel wurde, hatte der Grünen-Politiker eine klare Haltung zur Verkehrspolitik: Im Wahlkampf hatte er sich für den Ausbau von Radwegen und ÖPNV starkgemacht. Nach Amtsantritt sorgte Schoeller für Aufregung, weil er auf einer zentralen Straße der hessischen Stadt eine Auto- gegen eine Fahrradspur austauschen wollte.

Bürgermeister in Kassel legt sich SUV zu mit 340 PS zu

Wenn es um eigene Belange geht, scheint der grüne Oberbürgermeister aber durchaus ein Autofreund zu sein: Als neuen Dienstwagen hat sich Schoeller einen SUV zugelegt.

Der Audi Q8 ist zwar elektrisch, doch für Aufsehen sorgt die Anschaffung dennoch in der Kasseler Politik. SPD-Fraktionschefin Anke Bergmann findet es „absolut instinktlos“, dass Schoeller einen Dienstwagen mit 340 PS ausgewählt hat, wie sie der „Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen“ (HNA) sagte.

Die FDP, im Rathaus in einer Koalition mit den Grünen, ist der Zeitung zufolge ebenfalls verärgert: „Ob das vor dem Hintergrund ständiger grüner Forderungen nach weniger Autos und Verkehr und mehr Verzicht nun der größte SUV der Audi-Modellpalette sein muss, halte ich für schwierig vermittelbar“, sagte die Stadtverordnete Manuela Ernst.

So verteidigt die Stadt Kassel den SUV des Oberbürgermeisters

Laut HNA verteidigt die Stadt Schoellers Entscheidung für den fast fünf Meter langen SUV: Der große Innenraum des Q8 ermögliche ein konzentriertes Arbeiten bei längeren Dienstfahrten. Außerdem würde das große Auto nicht immer im öffentlichen Raum abgestellt werden, sondern zum Beispiel in der Rathausgarage. Der Flächenbedarf sei deshalb geringer als bei privat genutzten Fahrzeugen.

Für die Grünen-Fraktionschefin Christine Hesse ist die Entscheidung ohnehin ein „Bekenntnis zu nachhaltiger Mobilität“. In Sachen CO2-Ausstoß ist der SUV tatsächlich eine Verbesserung: Zuvor hatte die Stadt drei Hybrid-Fahrzeuge im Fuhrpark. Die Leasingverträge waren im September 2023 ausgelaufen.

Die Dienstfahrzeuge von Politikern sorgen immer wieder für Aufregung – meist jedoch, weil sie sich gegen ein E-Auto entscheiden. Die schwarz-rote hessische Landesregierung erntete zum Beispiel Kritik, weil die meisten Ministerinnen und Minister die elektrischen Dienstwagen der schwarz-grünen Vorgängerregierung gegen Verbrenner austauschten.

Die Deutsche Umwelthilfe veröffentlichte ein Ranking zum CO2-Ausstoß der Bundesminister. Auf den Spitzenplätzen lagen 2022 Bauministerin Klara Geywitz und Arbeitsminister Hubertus Heil von der SPD, gefolgt von Justizminister Marco Buschmann und Verkehrsminister Volker Wissing von der FDP. Vollelektrisch sind zwei grüne Minister Politiker unterwegs: Umweltministerin Steffi Lenke und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir.