Acht Jahre Haft für früheren Priester wegen Kindesmissbrauchs gefordert

"Vier bis fünf Kinder pro Woche" missbraucht: Ex-Priester Preynat

Mindestens acht Jahre Haft: Das ist die Strafforderung für einen früheren Priester in Frankreich, der den sexuellen Missbrauch zahlreicher Schutzbefohlener gestanden hat. "Ihre Maske ist gefallen", sagte Staatsanwältin Dominique Sauves am Freitag zu dem früheren Geistlichen Bernard Preynat in Lyon. Der 74-Jährige hatte vor Gericht gestanden, als Leiter von Pfadfindergruppen und Ferienlagern zeitweise "vier bis fünf Kinder pro Woche" missbraucht zu haben.

Der frühere katholische Priester habe sich "das Schweigen der Eltern und das Schweigen der Kirche zunutze gemacht", um über einen Zeitraum von 20 Jahren Jungen sexuell zu missbrauchen, sagte die Staatsanwältin weiter. Preynat hatte ausgesagt, er habe die Übergriffe in den Jahren 1971 bis 1991 als Geste der "Zärtlichkeit" verstanden.

Insgesamt treten zehn Opfer in dem Verfahren als Zivilkläger auf. Ein Teil der Taten ist bereits verjährt. Die katholische Kirche hatte Preynat im vergangenen Juli seiner geistlichen Würden enthoben, gut vier Jahre nach Bekanntwerden der Missbrauchs-Vorwürfe.

Der Fall führte zum Sturz des höchsten Geistlichen Frankreichs: Kardinal Philippe Barbarin trat als Erzbischof von Lyon zurück, nachdem ihn ein Gericht in erster Instanz schuldig gesprochen hatte, den Priester jahrelang gedeckt zu haben. Derzeit läuft das Berufungsverfahren gegen den Kardinal, der sich gegen seinen Schuldspruch wehrt. Die Staatsanwaltschaft hat auf Freispruch plädiert, da der Kardinal nicht persönlich für "Fehler" der katholischen Kirche haften könne. Das Urteil wird am 30. Januar erwartet.