Acht Jahre nach Einsturz Grundstein für neues Kölner Stadtarchiv gelegt

Hier entsteht das neue Stadtarchiv

Neue Heimat für Kölns historisches Stadtarchiv: Acht Jahre nach dem verheerenden Einsturz des alten Kölner Archivgebäudes ist in der ältesten der deutschen Millionenstädte der Grundstein für einen Neubau gelegt worden. Das 80,5 Millionen Euro teure Gebäude am Rande der Innenstadt soll das modernste Kommunalarchiv Europas beherbergen, wie die parteilose Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker bei der Feier am Freitag sagte.

Das frühere Archivgebäude war am 3. März 2009 bei U-Bahnbauarbeiten in der Kölner Südstadt eingestürzt. Zwei Anwohner kamen ums Leben. Der weitaus größte Teil der Archivalien wurde verschüttet - Historiker und Archivexperten sprachen damals von einer Katastrophe für die europäische Geschichtsschreibung. Denn insgesamt beherbergte das eingestürzte Gebäude 30 Regalkilometer Archivalien - zum Vergleich: Mittelgroße Kommunalarchive haben etwa drei Kilometer Aktenbestand.

Reker sagte bei der Grundsteinlegung, mit dem Bau des neuen Archivgebäudes werde "ein lang ersehntes Projekt Wirklichkeit". "Heute ist ein guter Tag für Köln." Der Neubau soll 2020 fertig gestellt sein und auf mehr als 20.000 Quadratmetern Platz für 58 Regalkilometer Archivalien und 460 Planschränke bieten.

Ebenfalls in dem Gebäude untergebracht wird das Rheinische Bildarchiv. In dem Neubau soll nach den Worten der Kölner Oberbürgermeisterin ein "Bürgerarchiv" entstehen, das sowohl Wissenschaftlern als auch interessierten Privatleuten offen steht.

In den Monaten und Jahren nach dem Einsturz des früheren Archivgebäudes hatten tausende Helfer und Feuerwehrleute 95 Prozent des Archivbestands bergen können. Allerdings ist der Zustand des Archivguts sehr unterschiedlich: Nur 15 Prozent der geborgenen Archivalien sind leicht beschädigt, 50 Prozent weisen mittlere bis schwere, 35 Prozent sogar schwerste Schäden auf.

Die Restaurierung der Archivalien wird daher noch Jahrzehnte dauern. Wollte ein Restaurator allein diese Mammutaufgabe bewältigen, wäre er damit 6300 Jahre beschäftigt.

Zum Kölner Archiv gehören allein 65.000 Urkunden aus 1100 Jahren Stadtgeschichte, 1800 Handschriften aus Mittelalter und früher Neuzeit, 1400 Bände mit mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Rechnungen sowie 150.000 Karten und Pläne. Außerdem zählen zum Archiv der 2000 Jahre alten Domstadt mehr als 50.000 Plakate, über eine halbe Million Fotos und etwa 800 Sammlungen beziehungsweise Nachlässe von Prominenten aus Kultur und Politik.

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