Acht Hinrichtungen in zehn Tagen: Exekutionswelle in US-Bundesstaat mit absurdem Grund

Blick in eine Todeszelle in einem US-amerikanischen Gefängnis. (Bild: Associated Press)

Eine geplante Hinrichtungswelle stößt im US-amerikanischen Bundesstaat Arkansas auf massive Empörung. Der Grund für die vielen Exekutionen: Ein Mittel, das für die Todesspritze verwendet wird, läuft demnächst ab.

Midazolam heißt das Pharmaprodukt, das bei Hinrichtungen als Betäubungsmittel verabreicht wird. Weil die Midazolam-Vorräte des Hochsicherheitsgefängnis Ende April aber ablaufen und kein Nachschub möglich ist, ordnete der Gouverneur von Arkansas, Asa Hutchinson, per Dekret acht Hinrichtungen in zehn Tagen an. Die betroffenen Inhaftierten sitzen durchschnittlich seit zwanzig Jahren im Todestrakt.

Sollte Hutchinson die Hinrichtungen durchsetzen, sprechen Menschenrechtsaktivisten von der größten Hinrichtungswelle in den USA seit mehr als 40 Jahren. Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA gäbe es nur einen Bundesstaat, der in so kurzer Zeit gleich viele Exekutionen vollzog – Texas im Jahr 1977, so Statistiken des Death Penalty Information Center (DPIC). Außerdem habe es noch nie mehrere Doppelhinrichtungen in einer Woche gegeben.

Gegner der Todesstrafe weisen darauf hin, dass Arkansas seit 2005 kein Todesurteil mehr vollstreckt hat. Geht es nach Hutchinson, soll sich dies bald ändern: Die Exekutionen sind für den 17., 20., 24. und 27. April angesetzt.

Das Mittel Midazolam wird als Betäubungsmittel während der Hinrichtung eingesetzt. (Bild: Associated Press)

Der Grund für den Midazolam-Engpass: Europäische Pharmafirmen weigern sich, den US-Behörden Nachschub zu liefern. Das Medikament steht seit einigen Jahren in der Kritik: Es sei schlichtweg nicht stark genug, um bei der Hinrichtung Schmerzen beim Todeskandidaten zu vermeiden. 2014 hatte die grausame Exekution von Clayton Lockett in Oklahoma für einen weltweiten Aufschrei gesorgt: Nachdem er eine Dosis Midazolam verabreicht bekommen hatte, dauerte sein schmerzerfülltes Ringen mit dem Tod ganze 43 Minuten.

Eine Klage gegen Exekutionen per Giftspritze wies der Oberste Gerichtshof im Februar ab. Vergangene Woche reichten die betroffenen Häftlinge erneut Klage ein: Die geplante Vollstreckung der Todesurteile gebe ihnen nicht genügend Zeit, um ihren Widerspruch vorzubereiten.

Hutchison selbst erklärte, er wünsche sich eine verlängerte Haltbarkeit von Midazolam. Leider sei dies aber nicht möglich. Außerdem sollen die Hinterbliebenen der Opfer nicht länger „mit der Ungewissheit leben müssen“.

Dies stößt auch innerhalb der USA auf Kritik: Der Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Kenneth Roth, sprach von einem „grotesken Eiltempo“. Die „New York Times“ nannte Hutchinsons Begründung „absurd“.

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